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Das Symbol der Rockergruppe Bandidos , ein Mexikaner mit Machete und Pistole.

Rockerbanden: „Sie schießen wie Pilze aus dem Boden“

München - Vergangene Woche wurde ein Mann in Türkenfeld (Kreis Fürstenfeldbruck) von Mitgliedern der Rockergruppe Bandidos krankenhausreif geprügelt. Mario Huber , Sachgebietsleiter Organisierte Kriminialität beim Landeskriminalamt, über die Entwicklungen in der Szene:

Wir fragten den Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität des Landeskriminalamts, wie seine Behörde die Rockergruppen in Bayern einschätzt. Das LKA beobachtet ihre Aktivitäten seit Jahren.

Wie sieht das durchschnittliche Mitglied einer Rocker-Bande aus?

Mitte 30, fester Job, eine abgeschlossene Berufsausbildung, nicht selten bereits im kriminellen Milieu eingebunden. Nach unseren Beobachtungen ist allen Mitgliedern gemein, das sie eine Gemeinschaft suchen, in der klare, machistische Regeln gelten. Ihr Weltbild hat häufig nur zwei Farben: schwarz und weiß.

Wie ist es um die Szene der Rocker-Banden in Bayern bestellt?

Seit den 90er Jahren gibt es im Freistaat fünf große Clubs. Bandidos, Hells Angels und Outlaws, den Gremium MC und den Trust MC. Um ein vollwertiges Mitglied zu werden, braucht es Jahre. Und es ist überdies teuer. Man muss in allen Clubs eine Harley-ist alarmiertDavidson fahren, der Mitgliedsbeitrag liegt oft bei mindestens 100 Euro im Monat. Die gesamte Szene ist komplett nach außenhin abgeschottet, es herrscht eine strenge Hierarchie. Die Mitglieder tragen Westen, sogenannte Kutten, die ihre Zugehörigkeit zu einer Rocker-Gruppe und ihren Rang darin zeigen.

Geht Gefahr von diesen Clubs aus?

Die Fachabteilung Organisierte Kriminalität verwendet einen großen Teil ihrer Kapazitäten für die Beobachtung der Rockerbanden. Wir sehen dort ein sehr hohes Gefahrenpotenzial.

Inwiefern?

Die fünf großen Rockerclubs in Bayern haben insgesamt rund 1500 Mitglieder, inklusive ihrer Unterstützer. Die meisten davon sind unbescholtene Bürger. Wir schätzen aber, dass ungefähr ein Drittel der Mitglieder regelmäßig in Straftaten verwickelt ist.

Um welche Straftaten handelt es sich dabei?

Wir reden hier von Rauschgifthandel, vor allem Kokain und Cannabis-Produkte, Körperverletzungen und Aktivitäten im Bereich der Prostitution. Waffenhandel ist bei den Rockern überproportional ausgeprägt.

Wie gehen Sie dagegen vor?

Wir tauschen uns mit den Polizeipräsidien aus und nutzen alle Möglichkeiten zur Strafverfolgung.

Setzt das LKA V-Männer ein?

Dazu darf ich Ihnen keine Informationen geben.

Lassen Sie die Clubs spüren, dass sie jemand beobachtet?

Ja, das ist Teil unserer Strategie. Bei größeren Veranstaltungen der Rocker werden von der Polizei mittlerweile immer Vollkontrollen durchgeführt, mit allen Besuchern.

Wächst die Szene?

Wir stellen fest, dass sogenannte Unterstützer-Clubs vor allem dieses Jahr wie Pilze aus dem Boden schießen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den ländlichen Regionen. Das hängt wohl mit einer neuen Strategie der Clubs zusammen. Die Unterstützerclubs, aus denen sich Mitglieder für die richtigen Clubs rekrutieren, werden für Straftaten wie Körperverletzungen vorgeschickt, um die große Organisation sauber zu halten.

Welche Strategien verfolgen die Clubs sonst noch?

Bei den Niederlassungen ist es oft so, dass auf die bereits ansässigen Motorradclubs Druck ausgeübt wird. Motto: Entweder ihr löst euch auf, oder ihr seid ab sofort bei uns dabei. In Regensburg und München etwa gibt es noch eine andere Vorgehensweise. Dort wird die normale Bevölkerung regelmäßig zu Festen eingeladen, dort werden Hüpfburgen für die Kinder aufgestellt. Die wollen der Öffentlichkeit ein positives Bild von sich vermitteln.

Eine Taktik, die man auch von der NPD kennt.

Ja, man will in die Mitte der Gesellschaft. Wir haben allerdings keinerlei Anzeichen dafür, dass es strukturelle Verbindungen zwischen der rechten Szene und dem Rockermilieu gibt. Außerdem ist der Anteil an Mitgliedern mit Migrationshintergrund etwa bei den Bandidos relativ hoch.

Welcher Club ist in Bayern am stärksten vertreten?

Die Bandidos haben in Bayern die meisten Niederlassungen. Alle fünf Clubs zusammen kommen auf mehr als 100 Niederlassungen. Die Clubs sind dabei gleichmäßig über Bayern verteilt.

Interview: Patrick Wehner

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