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Der weiße Rehbock in Obernzell soll erschossen werden.

Legendäres Tier soll bald erschossen werden – kann das Gut Aiderbichl verhindern?

Rettet den weißen Rehbock!

Abends, wenn es dämmert in Obernzell, zeigt er sich. Wer viel Glück hat, kann beobachten, wie er zwischen den Tannen des Waldes he­rausschreitet und stolz seine strahlend hellen Hörner erhebt.

Ein weißer Rehbock – hier im Donautal am Südrand des Bayerischen Waldes lebt dieses extrem seltene Tier, ein Albino. Doch: Es ist in tödlicher Gefahr!

Der Jagdpächter hat ihn verkauft, und der Käufer, ein Hobbyjäger aus Augsburg, will ihn schon in wenigen Tagen schießen und seinen schneeweißen Kopf präpariert an die Wand nageln. Starr werden die roten Augen ins Leere blicken – nur damit der Jäger mit seiner Albino-Trophäe prahlen kann. Und das, obwohl sich gefährliche Mythen um das weiße Reh ranken…

„Ein Jäger, der ein weißes Reh schießt, stirbt noch im selben Jahr. Wenn nicht er selbst, dann jemand aus seiner Familie.“ So erzählt eine Sage, die Jäger weit über Bayerns Grenzen hinaus kennen und fürchten. Der Augsburger Jäger scheint daran nicht zu glauben.

Auch Hans Urmann, der Jagdpächter, dem der Rehbock bisher gehörte, sagt: „I glaub’ ned an so was.“ In seinem Revier wurde das weiße Tier stolze zwölf Jahre alt. Das Problem: „In freier Wildbahn sterben Rehe in dem Alter bald“, erklärt der 65-Jährige. Deswegen hat Hans Urmann den betagten Bock nun verkauft. Selber schießen wollte er ihn nicht. Stattdessen hat er ihn über den Jagdverband zum Verkauf angeboten – und somit zum Abschuss freigegeben. Der Ansturm der Trophäenjäger war riesig! Flugs war das Reh verkauft.

Doch auch Tierschützer laufen Sturm. Allen voran: Michael Aufhauser. „Gut Aiderbichl wird für den weißen Bock ein Kopfgeld bieten. Wir wollen ihn retten!“ Warum soll das Tier nicht noch viele friedliche Tage erleben und eines natürlichen Todes sterben?

Schnell wäre auch schon ein Platz gefunden worden: auf dem großen Reh- und Hirschgehege auf Gut Aiderbichl. Doch Urmann meint: „Der Bock hat sein Leben lang in Freiheit gelebt. Die Betäubung oder den Transport wird er wohl nicht überleben.“ Dann lieber erschießen …

Eine letzte Chance gibt es jetzt noch: Michael Aufhauser will dem Augsburger Jäger einen Vorschlag machen. „Wir wollen ihm eine Patenschaft anbieten, damit der Bock bis ans Lebensende in seinem Heimatrevier in Obernzell bleiben darf.“ Hans Urmann sagte sofort zu: „Mir is des nur recht.“ Er will nun schnellstmöglich Kontakt zu dem Käufer des Rehs aufnehmen. Nimmt der das Angebot an oder ist ihm die Jagd wichtiger? Die tz wird die Entscheidung verfolgen.

Der Bock ist übrigens nicht das einzige weiße Reh in Obernzell , erzählt Hans Urmann , der schon seit er neun Jahre alt ist, auf die Pirsch geht. „Vor 30 Jahren gab’s das erste mal bei uns eine weiße Geiß.“ Heute leben neben dem Bock noch zwei weiße Geißen und ein weißes Kitz in Urmanns Revier. Eine äußerst seltene Laune der Natur. Früher, in den Urwäldern unserer Vorväter, wären sie mit ihrem auffälligen Fell längst von Wölfen gefressen worden. Heute könnten sie in Bayerns Wäldern ein angstfreies Leben führen. Wenn der Mensch nicht wäre …

Andrea Stinglwagner

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