1. Startseite
  2. Bayern
  3. Regensburg & Oberpfalz

„Millionengrab“: Bürgerinitiativen kritisieren neues Parkhaus in Regensburg

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michael Bothner

Kommentare

Mehrere Menschen hinter einem Banner mit der Aufschrift „6,8-Millionen-Euro-Grab“.
Protest vor der offenen Baugrube: Bürgerinitiativen kritisieren das neue Parkhaus auf der früheren Nibelungenkaserne. © Michael Bothner

6,8 Millionen Euro wird es nach derzeitigen Schätzungen kosten: Ein neues Parkhaus für das Areal der früheren Nibelungenkaserne in Regensburg. Mehrere Bürgerinitiativen halten dessen Bau für das falsche Signal.

Regensburg - Verhindern können sie das Projekt nicht mehr. Aber verärgert sind sie doch. Anwohner und Bürgerinitiativen haben am Wochenende ein Zeichen gegen ein geplantes Parkhaus auf dem Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne gesetzt.

Das Gebiet hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wo früher Bundeswehrgebäude standen sind heute Wohnungen und ein Park, Urban Gardening, ein Sportplatz und Regensburgs erster (preisgekrönter) Inklusionsspielplatz. Das Haus RUBINA fördert die Forscherinnen und Forscher von morgen. Und wiederum etwas weiter Richtung Norden reiht sich mittlerweile ein Technologie-Unternehmen an das andere. Der TechCampus direkt gegenüber der OTH-Regensburg gilt als zukunftsweisender Wirtschaftsstandort für die Region. 4.000 Personen sollen hier in den kommenden Jahren beschäftigt sein. Eine Erfolgsgeschichte.

Neues Parkhaus: Wichtiges Projekt oder Millionengrab?

Für diese Beschäftigten braucht es Parkplätze – so die Überzeugung der Stadt Regensburg. 377 Stellplätze auf insgesamt elf halbgeschossigen Ebenen sollen es werden – zum Teil unterirdisch. Über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sollen 50 E-Ladesäulen mit regenerativem Strom versorgt werden. Bei schlechtem Wetter will das Stadtwerk als Betreiberin das Parkhaus mit Ökostrom aus dem Regensburger Wasserkraftwerk versorgen. Diese „Quartiers-Garage“ sei ein „wichtiges Infrastrukturprojekt“, sagt Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, und genau so unverzichtbar wie eine gute ÖPNV-Anbindung. 6,8 Millionen Euro soll dieses Parkhaus in der Franz-Mayer-Straße kosten.

Der VCD Regensburg und der Bürgerverein Süd-Ost (BüSO) hingegen kritisieren das Vorhaben scharf. „6,8 Millionen-Euro-Grab“, steht auf dem Banner, mit dem sie sich vor der bereits ausgehobenen Baugrube postiert haben. Zusammen mit Vertretern der Altstadtfreunde, der Omas for Future, von attac und dem ADFC.

Nachhaltiges Parkhaus? Bürgerinitiative spricht von „Greenwashing“

Bereits im Oktober 2020 wurde das Großprojekt vom Stadtrat beschlossen – gegen die Stimmen der ÖDP und der beiden Einzelstadträte Jakob Friedl (Ribisl) und Irmgard Freihoffer (Linke).

Stadt und Stadtwerk sprechen von einem nachhaltigen Projekt. Eine Fassade aus verzinkten Stahlblechquadraten soll natürliches Licht ins Innere leiten, gleichzeitig Licht- und Schallemissionen nach außen verhindern. OB Maltz-Schwarzfischer: „Die Nordseite wird zudem vollflächig begrünt, um den Blick vom Wohnquartier auf das Parkhaus angenehmer und natürlicher zu gestalten.“

Von „Greenwashing auf höchstem Niveau“ spricht dagegen BüSO-Vorstand Hans Brandl. Wolfgang Bogie (VCD) bezeichnet das Millioneprojekt als „völlig unreflektiert“. „Das hat nur wenig mit der Verkehrswende zu tun“. Als eine Art „Standardreflex der Städteplanung“ seien Parkhäuser laut Bogie ein „Relikt aus der Vergangenheit“. Und auch wenn man den Bau nicht mehr stoppen könne, wolle man nach dessen Sinn fragen. „Warum muss dieses Vorhaben unbedingt jetzt angegangen werden? Warum hat man nicht noch gewartet?“

Es sei derzeit überhaupt nicht absehbar, wie sich die Arbeitswelt durch Corona verändern wird, so Bogie. „Es werden künftig mehr Menschen im Homeoffice sein.“ Schon jetzt sei völlig unklar wie die Stadt auf die Zahl von 377 benötigten Parkplätzen komme und wie das Stadtwerk das Gebäude einmal wirtschaftlich betreiben wolle. Die Beschlussvorlage würde all das nicht klären und die Stadt „agiert hier nicht transparent“, kritisiert der VCD-Vorsitzende.

Grüne im Stadtrat: Erst dafür, jetzt dagegen

Auch Stefan Christoph und Daniel Gaittet von den Grünen sind am Samstag vor Ort. Ihre Fraktion hatte im Oktober 2020 noch für den Bau des Parkhauses gestimmt. In der Zwischenzeit hätten sich aber bei ihnen viele Fragen zur Sinnhaftigkeit des Projektes ergeben, so Christoph. „Die Stadtverwaltung hatte immer wieder betont, dass die Schaffung dieser Stellplätze notwendig sei.“ Im weiteren Verlauf hätten sich aber immer neue Fragen aufgetan. Bis heute fehle es an zufriedenstellenden Antworten. Mittlerweile lehnen auch die Grünen das Projekt ab.

Das Parkhaus könne sich als unnötig und damit völlig unrentabel erweisen, befürchten die Kritiker. Zum einen müssten die Konzerne vor Ort gemäß der geltenden Stellplatzverordnung selbst Parkplätze vorweisen. Des Weiteren befinde sich schräg gegenüber der kostenlose Uniparkplatz.

Bis 2025 investiert Regensburg 25 Millionen Euro in Parkhäuser

In der Lore-Kullmer-Straße gibt es nur wenige hundert Meter entfernt ein Parkhaus, das an 107 Tagen im Jahr völlig ungenutzt sei. Es wurde vor wenigen Jahren errichtet, zusammen mit der neuen FOS/BOS. Wochentags ist dieses Parkhaus nur für Schüler und Lehrkräfte geöffnet. Am Wochenende komplett geschlossen – aus Lärmschutzgründen.

Ebenfalls schon länger fordern die Bürgerinitiativen die Parkflächen am Jahnstadion, südlich der Autobahn, zu öffnen und mittels Park&Ride an die Innenstadt anzuschließen. Doch stattdessen werde mit dem neuen Parkhaus Verkehr in die Stadt hinein gezogen. Daneben wäre eine bessere Anbindung des Rad- und Fußverkehrs von den Hochschulen und des TechCampus Richtung Bahnhof ein entscheidendes Projekt, sind Brandl und Bogie überzeugt.

Insgesamt fehlt es den Parkhauskritikern an „der großen Erzählung“, einem schlüssigen Gesamtkonzept für die Verkehrswende. Dass im Investitionsprogramm bis 2025 über 25 Millionen Euro allein für den Bau von weiteren Parkhäusern vorgesehen sind – das Tech-Parkhaus ist darin nicht enthalten – hält man am Samstag für eine „falsche Investition in Regensburgs Zukunft“.

Auch interessant

Kommentare