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Kritik an Sallerner Regenbrücke: „Verkehrspolitischer Dinosaurier“ führt durch Fledermaus-Gebiet

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Von: Michael Bothner

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Visualisierung der Sallerner Regenbrücke.
So könnte die Sallerner Regenbrücke laut einer Visualisierung der Stadt Regensburg aussehen. © Stadt Regensburg

Nachdem ein Gericht die Planungen für die Sallerner Regenbrücke 2015 gestoppt hatte, wurden sie nun wieder aufgenommen. Verbände und Bürgerinitiativen üben Kritik.

Regensburg – Wichtiges Verkehrsprojekt oder verkehrspolitischer Dinosaurier? Die Meinungen über Sinn und Zweck der Sallerner Regenbrücke klaffen in Regensburg seit Anbeginn der Planungen auseinander. Und aktuell regt sich nun wieder deutlicher Widerstand. Am Wochenende luden mehrere Initiativen und Verbände zum Vor-Ort-Termin am Lappersdorfer Kreisel.

Kritik an Verkehrsprojekt in Regensburg: „Wozu braucht es diese Brücke noch?“

Und der Regensburg-Vorsitzende des Verkehrsclub Deutschland, Wolfgang Bogie, stellt die zentrale Frage, die sie alle umtreibt: „Wozu braucht es die Sallerner Regenbrücke eigentlich noch?“ Auf einem Plan, den er mitgebracht hat, ist der geplante Verlauf deutlich erkennbar. Sie soll einmal beide Uferseiten des Regen verbinden und die dann ausgebaute Nordgaustraße an die Autobahn A93 und den Lappersdorfer Kreisel anschließen.

Anfang der 2000er wurden die Planungen für die Brücke bereits aufgenommen, die Idee selbst ist noch viel älter. Und auch der Widerstand dagegen. Gegen den Planfeststellungsbeschluss von 2014 wurden mehrere Klagen beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht. 2015 stoppte das Gericht das Projekt vorläufig. Die notwendige Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) fehlte.

Kritik an Sallerner Regenbrücke: „Völlig veraltet“

Vor wenigen Wochen kam dann der ergänzte Planfeststellungsbeschluss mit UVP. Doch dass sich dadurch etwas verbessert haben soll, sehen die Brückengegner nicht. Im Gegenteil. Durch die mittlerweile verstrichene Zeit habe sich die Sallerner Regenbrücke „selbst überholt“, konstatiert Bogie. Die zugrunde liegenden Verkehrsprognosen seien „völlig veraltet“, viele Entwicklungen der letzten Jahre schlicht nicht berücksichtigt.

Der VCD-Vorsitzende spricht beispielsweise von dem durch Corona aufgekommenen „Homeoffice-Effekt“. Der Radverkehr habe sich gewandelt. Neue Strecken dafür seien geschaffen worden oder derzeit in der Planung. Ebenfalls beschlossen wurde der dreispurige Ausbau des Pfaffensteiner Tunnels. All das habe Auswirkungen auf die Verkehrsplanungen, würde bei der Regenbrücke aber nicht berücksichtigt werden.

Umweltschützer schlagen Alarm: Brücke führt durch wichtiges Areal für Fledermäuse

Linken-Stadträtin Irmgard Freihoffer spricht von einem „verkehrspolitischen Dinosaurier“. Sie fordert eine sogenannte Strategische Umweltprüfung (SUP). Dabei handelt es sich um eine europäische Richtlinie, die deutlich mehr Faktoren überprüft als die erwähnte UVP.

Das sorgt für Aufhorchen bei Albrecht Muscholl-Silberhorn, 2. Vorsitzender des Bund Naturschutz (BN) Regensburg. Denn das Gebiet, auf dem die Brücke einmal entlang laufen soll, ist als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) und somit als europäisches Schutzgebiet deklariert. Es sei ein wichtiges Areal für Fledermäuse und zahlreiche Vogelarten. Der Regen stelle zudem eine zentrale Frischluftschneise für Regensburg dar, so Muscholl-Silberhorn.

Verkehrsclub warnt: Brücke sorgt für mehr Verkehr und CO2

„Im aktuellen Gutachten steht auch drinnen, dass die Natur beeinträchtigt werden würde“, sagt Muscholl-Silberhorn mehrmals. Doch weiter hinten im Gutachten höre man dann nichts mehr davon. Die „hehren Klima- und Umweltschutzziele“ der Politik und die „tollsten Gesetze“ seien am Ende wenig wert, wenn der Wille fehle, sie umzusetzen.

Laut Bogie würden über die geplante Trasse 25- bis 30.000 Autos täglich in die Stadt kommen, rechnet Bogie vor. Statt Entlastung werde es also vor allem mehr Verkehr und mehr CO2 geben. Auch deshalb sei die Autobrücke falsch. Mögliche Alternativen seien bei den Planungen nie berücksichtigt worden.

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Forderung: Mehr ÖPNV-Förderung statt Brückenbau

Der VCD hat schon vor geraumer Zeit vorgeschlagen, die B15, die derzeit auf der Amberger Straße nach Regensburg verläuft, auf die B16 zu verlegen. Die ist über den Lappersdorfer Kreisel bereits direkt an die Autobahn angeschlossen. Ein kleines Stück weiter nördlich von der geplanten Sallerner Regenbrücke läuft die B16 über den Regen und nördlich an Regensburg vorbei. Dem VCD nach könnte der Verkehr dann auf der Pilsen-Allee und dem Odessa-Ring um die Innenstadt herum geleitet werden. Das bringe die erhoffte Entlastung, ohne große Bauvorhaben. Generell wollen die Verbände aber eigentlich weniger Autos in der Stadt haben.

Der VCD fordert deshalb eine umfangreiche Neugestaltung des ÖPNV-Systems in Stadt und Landkreis. Und insofern wäre dann doch eine Brücke von Sallern nach Lappersorf möglich meint Bogie. Allerdings für den Umweltverbund: Fußgänger, Radler und Stadtbahn. Eine Überführung anstelle des bisher geplanten „Monsterteils“, wie Bogie es nennt.

„Legt das Projekt ad acta“

Man könnte Lappersdorf per Stadtbahntrasse an die Innenstadt anschließen, lautet sein Vorschlag. Zumal die Stadt mit der Deutschen Bahn auch in Gesprächen für einen S-Bahn-ähnlichen Verkehr in der Region Regensburg ist. Für Pendler sei das eine enorme Qualitätssteigerung, „wie man sie sonst eher aus Regionen wie München oder Nürnberg kennt“, sagt Bogie. Eine „attraktive Mobilitätsdrehscheibe“ in Lappersdorf.

Die Mehrheit der Bevölkerung sieht Bogie dabei auf seiner Seite. Bei einer repräsentativen Umfrage unter 2.700 Bürgern zum neuen „Stadtentwicklungskonzept 2040“ hätten sich etwa zwei Drittel der Befragten für den Ausbau des ÖPNV und des Radverkehrs ausgesprochen. Bogies Schlussfolgerung und Forderung an die Politik: „Legt das Projekt Sallerner Regenbrücke ad acta und baut so schnell wie möglich die Bahn und Stadtbahn aus, schließt die Infrastrukturlücken des Radverkehrs.“

Sallerner Regenbrücke bedroht Gärtnerei

Ob das Projekt Sallerner Regenbrücke überhaupt eine Zukunft hat, ist derzeit unklar. Zuletzt gab es noch einmal eine zweiwöchige Frist, um Klagen einzureichen. Auch mit den bisher anhängigen Klagen wird sich der VGH in München erneut beschäftigen. Die ruhten lediglich die vergangenen Jahre.

Einer der Kläger ist Gerhard Hauner. Bereits 2014 hat er Klage eingereicht. Denn Hauner wäre von dem Bau der Brücke direkt betroffen. In Lappersdorf zwischen Autobahn und Regen betreibt er eine große Gärtnerei auf rund 13.000 Quadratmetern. „Sollte die Brücke gebaut werden, würden wir großflächig enteignet werden“, sagt er. Die Gärtnerei steht genau dort, wo die Brücke einmal anlanden soll.

„Wir müssten mehrere Gewächshäuser abreisen.“ Mindestens 3.000 Quadratmeter würden wohl wegfallen. „Für uns ist das existenzbedrohend“, sagt Hauner. (Michael Bothner)

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