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Prachtvolles Feuerwerk über München: Raketen und Böller dürfen an Silvester erst ab 18 Uhr gezündet werden.

Silvester

Wie man es richtig krachen lässt

München - Partylärm und laute Silvesterknaller sind nicht jedermanns Sache. Was Feiernde am letzten Tag des Jahres beachten sollten – ein Überblick.

Im Prinzip gilt das ganze Jahr über: Ab 22 Uhr herrscht Nachtruhe – mit einer Ausnahme: Silvester. In dieser Nacht gelten de facto Sonderregelungen. Da überall gefeiert und der Jahreswechsel mit Böllern und Raketen begleitet wird, ist es wenig sinnvoll, Nachtruhe von den feiernden Nachbarn zu fordern.

Der Deutsche Mieterbund spricht in diesem Fall von einer „erweiterten Toleranzgrenze“. Dennoch bleibe das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme in Mehrfamilienhäusern bestehen, betont der Verband. Die erweiterte Toleranzgrenze dürfe nicht als Freibrief für ungebremstes Krachmachen verstanden werden. Der Mieterbund empfiehlt daher, den Nachbarn vorher Bescheid zu geben, wenn man das neue Jahr lautstark in der Wohnung begrüßen will.

Böllern an Silvester erst ab 18 Uhr

Auch für den Umgang mit Feuerwerkskörpern gelten Regeln. Nur am Silvesterabend bis zum Neujahrstag – in der Regel von 18 Uhr bis 7 Uhr morgens – ist böllern erlaubt. Verboten ist das Knallen in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Altenheimen.

Die Feuerwerkskörper müssen eine Zulassung durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) haben. Dann sind sie bei bestimmungsgemäßer Verwendung sicher. Knaller der Klasse P2 dürfen nur von Erwachsenen gezündet werden. Zudem muss ein Schutzabstand von acht Metern eingehalten werden. Türen und Fenster sollten stets geschlossen sein, damit sich keine Knaller in die Wohnung verirren.

Elfjähriger haftet für Brandwunden

Zündet ein fast elfjähriger Bub einen Feuerwerkskörper, der in der Kapuze eines Mädchens landet und erhebliche Verbrennungen verursacht, so haftet er für den Schaden einschließlich Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro, wenn er normal und altersgerecht entwickelt ist und somit „die zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit erforderliche Einsicht“ hatte. Der Bub wehrte sich gegen seine Inanspruchnahme mit dem Argument, nach dem Zünden der rotierenden Biene einen Schreck bekommen zu haben, was zu einem Wegwerfreflex geführt habe – allerdings vergeblich: Das Oberlandesgericht Nürnberg verurteilte ihn zum Ersatz auch aller künftigen Folgen seines Handelns (AZ: 8 U 3212/04).

Bei Kerzenschein eingeschlafen

Hat ein Mann am Silvesternachmittag zwei Gläschen Sekt getrunken und bereitet er seinen Partykeller für die am Abend anstehende Feier vor, indem er wertvolle Teppiche an die Seite schiebt, so handelt er grob fahrlässig, wenn er fünf Kerzen auf einem Ständer anzündet, der in unmittelbarer Nähe der zusammengerollten Teppiche steht, er sich hinlegt und später eine Kerze auf einen Teppich fällt und diesen schwer beschädigt.

Die Folge: Die Hausratversicherung muss nicht zahlen. Weil der Fall vor dem 1. Januar 2008 passierte, ging der Mann in diesem Fall sogar komplett leer aus. Mittlerweile darf der Versicherer seine Leistungen nur in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherten entsprechenden Verhältnis kürzen (OLG Köln, 9 U 113/09).

Schäden durch Briefkasten-Böller

Ein Vermieter darf ein Mietverhältnis nicht deshalb fristlos kündigen, weil Gäste eines Mieters in der Silvesternacht – leicht angetrunken – Böller in Hausbriefkästen gesteckt und dadurch Schäden angerichtet haben.

Ein Mieter muss seine Gäste ohne besondere vorhergehende Vorkommnisse nicht ständig „im Auge behalten“, erst recht nicht „überwachen“. Er kann regelmäßig nicht für das Verhalten seiner Gäste verantwortlich gemacht werden (AmG Berlin-Lichtenberg, 11 C 80/05).

Fehlstart muss einkalkuliert sein

Zündet eine 16-Jährige in der Silvesternacht ein „Bienchen“ in der Nähe eines 12-jährigen Mädchens, das davon getroffen wird und erhebliche Brandverletzungen erleidet, so ist die Feuerwerkerin schadenersatzpflichtig.

So urteilte das Thüringer Oberlandesgericht: An die Voraussicht und Sorgfalt auch jugendlicher Personen, die ein Feuerwerk zünden, sind hohe Anforderungen zu stellen. Insbesondere müssten sie einen Standort wählen, von dem aus Menschen oder Sachen nicht ernsthaft gefährdet werden könnten. Denn ein Fehlstart – wie in diesem Fall – könne niemals völlig ausgeschlossen werden.

Im konkreten Fall wurde der 12-Jährigen jedoch ein 50-prozentiges Mitverschulden angerechnet, weil sie selbst dazu beigetragen habe, sehr nahe am Brandherd zu stehen und außerdem leicht entzündbare synthetische Kleidung getragen habe. Dennoch bekam das 12-jährige Mädchen insgesamt 15 000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen (AZ: 5 U 146/06).

M. Wojtek, M. Heitmann und W. Büser

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