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Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier vertraute den Einschätzungen des Gutachters.

Reichenhall-Prozess: Ex-OB vertraute Gutachten

Traunstein - Der frühere Oberbürgermeister von Bad Reichenhall hat vor dem Einsturz der Eislaufhalle keine Gefahr für Leib und Leben von Menschen gesehen.

“Wenn es Hinweise gegeben hätte, dass das Gebäude marode ist, dann hätte ich mit Sicherheit andere Entscheidungen getroffen“, sagte der frühere Rathauschef Wolfgang Heitmeier am Donnerstag vor dem Landgericht Traunstein.

Dort muss sich ein Gutachter erneut wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Am 2. Januar 2006 war das Dach des mehr als 30 Jahre alten Gebäudes eingestürzt. 15 überwiegend junge Menschen kamen dabei ums Leben.

Er habe sich sowohl auf seine Mitarbeiter im städtischen Bauamt als auch auf den Gutachter verlassen, sagte Heitmeier. Der Angeklagte sei für ihn so etwas wie der “Statikpapst“ gewesen. Über die Details des umstrittenen Gutachtens aus dem Jahr 2003 sei er nicht informiert gewesen, sagte der 60-Jährige. Er habe sich lediglich auf die Aussage verlassen, dass die Eislaufhalle allgemein in einem guten Zustand sei.

Keine drei Jahre später stürzte das Gebäude ein. “Ich hatte nie das Gefühl, dass etwas nicht intakt sei“, sagte der Ex-OB. Andernfalls hätte er die Schließung der Halle veranlasst. Umso fassungsloser sei er gewesen, als er vom Einsturz des städtischen Gebäudes erfahren habe.

Zu Detailfragen über die damalige Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Rathauses machte der frühere Oberbürgermeister mehrfach Erinnerungslücken geltend. Dies sorgte bei Hinterbliebenen der Todesopfer - sie treten als Nebenkläger auf - für Kopfschütteln.

Im ersten Prozess um die Schuldfrage bei dem verheerenden Einsturz der Eissporthalle war der heute 58 Jahre alter Gutachter vor knapp drei Jahren freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil jedoch auf und verwies den Fall Anfang 2010 zur erneuten Verhandlung ans Traunsteiner Gericht. Mit einem neuen Urteil wird nicht vor Ende Oktober gerechnet.

dpa

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