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Bayerische Landrätin macht bei Impfbitte nicht mit - sie ist mit Hubert Aiwanger liiert

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Von: Stefan Aigner

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Tanja Schweiger (re. bei einer Kundgebung von Einzelhändlern im April 2021 auf dem Regensburger Dultplatz).
Landrätin Tanja Schweiger: „Ob und wann sich jemand impfen lassen will, ist und bleibt eine höchstpersönliche Entscheidung, die jeder respektieren sollte.“ © Michael Bothner/Archivbild

Als einzige von sieben Landräten hat sich die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger nicht an einer Anzeigenkampagne zur Corona-Impfung beteiligt. Pikant: Schweiger ist die Lebenspartnerin von Hubert Aiwanger.

Regensburg - Alle fünf Oberbürgermeister der kreisfreien Städte in der Oberpfalz haben sich beteiligt, ebenso alle Landräte. Alle bis auf die Regensburger* Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler). Es geht um eine Anzeigenkampagne, die der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt initiiert hat und die Anfang August in mehreren regionalen Tageszeitungen erschienen ist. Unter der Überschrift „Gemeinsam gegen Corona*“ bitten 16 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft die Bürgerinnen und Bürger darum, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

„Ziel war es, die Oberpfälzerinnen und Oberpfälzer zu Beginn der vierten Corona-Welle nochmals zum Nachdenken anzuregen und explizit zu bitten, sich (wenn medizinisch möglich) impfen zu lassen“, so eine Sprecherin der Bezirksregierung. Dafür habe man bei „diversen Personen des öffentlichen Lebens“ angefragt, unter anderem sämtliche Landräte in der Oberpfalz.

Landrätin macht nicht mit bei Impfbitte: Schweiger ist mit Hubert Aiwanger liiert

Dass just die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger die einzige von ihnen ist, die sich nicht mit Porträtfoto und Unterschrift beteiligt hat, ist durchaus pikant. Die 43-Jährige ist mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger liiert – einziges Mitglied des bayerischen Kabinetts, das sich bislang nicht gegen Covid-19 impfen lassen will. Aiwangers impfskeptische Äußerungen hatten zuletzt auch für erhebliche Misstöne innerhalb der bayerischen Regierungskoalition und Streit zwischen Ministerpräsident Markus Söder und seinem Stellvertreter gesorgt.

Steckt eine solches Motiv auch hinter der Nichtteilnahme Tanja Schweigers bei der Anzeigenkampagne in der Oberpfalz? Auf Nachfrage geht die Landrätin darauf nicht näher ein. In einem längeren Statement, das Kreisgeschäftsleiter Robert Kellner unserer Redaktion im Namen der Landrätin zukommen lässt und mit dem man zuletzt schon auf „ähnliche Anfragen“ geantwortet habe, wird stattdessen auf die bisherige Arbeit des Landkreises im Zuge der laufenden Impfkampagne verwiesen.

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Landrätin fehlt bei Impfbitte: Spitzen gegen Versäumnisse von Bund und Freistaat

Versehen ist dieses Statement mit Spitzen gegen die Versäumnisse von Bund und Land. Es geht um die anfängliche Impfstoffknappheit, Softwareprobleme bei der zentralen bayerischen Impfregistrierung und den Wust an Verordnungen, mit dem man zu kämpfen gehabt habe.

Der Landkreis habe frühzeitig fünf Impfzentren aufgebaut, die das Impfangebot „sehr gut abgesichert“ hätten, heißt unter anderem. „Von Oktober bis Pfingsten 2021 beherrschte die Thematik Corona-Impfung* den Arbeitsalltag im Landratsamt überproportional. Nicht zuletzt, weil wir im Schnitt zweimal die Woche das Angebot neu organisieren mussten, weil sich die Allgemeinverfügungen überschlagen haben.“ Dabei habe sich die Landrätin „weit über das normale Maß hinaus, mit hohem persönlichen Einsatz um die Impf-Kampagne im Landkreis Regensburg gekümmert“. Schweiger habe sich zu Beginn der Impfkampagne „sogar selbst aktiv am Impfstofftransport beteiligt“.

Keine Impfbitte von Regensburger Landrätin: Landkreis verweist auf „vielfältiges Engagement“

Der Landkreis habe eine „sehr bürgernahe Impfzentrumsstruktur“ aufgebaut und damit sichergestellt, dass unter anderem Menschen im Erziehungs- und Lehrerberuf, in Pflege und Medizin frühzeitig angesprochen wurden und nicht auf die Reihenfolge innerhalb der zentralen bayerischen Impfregistrierung hätten warten müssen. Allen Über-80-Jährigen habe man vor Ort ein vollständiges Impfangebot gemacht. „Wir waren also zwei Mal in jeder Gemeinde.“ Darüber hinaus biete man auch aktuell verschiedenste Aktionen, um impfwillige Menschen niederschwellig anzusprechen.

„Aufgrund dieses vielfältigen Engagements“ habe man davon abgesehen, „darüber hinaus noch an einer zusätzlichen, bezahlten Anzeigenkampagne mitzuwirken“, heißt es schließlich. Man sei „der Meinung, dass die Impfkampagne der Bundesregierung, die auch von der bayerischen Staatsregierung unterstützt wird, mittlerweile so viel Fahrt aufgenommen hat, dass jeder Bürger erreicht werden kann, zumindest der Zeitungslesende.“

Ist die Landrätin geimpft? Keine Antwort von Tanja Schweiger

Die Frage, ob ihre Entscheidung etwas mit der Position ihres Lebenspartners und Parteifreunds Hubert Aiwanger zu tun habe, lässt Landrätin Schweiger unbeantwortet. Ebenso die Nachfrage zu ihrem Impfstatus. „Ob und wann sich jemand impfen lassen will, ist und bleibt eine höchstpersönliche Entscheidung, die jeder respektieren sollte“, lässt Schweiger lediglich mitteilen. Impfen könne „ebenso wie Testen, Maske-Tragen und Abstandhalten, dazu beitragen, die Verbreitung der Coronaviren einzudämmen.“ Und wenn man bedenke, dass die Impfquote bei der jährlichen Grippeimpfung zuletzt bei rund 35 Prozent gelegen sei, „halte ich die Impfquote von 60 Prozent der Gesamtbevölkerung für hoch“. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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