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Nach dem gnadenlosen Angriff: Alex und seine Mutter am Krankenbett

Regensburger Gewalt-Exzess: Cola kippte um – da schlugen sie zu

Regensburg - Die Schläger, die am zweiten Weihnachtsfeiertag vor einem McDonald’s in Regensburg einen 36-Jährigen fast tot prügelten, stellten sich der Polizei – weil sie den Fahndungsdruck nicht mehr ertrugen!

Sie konnten nicht mehr schlafen, sahen an jedem Eck Fahndungsplakate und fühlten sich von der Polizei permanent gejagt: Die Schläger, die am zweiten Weihnachtsfeiertag vor einem McDonald’s in Regensburg einen 36-Jährigen fast tot prügelten, stellten sich der Polizei – weil sie den Fahndungsdruck nicht mehr ertrugen! Das berichtete Kriminaldirektor Albert Stürzer, der Leiter der Ermittlungsgruppe, am Dienstag bei einer Pressekonferenz der Regensburger Polizei und der Staatsanwaltschaft.

Bei den Tätern handelt es sich um zwei 21 und 22 Jahre alte Männer, die in Regensburg leben. Der dritte Mann, der von einer Videokamera bei seiner Flucht gefilmt wurde, ist nach seiner Vernehmung wieder frei.

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Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen wurde die Gewaltorgie von einem völlig banalen Ereignis ausgelöst. Es ist gegen vier Uhr morgens am 26. Dezember. Alex S. (36, Name geändert) will miteinem Bekannten (19) und zwei Begleiterinnen beim McDonald’s an der Autobahnausfahrt einen Kaffee trinken. Doch daraus wird nichts: Als Alex und sein Spezl vor die Tür gehen, gerät ihr Tablett aus der Balance und eine Cola knallt auf den Boden. „Die sind zu blöd, ein Tablett zu tragen“, kommentieren die späteren Täter das Missgeschick höhnisch.

Es folgt ein kurzes Wortgefecht, das schnell in Handgreiflichkeiten übergeht. Der 19-Jährige wird über einen Radlständer gestoßen, der 36-Jährige zur Straße getrieben. Dort treten die zwei Schläger zu. Immer und immer wieder treffen sie Alex S. mit ihren Füßen im Gesicht und auf den Bauch. 40 Sekunden dauert die Gewaltorgie, die eine Überwachungskamera festhält. Dann lässt das Duo von dem Opfer ab, weil die beiden merken, dass sich im Schnellrestaurant gerade Helfer organisieren.

Alex S. überlebt nur knapp. Er liegt mehrere Tage im künstlichen Koma. Die Schläger haben ihm den Kiefer zertrümmert, Jochbeine und Augenhöhlen sind gebrochen, aber lebensbedrohlich ist vor allem, dass die Lunge stark geschädigt ist. Inzwischen geht es ihm zwar besser – er ist zur Reha im Bayerischen Wald. Er wird aber nie wieder ganz gesund werden: Seine rechte Gesichtshälfte wird gefühllos bleiben. Und mit dem rechten Auge wird er nie wieder gut sehen können. Fraglich ist auch, ob er je wieder in seinem Beruf arbeiten kann. Zuletzt leitete Alex S. einen Telefonladen.

Die Haupttäter, die sich Ende vergangener Woche mit ihren Anwälten bei der Polizei meldeten, haben ein umfassendes Geständnis abgelegt. Sie bereuten die Tat, versicherten sie gegenüber der Kripo – und würden alles dafür tun, um Wiedergutmachung zu leisten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden alle drei in der ehemaligen Sowjetunion geboren, kamen aber schon als Kinder mit ihren Familien nach Regensburg und gingen hier auch zur Schule. Zwar sind alle drei polizeibekannt – mit Gewaltdelikten hatten sie aber bisher nichts zu tun.

Einer arbeitet als ABM-Kraft an der Regensburger Universität, der andere absolviert derzeit eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker. Der Dritte, der nicht unmittelbar an der Schlägerei beteiligt war, sei arbeitslos, suche aber „intensiv nach einem Job“, berichtete Kriminalrat Stürzer. Regensburgs Polizeipräsident Rudolf Kraus bezeichnet die Attacke als „Gewalttat von bei uns nicht gekanntem Ausmaß.“ Die Männer hätten seiner Auffassung nach durchaus eine gute Zukunftsperspektive gehabt. Die Haupttäter erwartet nun eine Anklage wegen versuchten Totschlags – darauf steht bis zu 15 Jahre Knast.

Wolfgang dePonte

Opfer Alex: „Ich will den Kerlen irgendwann ins Gesicht sehen“

Die Täter sind gefasst! Die Erleichterung ist groß bei Alex S., dem Gewaltopfer von Regensburg. Der 36-Jährige hatte zuletzt nicht mehr an einen Fahndungserfolg der Polizei geglaubt. Und nun das. Genugtuung, Rache? Daran verschwendet er keinen Gedanken. „Aber sehen will ich die Kerle schon einmal.“ Ihr Gesicht, die Augen. Den Prozess gegen sie wird er wohl als Nebenkläger verfolgen. Auch sein Vater Joachim S. (54) will den Männern, die seinen Sohn fast erschlagen haben, einmal sehen. „Ich habe große Wut“, sagt er, „aber ich hasse sie nicht.“ Er würde die beiden gern fragen, welche Strafe sie sich selbst geben würden. Für dringend verbesserungswürdig hält der Vater den Umgang mit Opfern. „Der bürokratische Aufwand ist gigantisch. Was macht eigentlich jemand, wenn er keine Familie hat?“ Seine Idee: Ein Coach, der sich von Amts wegen um ein Opfer kümmert. „Damit er nicht noch einmal Opfer wird!“

tz

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