Die Kuh Yvonne bleibt verschwunden.

Riesiger Rummel um verschwundenes Rind

Mühldorf - Yvonne, das ausgebüxte Rindvieh, sorgt weiter für mächtig Rummel. Jetzt sucht sogar ein großer Radiosender nach der verschwundenen Kuh.

Jetzt soll ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera die entlaufene Kuh Yvonne finden. Der Helikopter des Radiosenders Antenne Bayern will rund um Zangberg im oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn nach dem Rind suchen. Eine Futterfalle, freiwillige Suchmannschaften, ein Spurensucher, Pferde, Dackel Mirko, Ochse Ernst und Yvonnes Schwester Waldtraud - mit immer neuen Mitteln versucht der Tiergnadenhof Gut Aiderbichl, der das Rind extra gekauft hat, ihre Kuh zu fangen. Nicht alle Methoden sind nach Expertenaussage geeignet. Aber das Sommertheater findet Publikum.

Weit über Deutschland Grenzen hinaus verfolgen die Menschen den - wie die “Kleine Zeitung“ aus Klagenfurt schreibt - “Ku(h)lt“ um die verwilderte Yvonne, die früher als Milchkuh Angie auf einer Alm in Kärnten lebte und in Bayern durch ihre Flucht der Schlachtbank entkam.

Facebook-Star Yvonne

Yvonne, die sich weder mit dem flotten Ex-Zuchtstier Ernst noch mit leckerem Futter locken lässt, weckt mit ihrer Freiheitsliebe Sympathien fast wie seinerzeit Braunbär Bruno. Im Internet hat die Facebook-Gruppe “Rettet Yvonne“ knapp 20 000 Fans. Die “Bild“-Zeitung hat 10 000 Euro für das Finden und Retten der “Waldkuh“ ausgesetzt. “Anonyme Kuhfreunde“ verlangten hingegen Freiheit für Yvonne.

“So schön könnte Yvonne es haben“, heißt es bei Aiderbichl - wenn sie sich nur auf einen der Gnadenhöfe bringen ließe. Über ein “Medium“ hat Gutsverwalter Hans Wintersteller angeblich einmal schon übernatürlichen Kontakt zu ihr aufgenommen. Yvonne ließ allerdings wissen: Sie brauche noch Zeit, um sich ihm anzuvertrauen.

Mit 40 Helfern, Pferden, Jeep, Quad und Dackel Mirko wurde vor zehn Tagen nach Yvonne gesucht, doch die ließ sich nicht blicken. Die Aktion, glauben Experten, habe das verwilderte Tier, das seit 24. Mai im Wald lebt, noch vorsichtiger gemacht. “Je mehr man die Kuh verfolgt, desto scheuer wird sie“, sagt ein Züchter. Aiderbichl bedauert nun: “Jetzt ist Yvonne zu einer Nomadin geworden.“

Eine Kuhmutter vergisst ihr Kind nie

Wenn auch die Aktion mit Hubschrauber und Tierbetäubern nicht klappt, soll am nächsten Wochenende Yvonnes zweieinhalbjähriger - und damit ausgewachsener Sohn - Friesi nach Zangberg gebracht werden. “Eine Kuhmutter vergisst ihr Kind nie“, meint Aiderbichl-Gründer Michael Aufhauser. Tierexperten hingegen bezweifeln, dass verwandtschaftliche Bande hier noch wirken könnten. Auch erotische Gefühle für den kastrierten Ernst, der mittlerweile wieder aus Zangberg weggebracht wurde, halten sie für eher unwahrscheinlich.

“Dass man eine Kuh mit einem Ochsen als Stier-Placebo lockt - das müsste eigentlich fehlschlagen, weil die Kuh das merkt“, sagt der Referent für Tierhaltung beim Bayerischen Bauernverband, Josef Wasensteiner. “Es ist aber eine probate Methode, dass man ein Tier mit anderen lockt.“ Allerdings: “Dann müsste man eine Herde da draußen hinstellen.“ Spätestens im Winter, wenn es kein Futter mehr gibt, würde Yvonne sich ganz von selbst zu irgendeinem Stall in der Nähe bewegen, meinen Wasensteiner und Züchter.

Skurril! Die schrägsten Tiere der Welt

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Dass die medienwirksamen Aktionen zur Werbung um Spenden dienen könnten, weist Aufhauser zurück. “Das kommt eventuell später. Aber wir haben jetzt erst mal die Kosten zu tragen.“ Allerdings räumen die Aiderbichler auf ihrer Internetseite ein, dass sie gerne auch einmal PR-Strategien einsetzen, um mit “einer weitreichenden Medien- und Pressepolitik“ die eigene Tierschutz-Philosophie zu verbreiten.

Tatsächlich geht es laut Aufhauser auch um viel mehr als um die Rettung einer einzigen Kuh. “Wir sehen einen Einzelfall wie Yvonne nicht als Chance für zusätzliche Spenden, aber eine Chance, über Rinder zu sprechen die es in unserer Zeit besonders hart trifft.“ Niedrige Milchpreise, Tiertransporte und Züchtung zur Hochleistungskuh, das seien die “Themen in den Ställen“ und “Themen, die wir unterbringen können.“ In den Medien ist davon im Zusammenhang mit Yvonne freilich nicht allzu viel zu lesen.

Yvonne - Ein Thema für das Sommerloch

Für Medienwissenschaftler ist es ein Sommerlochthema, das gerade angesichts der vielen aktuellen Krisen in der Welt auf Interesse stößt. “Es würde zu weit gehen, es als kollektiven Eskapismus zu bezeichnen“, sagt der Kommunikationswissenschaftler Thomas Birkner von der Universität Münster. “Es ist aber schon ein Stück weit Ablenkung.“ Eine normale Kuh allein sei nicht interessant - erst die “Kuh als Reh“ sei zu etwas Besonderem geworden, wie die Nachricht “Mann beißt Hund“. “Es ist eine typische human interest-Geschichte, die mal kurz vergessen lässt, dass der Rest der Welt gerade kopfsteht.“

dpa

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