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Regensburger Stadträtin kritisiert OB von ukrainischer Partnerstadt: „Tief in organisierte Kriminalität verwickelt“

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Von: Stefan Aigner

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Die Regensburger Stadträtin Irmgard Freihoffer und Gennadiy Trukhanov, Oberbürgermeister von Odessa
Die Regensburger Stadträtin Irmgard Freihoffer prangert die kriminellen Verstrickungen von Odessas Oberbürgermeister Oberbürgermeister Gennadiy Trukhanov an. © Michael Bothner

Hilfe für und Solidarität mit der ukrainischen Partnerstadt ja, Live-Schalten und Applaus für dessen Oberbürgermeister Gennadiy Trukhanov nein. Das ist die Haltung der Regensburger Stadträtin Irmgard Freihoffer.

Regensburg – Nach einer Liveschaltung des Oberbürgermeisters von Odessa im Regensburger Stadtrat übt Irmgard Freihoffer in einem Offenen Brief deutliche Kritik am Oberhaupt der ukrainischen Partnerstadt. Gennadiy Trukhanov sei „tief in die organisierte Kriminalität verwickelt“, heißt es in einem Offenen Brief der Linken-Stadträtin an Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.

Nach Live-Zuschaltung im Regensburger Stadtrat: Linken-Stadträtin kritisiert kriminelle Machenschaften von Odessas OB

Trukhanov war am 28. April bei einer Stadtratssitzung live zugeschaltet, um über die Situation in Odessa angesichts des russischen Angriffskriegs zu berichten. Regensburg unterstützt seine Partnerstadt mit Hilfslieferungen – bislang vier 40-Tonner mit Lebensmitteln, Medikamenten und technischer Ausrüstung – aber auch mit Geld.

Im Anschluss an Trukhanovs Ausführungen erhoben sich die Regensburger Stadträte und spendeten dem OB von Odessa Beifall. Nicht Irmgard Freihoffer. Sie lässt zwar keinen Zweifel daran, dass man die Partnerstadt angesichts des russischen Angriffs dringend unterstützen müsse. Angesichts der bekannten kriminellen Machenschaften Trukhanovs fragt Freihoffer aber:

„Wie stellt man sicher, dass Hilfslieferungen für die Ukraine und unsere Partnerstadt tatsächlich den Betroffenen zugute kommen und nicht in dunklen Kanälen landen? Darauf wäre besonderes Augenmerk zu richten. Es wäre sehr bedauerlich, wenn die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Menschen hierzulande ad adsurdum geführt würde.“

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Offener Brief von Regensburger Stadträtin: OB von Odessa war Mitglied von Mafiabande

Freihoffers Brief ist mit zahlreichen Quellen unterfüttert. Unter anderem eine BBC-Dokumentation aus dem Jahr 2018, in dem geschildert wird, wie die italienische Polizei Trukhanov in den 90er Jahren observierte. Er galt als führendes Mitglied einer ukrainischen Mafiabande, die ihr Geld mit Drogenhandel, illegalem Ölhandel und Waffenschmuggel machte und es in Scheinfirmen auf den Britischen Jungferninseln parkte. „Zur Geldwäsche kauften diese Firmen schließlich Luxusimmobilien in London“, heißt es in Freihoffers Brief an die Oberbürgermeisterin. Erwähnt wird Trukhanov auch in Zusammenhang mit den Paradise Papers.

Laut weiteren Quellen, die Freihoffer zusammengetragen hat, scheint Trukhanov seine kriminellen Machenschaften auch als Oberbürgermeister von Odessa fortzusetzen. Das „Organized Crime and Corruption Reporting Project“ berichtet demnach unter anderem davon, wie er mit Bauaufträgen für seine Firmen oder Parkgebühren in die eigene Tasche wirtschaftet. In einem anderen Bericht ist von Anschlägen auf das Leben von Trukhanov-Kritiker in Odessa die Rede.

Trotz Kritik an kriminellen Machenschaften: Stadträtin fordert Hilfe und Solidarität mit Regensburgs Partnerstadt

Vor dem Hintergrund all dessen halte sie es zwar „für wichtig und richtig, dass Sie bezüglich der Städtepartnerschaft mit Odessa sowie im Zusammenhang mit Hilfsleistungen von Regensburg aus für die leidende Bevölkerung in unserer Partnerstadt mit dem dortigen Oberbürgermeister, Gennadiy Trukhanov, zusammenarbeiten und dabei auch alle diplomatischen Gepflogenheiten, die gegenüber dem offiziellen Vertreter einer Großstadt eines anderen Landes geboten sind, einhalten“, schreibt Freihoffer an Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer.

Es sei auch wichtig, die Partnerstadt am Schwarzen Meer weiterhin auf bestmögliche Art mit Hilfslieferungen zu unterstützen. Aber: „Auf eine nochmalige Online-Zuschaltung des Oberbürgermeisters von Odessa im Stadtrat sollte meines Erachtens jedoch verzichtet werden.“ Um an notwendige Informationen für weitere Hilfeleistungen zu kommen „oder Solidarität gegenüber den Menschen in Odessa zu zeigen, bedarf es einer solchen Live-Übertragung nicht“.

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