Behörden fordern ein Ende der Mahnwach

Wer rettet die Sektenkinder?

Missionarischer Eifer in Lonnerstadt: Seit Ende Oktober gibt es regelmäßig Mahnwachen vor dem Haus einer Familie, die einem Guru verfallen ist - zum Missfallen der Behörden.

Der Landrat des Kreises Erlangen-Höchstadt, Eberhard Irlinger (SPD), fordert ein Ende der Mahnwachen für die sogenannten Sektenkinder von Lonnerstadt. „Die Aktion sollte sich nicht so sehr gegen die Familie richten“, sagte Irlinger am Freitag nach einem Gespräch mit Vertretern der Mahnwache der Nachrichtenagentur dpa in Erlangen. Nach Berichten über die „Neue Gruppe der Weltdiener“ hatte sich unter anderem eine Facebook-Gruppe „Rettet die Sektenkinder von Lonnerstadt“ gegründet. Regelmäßig fanden seitdem Mahnwachen vor dem Haus der Familie statt.

Für das Jugendamt sei es besonders wichtig, weiter Zutritt in das Haus zu erhalten, betonte Irlinger. Mittlerweile sei aber „ein regelrechtes Detektivsystem aufgebaut“ worden. So würden Klassenkameraden die Kinder ausfragen und die Informationen dann an ihre Eltern weitergeben, die die Mahnwache unterstützten. Nach Berichten über die „Neue Gruppe der Weltdiener“ waren Vorwürfe laut geworden, die Behörden kümmerten sich zu wenig um die drei Kinder.

Demnach sollen sie unter anderem ohne Medikamente und Krankenversicherung aufwachsen. Die aus einem „Guru“, dessen Partnerin und einer fünfköpfigen Familie bestehende Sekte versteht die Kinder als „Erwachsenenseelen in Kinderkörpern“ und behandelt sie entsprechend.

Er hoffe, dass nun Verständnis für das Vorgehen der Behörden da ist. „Wir haben intensiv und heftig diskutiert“, sagte Irlinger. Am Ende hätten sich beide Seiten aber angenähert. Auch sei angedeutet worden, dass zunächst auf weitere Aktionen verzichtet werde.

Zugleich hielt Irlinger an seiner Position fest. „Es gibt nichts, was wir falsch machen im Augenblick“, sagte er. Das Jugendamt werde reagieren, wenn es neue Kenntnisse gebe, etwa das Ergebnis eines bis Ende des Jahres erwarteten psychologischen Gutachtens oder Unterernährung und schwere Krankheiten der Kinder. „Und das alles unter der Überschrift Kindeswohl“, fügte er hinzu. Kriterien für eine Gefährdung der Kinder lägen aber derzeit nicht vor.

dpa

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