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Eine Bergrettung per Hubschrauber kann zu einem juristischen Streitfall werden, wenn nicht geklärt ist, ob der Patient die Rettung wirklich will.

Rettung wider Willen kostet nichts

München - Ein Urteil des Amtsgerichts München sorgt für Unmut bei der Bergwacht Bayern und dem ADAC. Das Gericht entschied, dass eine Münchnerin, die bei einer Bergwanderung gegen ihren Willen mit einem Hubschrauber ins Tal geflogen wurde, nicht für den Rettungseinsatz bezahlen muss.

Da blieb der Bergsteigerin aus München gleich zwei Mal die Luft weg: Zum einen, als sie im Mai 2007 bei einer Bergwanderung am Ettaler Mandl (1663 Meter) in Oberammergau röchelnd zusammenbrach. Und zum anderem, als sie die Rechnung für die anschließende Rettung erhielt: 4400 Euro sollte die Münchnerin für den Hubschraubereinsatz an den ADAC zahlen - obwohl sie die Luftrettung vehement abgelehnt hatte. Die damals 44-Jährige weigerte sich zu bezahlen. Der ADAC wollte sie nun vor dem Amtsgericht München zur Zahlung zwingen - und scheiterte.

Rückblick: Die Münchnerin ist auf dem Rückweg von einer Bergtour. Ein Drittel des Abstiegs hat sie bereits geschafft, da bricht sie plötzlich mit Kreislaufproblemen zusammen. Ein zufällig vorbeikommender Bergsteiger findet die Frau völlig erschöpft auf dem Boden liegend und alarmiert die Bergwacht. Diese handelt sofort und schickt, nach Absprache mit der Rettungsleitstelle, den in München-Harlaching stationierten ADAC-Hubschrauber Christopher 1 samt Notärztin zur Unglücksstelle. Diese bestätigt den schlechten Zustand der Patientin: Die Wanderin habe einen Kollaps erlitten, sei völlig erschöpft, fahl und kaltschweißig gewesen und hätte sich erbrochen gehabt, so die Rettungsärztin. Die Rettung per Hubschrauber sei notwendig.

Das sieht die Patientin schon damals anders. Sie habe sich lediglich überanstrengt. Sie gibt an, keinen Arzt zu benötigen - nur Hilfe beim Abstieg. Auch ein Hubschrauber sei völlig unnötig. Die Retter könnten sie ohne weiteres hinuntertragen.

Eine Fehleinschätzung, wie ein Bergwacht-Sprecher feststellt. „Unsere Leute sind mit einem Allradwagen so weit wie möglich gefahren, den Rest der Strecke sogar zu Fuß gegangen. Sie hatten aber keine Trage dabei, um die Frau ins Tal zu bringen.“ Das erledigte der Hubschrauber, der die Frau im Krankenhaus Garmisch-Partenkirchen ablieferte. Kurios: Dort konnte die Frau ohne weitere Behandlung wieder gehen.

Zunächst ist die Frau erleichtert. Aber das dicke Ende für die Münchnerin folgt wenige Wochen später. Und zwar in Form einer saftigen Rechnung: 4400 Euro für den Transport sollte sie an den ADAC zahlen. Wieso nicht wie üblich die Krankenkasse, sondern sie persönlich die Rechnung bekam, wollte ihr Anwalt nicht sagen. Möglicherweise ist sie privat oder gar nicht versichert. Jedenfalls weigerte sich die Bergwanderin zu zahlen: Die Rettung sei gegen ihren Willen geschehen. Es kam zum Prozess vor dem Amtsgericht München, gestern wurde das Urteil verkündet.

Der ADAC argumentierte, Notärzte seien dazu verpflichtet, Patienten in ein Krankenhaus zu überweisen, wenn die medizinische Indikation dafür bestehe. „Ob das der Patient will oder nicht, ist unerheblich“, so ADAC-Pressesprecher Jürgen Grieving. Er sagt: „Nur der Hubschrauber konnte die Notärztin rechtzeitig zur Wanderin bringen.“

Die Bergwanderin hielt allerdings dagegen. Sie habe den Rettern mehrmals gesagt, sie wolle nicht mit dem Hubschrauber gerettet werden. Der Aufwand und nicht zuletzt die Kosten seien völlig unverhältnismäßig gewesen.

Das Amtsgericht München schloss sich den Ausführungen der Münchnerin an und wies die Klage des ADAC ab. „Die Frau wollte den Einsatz nicht. Deshalb muss sie auch nicht dafür zahlen“, erklärt die zuständige Pressesprecherin Ingrid Kaps die Entscheidung. Die damals 44-Jährige sei ansprechbar und bei Sinnen gewesen. Daher gelte ihr Wille, sprich der des Patienten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Thomas Fritzmeier

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