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Kiosk, Klo und Dachterrasse: Künstler mischt Regensburger Stadtrat mit Ideen für den Ostpark auf  

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Der Regensburger Stadtrat Jakob Friedl (Ribisl-Partie) vor dem Alten Rathaus in Regensburg.
Der Künstler Jakob Friedl ist im Stadtrat bekannt für umfangreiche Fragenkataloge und ungewöhnliche Vorschläge. © Martin Oswald

Bislang wurde der Ostpark im Kasernenviertel von Regensburg stiefmütterlich behandelt. Jetzt soll er aufgewertet werden. Künstler Jakob Friedl hat nun eine Idee.

Regensburg - Er ist regelmäßig für ungewöhnliche Ideen gut: der Regensburger Stadtrat Jakob Friedl. Mit dem Konzept „Malkampf statt Wahlkampf“ hat es der Künstler 2020 zwar nur äußerst knapp ins Plenum geschafft, doch seitdem nicht der 43-jährige an nahezu sämtlichen Ausschusssitzungen teil, schreibt Pressemitteilungen und bombardiert Stadtspitze und Koalition regelmäßig mit umfangreichen Fragenkatalogen. Als Spaß-Partei lässt sich seine „Ribisl Partie“ längst nicht mehr abtun. Das zeigt nun auch ein aktueller Vorstoß, den Friedl unternimmt, um die heruntergekommene Gartenamtsunterkunft im Regensburger* Ostpark nicht nur zu retten, sondern zu einem „partizipativen Bauprojekt“ umzufunktionieren.

„Park-Haus“ im Ostpark: Früher war es eine Latrine

Als eines von mehreren Gebäuden rund um den Exerzierplatz der ehemaligen Von-der-Tann-Infanterie-Kaserne wurde es zwischen 1891 und 1918 erbaut – als dreistöckiges Latrinengebäude. 1955 pachtete die Stadt Regensburg das heute als Ostpark bekannte Gelände vom Freistaat Bayern und führte das frühere Latrinengebäude nach einigen Rückbaumaßnahmen dem Gartenamt zu.

Mittlerweile wird es kaum noch genutzt. Das Gartenhaus sei in einem „desaströsem Zustand“, sagt Umweltbürgermeister Ludwig Artinger. Da müsse definitiv etwas geschehen. Bislang war ein Abriss und Neubau im Gespräch. Dass etwas passieren muss, findet auch Stadtrat Jakob Friedl. Allerdings hat er eine ganz andere Idee: In einer professionell gestalteten Broschüre präsentiert er die Idee von einem „Park-Haus“.

„Park-Haus“-Idee: Professioneller Entwurf von der OTH Regensburg

Doch damit ist nicht ein Gebäude mit PKW-Stellplätzen, sondern eine Anlaufstelle für die Besucherinnen und Besucher des 2,5 Hektar Ostparks. Dazu soll ein Kiosk samt Dachterrasse gehören, Sitzgelegenheiten und eine öffentliche Toilette. Friedl und seine Mitstreiter haben sich deshalb zu einem „Parkhaus-Kollektiv“ zusammengeschlossen. Mit im Boot: die vier Architekturstudenten Eva-Maria Hierl, Aaron Burkhardt, Miriam Schrott und Moritz Heuberger, die zusammen mit ihrem Professor Markus Emde von der OTH Regensburg bereits einen entsprechenden Entwurf erarbeitet haben.

Jakob Friedl mit Unterstützern seiner Park-Haus-Idee im Regensburger Ostpark.
Jakob Friedl mit Unterstützern seiner Park-Haus-Idee im Regensburger Ostpark. © Michael Bothner

Die Kosten für die Modernisierung des Häuschens schätzt Friedl in einer detaillierten Aufstellung, die er an seine Stadtratskolleginnen verschickt hat, auf etwa 180.000 Euro. Man solle sofort loslegen und das Ganze am Besten noch heuer ins Investitionsprogramm aufnehmen, so sein Vorschlag. Die Stadt habe ohnehin schon viel zu lange damit gewartet, der Forderung nach einem Kiosk und einer öffentlichen Toilette im Ostpark nachzukommen.

Tatsächlich sind die Überlegungen für eine Umnutzung des bisherigen Gerätehauses schon älter. Es wird erstmals im „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept“ (ISEK) erwähnt, das die Stadt Regensburg 2019 vorgestellt hatte. Zusammen mit dem Bürgerverein Süd-Ost) und Anwohnern hatte man zuvor Stadtteilbegehungen und Bürgerbefragungen im Inneren Osten durchgeführt und den ISEK-Maßnahmenkatalog auf deren Basis beschlossen.

„Park-Haus“ im Ostpark: Das Gelände soll ohnehin „aufgewertet“ werden

Darin wird ausdrücklich der Ostpark als wichtige öffentliche Grünfläche und zentraler Anlaufpunkt für das Kasernenviertel benannt. Es gebe einen „hohen Nutzungsdruck“ bei bislang „mangelnden Nutzungsangeboten“ lautet eine wesentliche Feststellung. Mehrere Maßnahmen sollen deshalb im kommenden Jahr durchgeführt werden, um den Ostpark – wie es heißt – „aufzuwerten“.

Wege sollen neu angelegt und zum Teil verbreitert werden. Der bisher quer durch den Park geführte Weg soll verschwinden. Tischtennisplatten, eine Boulefläche und Schachtische sind geplant, um eine „Aufenthaltsatmosphäre für Jung und Alt“ schaffen, heißt es in der entsprechenden Vorlage der Stadtverwaltung. Die Rasenflächen sollen zudem durch Holzliegen „erleb- und nutzbar“ gemacht werden.

Von dem Gartenhäuschen ist in diesen Plänen allerdings keine Rede mehr. Das rief wiederum Friedl und sein „Parkhaus-Kollektiv“ auf den Plan. „Wir könnten hier ein architektonisch einmaliges Vorhaben starten, fernab von den Standardbauten“, so der umtriebige Stadtrat. Dabei könne das Gebäude vor allem von den Bürgern selbst renoviert und gestaltet werden. Ein „partizipatives Bauprojekt“, das Integration und Identifikation schaffe und zudem die Kosten reduziere, argumentiert Friedl. „Die angedachten partizipativen Bruttobaukosten von 125.000 Euro sind erwartungsgemäß zusätzlich zu 60 Prozent förderfähig. Dadurch würde das Projekt die Stadt Regensburg nur ca. 50.000 Euro kosten.“

Trotz niedriger Kosten: Bürgermeister bleibt zurückhaltend

Bürgermeister Artinger bleibt trotz dieses leidenschaftlichen Plädoyers eher zurückhaltend. Welche Kosten tatsächlich auf die Stadt zukommen würden, könne man noch gar nicht sagen, meint er. Ein Neubau sei vermutlich die bessere Lösung. Völlig vom Tisch wischen will er die Überlegungen des „Parkhaus-Kollektivs“ allerdings nicht. Diese würden auf jeden Fall bei der Neukonzeption des Gartenamt-Gerätehauses einfließen, verspricht er. Allerdings erst später. Vielleicht im nächsten Investitionsprogramm.

Entwurf eines Kioskhäuschens für den Ostpark in Regensburg.
Friedls Entwurf für das „Park-Haus“. © Parkhaus-Kollektiv

Knackpunkt werde die städtische Kassenlage sein. Angesichts der Steuereinbrüche im Zuge der Corona-Pandemie müsse man nämlich mit Ausgaben derzeit vorsichtig sein. Eine feste Zusage könne er deshalb nicht geben.

Auch andere Stadträte bekunden Sympathien für Friedls Vorhaben. Hotelinhaberin Kathrin Fuchshuber, Mitglied der CSU-Fraktion und damit der im Stadtrat am stärksten vertretenen Partei, findet es aber „sehr sportlich“, das Projekt dieses Jahr noch auf den Weg bringen zu wollen. „Das muss erst in unserer Fraktion durchgesprochen werden.“ Bestenfalls könne man im nächsten Jahr grünes Licht geben. Auf unbestimmte Zeit verzögert werden dürfe das Ganze aber nicht, so Fuchshuber.

„Park-Haus“-Idee: Das öffentliche Interesse ist groß

Auch SPD-Fraktionschef Thomas Burger findet Friedls Idee „durchaus charmant“ und zeigt sich beeindruckt, dass Markus Emde ein Professor der OTH Regensburg mit an Bord ist. Doch auch Burger argumentiert mit Zeit und Sparzwang. Zwar seien die veranschlagten Kosten von 50.000 Euro städtischer Anteil kein allzu großer Posten. Dennoch müsse ein solches Vorhaben genau angesehen werden. Er „versuche gerade, im Hintergrund Gespräche zu führen und zu schauen, was man da aber schon im kommenden Jahr auf den Weg bringen kann”.

Abseits vom Stadtrat ist das Interesse am „Park-Haus“ jedenfalls groß. Am 22. November lädt das Quartiersmanagement im Kasernenviertel zu einer Fragestunde in das Begegnungszentrum an der Guerickestraße ein, um die Pläne des „Parkhaus-Kollektiv“ unter die Lupe zu nehmen. Am 17. November beschäftigt sich zudem der Regensburger Architekturkreis e.V. im Degginger mit der Idee. Beide Termine sind kostenlos und öffentlich zugänglich. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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