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Junge Mädchen werden in Regensburger Westbad umzingelt, bedroht und berührt – Mutter fordert Konsequenzen

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Von: Stefan Aigner

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Mann springt in Schwimmbecken Westbad Regensburg
Beliebtes Freizeit- und Familienbad in Regensburg: das Westbad. © Stadtwerk Regensburg

Nach dem sexuellen Übergriff eines Jugendlichen auf zwei Mädchen im Regensburger Westbad sieht die Mutter eines der Kinder Handlungsbedarf.

Regensburg – Wie häufig kommt es zu sexueller Belästigung oder gar Übergriffen in Regensburger Bädern? Martin Gottschalk, Sprecher der städtischen Betreibergesellschaft Stadtwerk, spricht davon, dass „Vorfälle dieser Art, die uns gemeldet werden (…) sehr selten“ seien. Doch die Mutter eines betroffenen Mädchens widerspricht. Sie fordert verstärkte Hinweise auf Ansprechpartnerinnen im Bad, um Betroffenen, gerade Kindern, eine Mitteilung von Übergriffen zu erleichtern.

Jugendlicher belästigt Mädchen: „Ich stecke dir meinen Schw… in den Mund.“

Das ist passiert: Ende Juli waren Stephanie, elf Jahre alt, und Mareike, zwölf Jahre, alleine im Regensburger Westbad beim Schwimmen (Namen geändert). Ohne ihre Eltern, wie in der Vergangenheit schon häufiger. Dort wurden sie von einem deutlich älterer Jugendlichen, der von zwei etwa gleichaltrigen Mädchen begleitet wurde, zunächst in ein eher freundschaftliches Gespräch verwickelt.

Doch plötzlich sei der Teenager hartnäckiger geworden und habe schließlich gesagt: „Ich stecke dir meinen Schw… in den Mund.“ Die elfjährige Stephanie wurde von ihm dann im Wärmebecken im Innenbereich unter Wasser „unsittlich berührt“. Seine beiden Begleiterinnen seien bei alledem gegenüber den zwei Kindern regelrecht bedrohlich aufgetreten, heißt es in einer Mail, die der Vater von Mareike drei Tage später ans Stadtwerk geschrieben hat.

Nach Übergriff: Kinder flüchteten verängstigt aus dem Bad

Verstört und verängstigt und irgendwie unter Schock, flüchteten die beiden Mädchen schnell aus dem Bad. An den Bademeister wollten sie sich aus Scham nicht wenden. Am darauffolgenden Wochenende offenbarte sich Mareike dann ihren Eltern. „Sie war immer noch ziemlich durcheinander und konnte das zunächst überhaupt nicht einordnen“, berichtet ihre Mutter.

Das Stadtwerk antwortete schnell auf die Mail von Mareikes Vater. Man leite den Hinweis an „unsere Fachkräfte“ weiter, „um dies weiter zu beobachten“, heißt es. „In einem solchen Fall sollten sich die Kinder immer an unser Personal wenden, egal, ob in der Aufsicht oder an der Information.“ Weibliches Personal sei „in der Regel“ immer vor Ort und: Die Aufsichtskräfte seien angewiesen, bei Belästigung von Badegästen, insbesondere jungen Mädchen, „grundsätzlich streng einzuschreiten“. Ähnliches antwortet auch Stadtwerk-Sprecher Gottschalk auf eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion.

Nach sexuellem Übergriff: Mutter fordert mehr Hinweise auf Hilfe

Für Mareikes Mutter ist das zu wenig. Das grundsätzliche Problem sei gewesen, dass die Mädchen zunächst überhaupt nicht wussten, an wen sie sich hätten wenden können. Vor dem Bademeister, einem Mann, hatten sie in diesem Moment Angst.
Sie plädiert für entsprechende Hinweise in den Bädern – gut sichtbar und auffällig, auch, um andere Badegäste für das Problem zu sensibilisieren. Zwar spreche das Stadtwerk von sehr wenigen Fällen, aber, so die Mutter: „Das Thema ist extrem schambehaftet – auch bei erwachsenen Frauen. Wer weiß schon, wie vielen Kindern es so geht, wie meiner Tochter und ihrer Freundin.“

Mareike wird sich wohl auch künftig noch alleine ins Westbad trauen. Für ihre jüngere Freundin Stephanie, bei der es auch zu einem körperlichen Übergriff kam, ist es damit erst einmal vorbei.

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