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Um 200 Jahre alten Traditionsladen zu retten: 74-Jähriger arbeitet immer weiter

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Von: Verena Möckl

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Damit sein Traditionsgeschäft in Regensburg nicht schließen muss, steht Messerschmied August Birzer noch mit 74 in seinem Laden im Taubengässchen.
Damit sein Traditionsgeschäft in Regensburg nicht schließen muss, steht Messerschmied August Birzer noch mit 74 in seinem Laden im Taubengässchen. © Screenshot BR

Für den Traditionsladen „Messer Birzer“ in Regensburg findet sich kein Nachfolger. Um die Schließung hinauszuzögern, steht der Geschäftsführer selbst mit 74 Jahren noch in seinem Laden.

Regensburg - August Birzer liebt sein Handwerk. Der Messerschmied führt das Traditionsgeschäft im Taubengässchen in der Regensburger* Altstadt in der siebten Generation. Doch damit wird bald Schluss sein, denn Birzer findet keinen Nachfolger. Seine beiden Kinder würden das Geschäft, wie BR berichtet, nicht übernehmen. Für das knapp 200 Jahre alte Familienunternehmen bedeutet das das Ende. „Das macht mich sehr traurig“, sagt Birzer gegenüber Merkur.de.

Traditionsladen in Regensburg: Nach fast 200 Jahren endet Familienunternehmen

Für Birzer, der sein Handwerk nicht als Beruf, sondern Berufung versteht, ist das besonders schmerzlich. „Eine Wehmut ist schon da“, sagt er im Interview mit Merkur.de. Um die Schließung seines Geschäfts hinauszuzögern, macht der Messerschmied selbst im Alter von 74 Jahren noch weiter. Solange es körperlich noch möglich sei, wolle er sein Handwerk ausführen.

Dabei ist August Birzer eigentlich schon seit zehn Jahren in Rente. Doch, weil er das Familiengeschäft nicht aufgeben könne, steht er nach wie vor in seinem 16 Quadratmeter kleinen Laden. Die Arbeit halte ihn geistig und körperlich fit, erklärt er. „Ich brauche nicht in einen Sportverein eintreten, ich habe meine Arbeit.“

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Regensburger Traditionsgeschäft „Messer Birzer“: Messerschmied Birzer liebt sein Handwerk

Als Jugendlicher hatte Birzer jedoch andere berufliche Pläne. Technischer Zeichner wollte er werden, wie er dem BR erzählte. Sogar den Ausbildungsvertrag hatte er schon in der Tasche. Doch die Krankheit seines Vaters hielt Birzer davon ab. Diese Entscheidung habe er bis heute nicht bereut. Seit 60 Jahren ist er nun schon als Messerschmied tätig.

Das Traditionsgeschäft „Messer Birzer“ im Taubengässchen in der Regensburger Altstadt steht vor dem Aus.
Das Traditionsgeschäft „Messer Birzer“ im Taubengässchen in der Regensburger Altstadt steht vor dem Aus. © (Screenshot) BR

Der Schleifmeister liebt es, seine Kunden über Messer zu beraten. Seine Messerschmiede ist eine Institution in der Regensburger Altstadt. Bei ihm kommen Kunden unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Absichten. „Von 14 Jahren bis rauf auf 90. Der eine hat halt ein Faible für Taschenmesser, der andere will gute Kochmesser haben“, sagte Birzer dem BR. Auf der ganzen Welt hätten Kunden schon bei ihm eingekauft. Sogar prominente Persönlichkeiten wie Helge Schneider, der eine Heckenschere von Messer Birzer besitzt.

Messerschmied August Birzer: „Wenn ich körperlich nicht mehr kann, muss ich einen Schlussstrich ziehen“

„Ich bin dankbar, dass es mir vergönnt ist, noch weiterzuarbeiten“, so Birzer gegenüber Merkur.de. Sein Vater sei in diesem Alter schon schwer krank gewesen. „Das, was ich leiste, konnte mein Vater nicht mehr leisten.“ Doch Birzer ist sich bewusst: „Wenn ich körperlich nicht mehr kann, muss ich einen Schlussstrich ziehen.“ Bis dahin genießt der 74-Jährige jeden Tag, den er noch in seinem Laden stehen kann.

So wie Birzer geht es einigen Traditionsbetrieben in Bayern in der vergangenen Zeit. Auch in Starnberg muss ein Traditionsunternehmen schließen. Grund ist nicht allein die Corona-Pandemie. Und in Garmisch-Partenkirchen hat ein Geschäft seine Türen für immer geschlossen. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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