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Vor 30 Jahren wären diese Wildschweine im Ebersberger Forst eine Sensation gewesen, heute sind sie dort alltäglich. Das Schwarzwild ist seit ein paar Jahren in ganz Bayern zuhause.  

Rekordabschusszahlen beim Schwarzwild

Mehr Wildschweine als je zuvor

München - 85 436 Wildschweine haben die Jäger in Bayern im vergangenen Jagdjahr erlegt – mehr als je zuvor. Ihre rasante Zunahme bereitet der Landwirtschaft Sorgen.

Der Jagdverband fordert, dass staatliche Berufsjäger bei der Eindämmung des Bestands verstärkt mithelfen, denn 80 Prozent der Wildschweine wurden 2015/16 von Privatjägern erschossen.

Im Vergleich zur Jagdsaison 2011/12 hat sich die Zahl der erlegten Schwarzkittel sogar verdoppelt. Der Grund: „Den Wildschweinen in Bayern geht es saugut, sie leben im Schlaraffenland.“ Dies sagt der Erdinger Wildbiologe und Jäger Thomas Schreder (50), Sprecher des Landesjagdverbands Bayern. Die Bedingungen sind perfekt. Immer weniger Fichtenmonokulturen, statt dessen Mischwälder mit Eichen und Buchen, die nahrhafte Früchte tragen, außerdem immer mehr Maisfelder – das Nahrungsangebot im Überfluss hat es dem Wildschwein möglich gemacht, sich in ganz Bayern zu verbreiten.

„Es gibt keinen Landkreis mehr, in dem nicht schon Schwarzwild gesichtet wurde“, sagt Schreder. Wie viele Wildschweine in Bayern leben, darüber gibt es keine verlässlichen Zahlen, aber dass es immer mehr werden, zeigen die stark steigenden Abschusszahlen. Die Schwarzkittel breiten sich von Nord nach Süd aus. Zwar mögen Wildschweine keine höheren Lagen und auch keinen Schnee, doch die milderen Winter kommen ihnen zugute. Bei günstigen Bedingungen kann eine Bache acht und mehr Frischlinge bekommen. Der Bestand von Rehen kann auch bei besten Bedingungen nicht so schnell ansteigen, eine Ricke kann nicht mehr als zwei Kitze pro Jahr großziehen, erklärt Schreder.

Die meisten bayerischen Wildschweine gibt es nach wie vor in Franken und der Gegend um Eichstätt und Ingolstadt. „Es ist eine wichtige Aufgabe, ihren Bestand unter Kontrolle zu halten, schon allein zum Schutz der Landwirtschaft“, sagt Schreder. Ihn ärgere, dass sich Staatsforsten und staatliche Jäger wenig an der Wildschweinjagd beteiligen. 80 Prozent der Schwarzkittel wurden 2015/16 von Privatjägern geschossen: „Wenn der Freistaat sie dafür bezahlen müsste, würde es ihn 17 Millionen Euro kosten“, sagt Schreder.

Wildschweine machen es den Jägern nicht leicht, sagt Schreder aus Erfahrung. Unterwegs sind sie meist in einer Gruppe, Rotte genannt, und lassen sich anführen von einer erfahrenen Leitbache, die das Revier genau kennt und sehr vorsichtig ist.

Um den Bestand wirksam einzudämmen, schießen die Jäger vor allem den Nachwuchs, also Frischlinge und sogenannte Überläufer. „Die schmecken fantastisch, besseres Fleisch gibt es nirgendwo – die Tiere hatten Auslauf und natürliches Futter“, wirbt Schreder. Angst vor Strahlenbelastung brauche der Konsument nicht zu haben. „Es gibt in Bayern ein Messnetz mit mehr als 130 Stationen“, erklärt Schreder. „Wenn ein erlegtes Stück Schwarzwild wegen einer Strahlenbelastung von mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm nicht zum Verzehr geeignet ist, bekommt der Jäger eine Ausgleichszahlung, und weil der Preis für Wildschweinfleisch niedrig ist, bringt ihm eine Ausgleichszahlung mehr Geld, denn Wildbrethändler zahlen derzeit oft nur ein bis zwei Euro pro Kilogramm.“

Auch aus ökologischen Gesichtspunkten empfiehlt Schreder, Wildschweinfleisch zu essen: „Kurze Transportwege, natürliches Futter, kein Einsatz von Medikamenten und Antibiotika.“ Immer mehr Metzger bieten Wildschweinfleisch aus der Region an. Der Bayerische Jagdverband informiert im Internet, wo heimisches Wildbret verkauft wird (www.wildbret-bayern.de). Verwendet werden kann das Wildschweinfleisch in der Küche genauso wie gewöhnliches Schweinefleisch, im Geschmack sei es lediglich etwas würziger. „Nur das Fleisch von alten Keilern schmeckt sehr intensiv, aber das kommt in die Wurst oder ergibt einen exzellenten Schinken“, sagt der Jagdverbandssprecher.

Susanne Sasse

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