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Präsentation eines Lebenswerks: Wolf-Armin von Reitzenstein, im Hintergrund eine historische Karte.

„Reitzenstein“ ist jetzt komplett

Der Hüter der Ortsnamen

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München - Wer wissen will, was Elbach mit Elchen zu tun hat und wann der Ammersee seinen Namen bekam, der greife zum Reitzenstein. Der Reitzenstein – das ist das Ortsnamenslexikon des Historikers Wolf-Armin von Reitzenstein. Es ist nun komplett – Krönung eines Gelehrtenlebens.

Der Hörsaal des Bayerischen Hauptstaatsarchivs ist voll besetzt. Gediegenes Publikum, viele Professoren und Gelehrte. Sie alle sind gekommen, um Wolf-Armin von Reitzenstein zu würdigen. Besser: Um dem 73-jährigen ehemaligen Münchner Gymnasiallehrer zu huldigen. Kultusstaatssekretär Bernd Sibler überschlägt sich fast – „ein großartiges Werk“, ein „ganz wichtiger Beitrag zur Geschichtspflege“, ein „einschlägiges Nachschlagewerk“. Man merkt: Der mittelgroße Herr mit dem akkurat gestutzten schmalen Schnurrbart ist eine Institution.

Er habe den Hörsaal gerne zur Verfügung gestellt, sagt der Leiter des Hauptstaatsarchivs, Gerhard Hetzer. Denn der Herr Reitzenstein „ist bei uns Stammgast“. Seit 1965 forscht Reitzenstein zu bayerischen Ortsnamen. Die Neugier erwachte beim Bergsteigen. Ein Spezl wusste jede Blume am Wegrand, der andere jede Gesteinsart. Er selber konnte nichts entgegensetzen, sagt Reitzenstein. Das wurmte ihn. Und er begann mit der Ortsnamensforschung. Reitzensteins ersten Nutzerantrag hat Archivdirektor Hetzer extra herausgeholt – er stammt aus dem Jahr 1965. Seit bald 50 Jahren also forscht Reitzenstein. 40 000 Ortsnamen in Bayern gibt es, wenn man jeden Weiler einrechnet. Reitzenstein hat sich auf die Gemeindenamen und wichtige Gewässer beschränkt. Auch das ist eine stattliche Leistung – über 2000 Namen sind nun in ihren Ursprüngen erfasst. Seit 1972 ist Reitzenstein Lehrbeauftragter für Namenkunde an der Universität München, außerdem Vorsitzender des Verbandes für Orts- und Flurnamenforschung. Zu Hause hütet er sein Wissen nicht im Computer, sondern auf 20 000 Karteikarten. 2006 erschien der erste von nunmehr drei Bänden im C. H. Beck Verlag. Im letztes Jahr kam das „Lexikon Schwäbischer Ortsnamen“. Nun ist der Reitzenstein komplett.

Aber er forscht natürlich weiter. Jetzt sind die Ortsnamen kirchlichen Ursprungs dran, sagt Reitzenstein.

Von Dirk Walter

Die Lexika:

Bayerische Ortsnamen (2006), Fränkische Ortsnamen (2009), Schwäbische Ortsnamen (2013), C.H. Beck Verlag, 29,90 bzw. 29,95 Euro

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