1. Startseite
  2. Bayern
  3. Regensburg & Oberpfalz

Regensburg beschließt Mammutprojekt: Hallenbad und Sporthalle für 43 Millionen Euro

Erstellt:

Kommentare

In Nürnberg findet bald ein Badetag für Inter- und Transsexuelle statt.
Regensburg bekommt ein neues Hallenbad. (Symbolbild) © Philipp Schulze/ dpa

Regensburg hat zu wenig Wasserflächen für Vereine, Schulsport und Schwimmkurse. Deshalb hat der Stadtrat nun ein neues Hallenbad auf den Weg gebracht.

Regensburg - Coronabedingt muss Regensburg* sparen – wie andere Kommunen auch. Erst kürzlich wurde der Verwaltungshaushalt der Stadt pauschal mit einer Ausgabensperre von 25 Prozent belegt. Auch ein lange geplantes Verleihsystem für Fahrräder wird deshalb – aus Kostengründen – voraussichtlich beerdigt. Den Sparplänen nicht zum Opfer fallen aber soll der „Sportpark Ost“, ein Hallenbad und eine Leihathletikhalle im Stadtosten Regensburgs. In mehreren Ausschüssen des Stadtrats wurde das Projekt diese Woche auf den Weg gebracht. Insgesamt will man dabei fast 43 Millionen Euro investieren.

„Sportpark Ost“ in Regensburg: Kosten mehr als verdoppelt

Der Grundsatzbeschluss für das Projekt liegt bereits etwas länger zurück. Im September 2017 beschloss der Stadtrat, neben der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne (PLK), auf der ein energieautarkes Vorzeigeviertel entstehen soll, eine Leichtathletikhalle zu bauen. Ein Jahr später folgte auf Grundlage der „neuen Bäderstrategie“ des Stadtwerks Regensburg die Entscheidung für ein neues Hallenbad. Damals wurden die Nettokosten für Halle und Bad auf lediglich 19,2 Millionen Euro beziffert.

Manfred Koller, Chef der Stadtwerk GmbH, die den Betrieb von Hallenbad und Leichtathletikhalle übernehmen soll, betont, dass in dieser Kalkulation bereits substantielle Einsparungen enthalten seien. In einer Kostenschätzung vom September 2020 sei man noch von 47 Millionen ausgegangen. Eigentlich habe man diesen Betrag sogar um acht Millionen drücken können. Doch dann seien Zusatzleistungen ins Spiel gekommen. Auch müsse das Stadtwerk den Baugrund selbst von Altlasten befreien. Hinzu kämen Zusatzwünsche von Vereinen wie ein Kraftraum samt Sportgeräten oder Schutznetze für Baseballer, die die Halle auch nutzen sollen. Und so seien es nun eben besagte knapp 43 Millionen Euro netto.

Neues Hallenbad für Regensburg: „Permanenter Verteilungskampf um Wasserflächen“

Ob es Zuschüsse von Bund und Freistaat geben wird, ist bislang nicht geklärt. Dies sei aber „wahrscheinlich“, heißt es vom Stadtwerk. Der Baubeginn ist für November 2022 angesetzt. 2025 soll das Projekt mit einer Gesamtfläche von knapp 20.000 Quadratmetern stehen.

Der Sportpark Ost ist ein Prestigeprojekt der aktuellen Regierungskoalition. Im gemeinsamen Vertrag von CSU*, SPD*, FDP*, Freien Wählern und CSB findet sich ein ausdrückliches Bekenntnis zu dem Projekt. Doch wegen der angespannten Haushaltslage flog die Halle im vergangenen Jahr noch aus dem Investitionsprogramm.

Der Siegerentwurf von Behnisch Architekten beim Architekturwettbewerb für den Sportpark Ost.
Der Siegerentwurf für den Sportpark Ost (Behnisch Architekten) sieht zwei Gebäudeteile vor. Das Hallenbad befindet sich links. © Michael Bothner

Insbesondere das Hallenbad sei dringend notwendig, betont Koller. In der Stadt gebe es einen „permanenten Verteilungskampf“ zwischen Vereinen, dem Schulsport und der Öffentlichkeit um Wasserflächen. Das Westbad und das Hallenbad in der Gabelsbergerstraße, das spätestens 2025 saniert werden muss, reichen demnach nicht aus. Derzeit müsse man bis zu anderthalb Jahre auf einen Platz bei einem Schwimmkurs warten.

Auch die Sanierung des Wöhrdbads lief nicht wie geplant ab.

Sportpark Ost: ÖDP lehnt Leichtathletikhalle ab

Eine gemeinsame Abwicklung von Hallenbad und Leichtathletikhalle sei wirtschaftlicher als ein Einzelprojekt, so die mehrheitliche Haltung im Stadtrat. SPD-Fraktionschef Thomas Burger spricht beispielsweise von „Synergieeffekten“, die genutzt werden könnten. Brücke-Stadtrat Thomas Mayr befürchtet Mehrkosten von mehreren Millionen, sollte man die Projekte aufspalten. Die Brücke habe schon vor einem Jahr genau das gefordert, aber sei damit gescheitert. Nun würden die Vorschläge seiner Fraktion „eins zu eins übernommen“. Das sei „Copy und Paste. Plagiat“, beklagt Mayr.

Etwas anders sieht das ÖDP-Stadtrat Joachim Graf. Für ihn ist das Hallenbad ein „Must-have“, die Leichtathletikhalle aber nur ein „Nice-to-have“ – und derzeit zu teuer. Seine Fraktion stimmt als einzige gegen das Projekt in der nun vorliegenden Form. Die Grünen hingegen sprechen von einem „zentralen Vorhaben im Stadtosten“. Er sei froh, dass abgesehen von der ÖDP nicht mehr darüber geredet werde, ob sondern wie man den Bau realisieren wird, so Stadtrat Daniel Gaittet.

(Übrigens: Unser brandneuer Regensburg-Newsletter informiert Sie rund um die anstehende Bundestagswahl über alle Entwicklungen und Ergebnisse aus der Weltkulturerbe-Stadt – und natürlich auch über alle anderen wichtigen Geschichten aus Regensburg.)

Sportpark Ost: Debatte ums Energiekonzept

Für längere Diskussionen im Sportausschuss sorgt lediglich das Energiekonzept. Dieses solle auf „einer möglichst CO2-neutralen und auf erneuerbaren Energien basierenden“ Versorgung fußen, heißt es in der Beschlussvorlage. Den Grünen* ist das zu schwammig. Sie fordern eine klare Festlegung. Das Wörtchen „möglichst“ soll gestrichen werden. Das fertige Energiekonzept soll zudem zu einem späteren Zeitpunkt dem zuständigen Ausschuss erneut vorgelegt werden.

Stadtwerk-Geschäftsführer Koller hofft bislang, dass die Leichtathletikhalle und das energieintensive Hallenbad über das spätere klimaneutral geplante Energienetz der Prinz-Leopold-Kaserne versorgt werden kann. Sein Appell an die Stadträte: „Sorgen Sie dafür, dass dort ein Konzept passiert, dass CO2-neutral ist und Wärme für uns übrig hat.“ Das sei die beste Lösung. Und wenn dieses klimaneutral werde, dann gelte das auch für Hallenbad und Halle.

Sollte diese Variante nicht klappen, werde das Stadtwerk auf alle Fälle die Wärmeversorgung mit dem Kriterium „Klimaneutralität“ ausschreiben. Abschließend beraten wird das Energiekonzept – wie von den Grünen gefordert – in einer späteren Sitzung. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare