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Die angestrebte Zwölf-Minuten-Frist können viele Rettungskräfte nicht mehr einhalten.

Antwort auf SPD-Anfrage

Besorgniserregend: Retter brauchen länger zum Einsatzort

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Jedes zehnte Rettungsfahrzeug braucht inzwischen mehr als zwölf Minuten, um beim Einsatzort anzukommen. Eine besorgniserregende Verschlechterung, findet die Landtags-SPD – und fordert Maßnahmen.

Erst kürzlich hat Harry Scheuenstuhl selbst auf einen Rettungswagen gewartet. Der SPD-Landtagsabgeordnete war auf einer Veranstaltung, auf der ein Mann zusammenbrach. Seitdem weiß er, wie lange Minuten sein können. Als gesundheitspolitischer Sprecher der SPD hat er eine Anfrage an das Innenministerium gerichtet. Mit dem Ergebnis hatte er so nicht gerechnet, sagt er.

Die bayerischen Rettungskräfte brauchen immer länger, um am Einsatzort einzutreffen. Im landesweiten Durchschnitt kommt jedes zehnte Einsatzfahrzeug erst nach mehr als zwölf Minuten an – und damit nicht mehr in der angestrebten Hilfsfrist. In 14 von 26 Rettungsdienstbereichen kommen weniger als 90 Prozent der Rettungsfahrzeuge innerhalb dieser Frist. Zum Vergleich: 2013 waren es nur elf Rettungsdienstbereiche. Teilweise sank die Quote in den vergangenen zwei Jahren um 3,5 Prozent. Am schlechtesten schnitt Weibersbrunn im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg ab – dort erreichen nur 64 Prozent der Rettungsfahrzeuge den Einsatzort innerhalb von zwölf Minuten. Tittling (Kreis Passau) und Hengersberg (Kreis Deggendorf) liegen mit 65 bzw. 69 Prozent nur knapp dahinter. „Diese Ausreißer sind sehr besorgniserregend“, sagt Scheuenstuhl. In den meisten Landkreisen liegt die Quote bei knapp unter 90 Prozent. In den Kreisen Donau-Iller und Erding hat sie sich sogar leicht verbessert.

Innenministerium gibt Infrastruktur die Schuld

Warum die Zwölf-Minuten-Fristen so häufig überschritten werden, kann nach Auskunft des Innenministeriums nicht pauschal beantwortet werden. Es handle sich in der Regel um infrastrukturelle Gründe. Wenn der Einsatz beispielsweise in einem Gebiet liegt, das an das Verkehrsnetz ungünstig angebunden ist. Die Stationierung und die Zahl der Rettungsmittel werde von den kommunalen Zweckverbänden für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung ausgehandelt und regelmäßig überprüft.

Peter Sefrin, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte, sieht zu viele Fehlalarme als Grund für die Zahlen. 30 bis 40 Prozent aller Fälle würden als Notfälle gemeldet, obwohl sie eigentlich keine Notfälle seien. Viele Menschen riefen bei Erbrechen, Fieber, Husten oder Schnupfen den Notarzt. Sefrin sprach von einem „sehr großen Anspruchsdenken“ in der Bevölkerung.

First Responder müssen ausgedünnte Krankenhauslandschaft auffangen

Hinzu komme, dass insbesondere auf dem Land die Dichte von Krankenhäusern ausgedünnt worden sei. Deshalb seien Krankenwagen länger unterwegs. Dennoch dürfe man die Patienten nicht verunsichern, sagte Sefrin: „Es ist nicht so, dass keiner kommt.“ Wenn ein Krankenwagen zu lange brauche, bestehe stets die Möglichkeit, einen Helikopter zu schicken. Außerdem gebe es beinahe in jeder bayerischen Ortschaft inzwischen sogenannte First Responder, die mit Erster Hilfe die Zeit überbrücken könnten, bis ein Notarzt eintreffe

Scheuenstuhl forderte das Innenministerium angesichts der Zahlen trotzdem auf, regulierend einzugreifen. „Es geht um die Gesundheit der bayerischen Bevölkerung“, betont er. Da dürfe Geld keine Rolle spielen. „Es besteht dringender Handlungsbedarf, damit sich dieser negative Trend nicht weiter fortsetzt.“ Nicht nur auf der Veranstaltung neulich hatte er selbst Gelegenheit, sich von dem großen Engagement der Rettungskräfte ein Bild zu machen. Sie leisten hervorragende Arbeit, betont er. „Sie dürfen vom Staat nicht allein gelassen werden.“

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