Regionale Wildtiermanagerin im Auftrag des Wolfes unterwegs

Miesbach - Miesbach hat eine Wolfsbeauftragte: Giulia Kriegel übernimmt im Auftrag des Bayerischen Landesamt für Umwelt die "Aufsicht" über den Wolf. Wie ihre Aufgabe aussieht:

Was tut man eigentlich als regionaler Wolfsbeauftragter? Rennt man durch den Wald und liest Spuren? Oder wartet man, das Betäubungsgewehr im Anschlag, bis einem das Tier vor die Füße rennt? Alles ganz anders, sagt Giulia Kriegel. Die 30-Jährige besetzt diesen Posten. Seit gut vier Wochen ist ihr Arbeitsplatz in der Miesbacher Flußmeisterstelle zu finden - oder hoch oben am Berg, wo sie schon mit einigen Almbauern Termine vor Ort wahr nahm.

Kriegel will vor allem eins: gemeinsam mit den Bauern die Schafsherden vor dem Wolf schützen. Wie das genau funktioniert, muss immer vor Ort entschieden werden. Zäune sind möglich. Oder Nachtpferche. Vielleicht auch der Einsatz von Hirten und Hütehunden. „Natürlich sind viele Almbauern erst skeptisch“, sagt Kriegel. Sie seien eben unsicher. Schließlich weiß niemand, wo sich der Wolf gerade aufhält. Seit dem 5. Januar, wo er nachweislich am Wendelstein unterwegs war, fehlt von ihm ein eindeutiger Nachweis. Gerüchte gehen um, dass ihn vielleicht schon jemand verbotenerweise erschossen habe. „Alles Spekulation“, sagt die studierte Forstwirtschaftlerin. Doch ob der eine Wolf nun lebt oder nicht: „Wahrscheinlich ist es, dass in Zukunft andere Tiere ins Alpenvorland kommen.“

Meister Isegrim steht unter strengem Naturschutz. Es ist verboten, wild lebenden Wölfen nachzustellen oder sie zu töten. Wie schwer es ist, einen Wolf zu fangen, das weiß Giulia Kriegel: „Die Tiere sind scheu.“ Erst, wenn das Wildtier nicht mehr Wildtier sein dürfe, werde es gefährlich.

Nur selten kommt es zu einer Begegnung mit einem Beutegreifer, sagt die 30-Jährige. „Meist bemerkt das Tier den Menschen und zieht sich zurück.“ Wichtig sei, den Wolf nicht anzufüttern, oder ihm, wie es im Fall Bruno 2006 passierte, mit der Kamera hinterher zu laufen. „Damit verlieren die Vierbeiner jede Scheu“, sagt die Wolfsbeauftragte. „Wir müssen einfach wieder lernen, mit dem Wildtier zu leben.“

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