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Herbert Lackner (Archivbild).

Querelen in Bad Reichenhall

Alle gegen den OB

Bad Reichenhall - Im Rathaus von Bad Reichenhall hängt der Haussegen schief: Der Bürgermeister war erst wegen Burnout krankgeschrieben. Danach tauchten seltsame Rechnungen auf. Und dann schickte der Stadtrat seinen OB zum Amtsarzt.

Im März 2012 wurde Herbert Lackner zum zweiten Mal zum Oberbürgermeister (OB) von Bad Reichenhall gewählt. In einer Stichwahl setzte sich der CSU-Mann gegen einen parteilosen Mitbewerber durch. Doch bis er sein Amt antreten konnte, vergingen Monate – eine Zeit, über die Lackner heute nicht mehr gerne spricht. Er war wegen Burnouts krankgeschrieben. „Man braucht halt mal ne Pause“, so der 41-Jährige im Rückblick.

Erst im August 2012 kam der Oberbürgermeister ins Rathaus zurück. Mit offenen Armen wurde er dort aber nicht empfangen. Sein Stellvertreter Manfred Adldinger (SPD) hatte in der Zwischenzeit die Geschäfte geführt. Als unbekannte Rechnungen auftauchten, bestätigte sich für Adldinger ein Verdacht: „Ich hatte schon früher den Eindruck, dass der Oberbürgermeister einen etwas hemdsärmligen Umgang mit Geld pflegt“, sagt der Stellvertreter. Nach Überzeugung des Stadtrates hat der bis zum Jahr 2020 gewählte OB seine Kompetenzen überschritten und ohne den notwendigen Ratsbeschluss etwa eine Anzeigentafel für fast 70 000 Euro für eine Sporthalle bestellt oder bei der Renovierung öffentlicher Gebäude Ausschreibungsregeln missachtet. Einstimmig beschloss der Stadtrat daraufhin, die Amtsgeschäfte Lackners näher anschauen zu lassen – erst im Rechnungsprüfungsausschuss, dann im Landratsamt. Das Ergebnis ist bislang nicht öffentlich. Zudem ist die Landesanwaltschaft als Disziplinarbehörde für Beamte eingeschaltet. Ob Verfahren eingeleitet werden, ist in beiden Fällen ungewiss. Adldinger zeigte den ungeliebten OB wegen der Anschaffung der Anzeigentafel zudem an.

OB Herbert Lackner findet das Vorgehen seiner Stadträte „völlig ungerechtfertigt“. Das Gremium solle ihm vielmehr dankbar sein, so der Rathauschef. Er habe in seiner ersten Amtszeit vor einem riesigen Berg ungelöster Probleme gestanden: „Die marode Eishalle eingestürzt, Schwimmhalle und Heimatmuseum wegen Einsturzgefahr geschlossen, die Sporthalle und das Haus der Jugend extrem renovierungsbedürftig – das sind nur einige Sachen“. Er habe die drängendsten Probleme zur Chefsache gemacht, rechtfertigt sich Lackner. Dabei sei „formal vielleicht nicht immer alles ganz richtig“ gelaufen. Die Konsequenzen des Stadtrats aber seien überzogen.

Die Ratsherren überzeugte der Führungsstil ihres OB freilich nicht – im Gegenteil: Sie zwangen Lackner zu einer Untersuchung beim Amtsarzt, um seine Diensttauglichkeit überprüfen zu lassen. 21 von 24 Stadträten stimmten dem Antrag zu, der eine Art Misstrauensvotum ist. Das Attest liegt inzwischen vor, bescheinigt dem Oberbürgermeister jedoch zur Überraschung mancher Beobachter die volle Dienstfähigkeit.

Die Kritiker sind deshalb aber noch lange nicht verstummt. „Für mich ist weiterhin klar: Er ist überfordert – nur kann dafür jetzt keine Krankheit mehr herhalten“, sagt Friedrich Hötzendorfer von den Freien Wählern.

Beide Seiten warten nun ab, wie die Disziplinarbehörde und die Staatsanwaltschaft Traunstein entscheiden. Bis dahin ist die Arbeit im Stadtrat nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Der 3. Bürgermeister Sebastian Renoth (CSU) spricht von „Sand im Getriebe des Rennwagens“. Und Hötzendorfer meint: „Dinge werden nicht oder schlecht erledigt. Es ist ein bescheuertes Zusammenarbeiten."

Von Nadja Wolf

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