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Fred Kogel, Fritz Egner, Jim Sampson und Jürgen Herrmann (v.li.).

Ab 13. Januar jeden Sonntag

B 3 im Rockwärtsgang mit Kult-Moderatoren

München - Hier sehen Sie 248 Jahre Rock-Kompetenz. Und das Beste: Demnächst kann man die alten Haudegen der wilden 70er und 80er wieder hören. Auch Thommy Gottschalk feiert sein Comeback.

Radio-Ikonen von Bayern 3, die das noch machten, was heute kaum noch stattfindet: Musik spielen und moderieren mit Anspruch, Kompetenz und Leidenschaft. Übrigens für einen ganz normalen Moderatoren-Satz von 300 Euro für die Doppelstunde. Das gilt auch für Thomas Gottschalk, der beim Bayern 3-Kultabend mit von der Partie sein wird. Fest steht schon mal der 3. März, aber wenn es ihm Spaß macht und er in München ist: immer wieder gerne.

Das Kult-Projekt ist nicht auf Zeit angelegt – so lange die Moderatoren Lust haben, geht’s weiter. Die Fakten:

Am 13.1. geht’s los, da moderiert das Quartett (siehe unten), danach wird wöchentlich gewechselt. Jeden Sonntag von 20 bis 22 Uhr gibt’s dann Altes und Neues, frisch von Fachmännern serviert. B 3 im Rockwärtsgang: gut so!

Fred Kogel (52)

Dem BR ist der Medien-Guru Fred Kogel bis heute dankbar: „Der Bayerische Rundfunk hat mir meine Karriere ermöglicht.“ 1981 ging’s los, vier Jahre später verließ Kogel das Haus, gründete das erste Privatradio Münchens (Xanadu), bevor die TV- und Kino-Karriere als Manager losging.

„Ich freue mich wahnsinnig, wieder mitzumachen. Hier gab es viele Möglichkeiten. Wir waren die ersten, die auch mal ins Mikro gebrüllt haben, die Jingles einführten, Instrumente mitbrachten. Ich weiß noch, wie ich früher ganz Bayern von meiner Musik überzeugen wollte. Wir waren Musik-Missionare. Ich komme in meinem Beruf mit vielen Prominenten zusammen. Da liegt es auf der Hand, sie auf ihren Musikgeschmack abzuklopfen und das in meine Sendungen einzubinden. “ Ob er, wie früher, jede Sendung mit seinem Spruch „Keep the fire burning“ beenden wird? „Nein!“

Lieblingssong: Walk This Way von Aerosmith.

Plattensammlung: 10 000 CDs, 8000 LPs. „Bei jedem Umzug wird alles akribisch neu archiviert und alphabetisch geordnet.“

Fritz Egner (63)

Thomas Gottschalks Ehefrau Thea entdeckte Fritz Egner beim US-Sender AFN und brachte ihn 1979 zum BR. Seitdem ist er eine der Säulen anspruchsvoller Sendungen mit jeder Menge Infos. Schwerpunkt: Black Music. Und auch, wenn er als Dingsda- und Versteckte-Kamera-Moderator im Fernsehen von Millionen Menschen gesehen wurde: Fritz Egners Leidenschaft ist und bleibt das Radio. Er erinnert sich:

„Die frühe Bayern3-Zeit war für uns unbeschwert, auch wenn die Musik, die wir spielten, von der Spitze des Hauses nicht unbedingt gewollt wurde. Ich stand mehrfach vor dem Rauswurf, weil ich das Damenkränzchen des Rundfunkrats gesprengt habe“, lacht Egner. „Wir wollen unsere Leidenschaft wieder ausleben: uns für die Musik einsetzen, die wir lieben.“

Lieblingssong: Musicology von Prince.

Plattensammlung: 20 000 CDs, 10 000 LPs. „Beim letzten Umzug war ein Statiker da, der mir gesagt hat: Sie wohnen jetzt im Altbau, die Hälfte der Platten muss raus. sonst bricht der Boden durch.“

Jim Sampson (64)

Seine Karriere begann bei AFN, danach ging’s über ORF, Deutsche Welle und Billboard zu Bayern 3. Auslöser: nicht Thea Gottschalk wie bei Fritz Egner, sondern Thomas. Jahrelang hat Sampson Musik und Konzerte des Senders koordiniert und führte 1988 im Auftrag von Thomas Gottschalk die computergesteuerte Musikplanung Selector ein. Seit 1989 moderiert der Bostoner montags Bayern 3 – NightLife.

„Bayern 3 wurde ja nicht als Popwelle erfunden, sondern sollte eine Service-Welle sein. AFN ist nicht nachahmenswert, hieß es von der Spitze. Doch unsere Leidenschaft und Neugier haben sich durchgesetzt. Wir wollen weiterhin neue Musik entdecken, aber Brücken zu den Quellen dieser Musik schlagen: Welche junge Band fußt auf welcher alten? Wir wollen erklären, was wir für wertvoll halten.“

Lieblingslied: Kashmir von Led Zeppelin

Plattensammlung: 15 000 CDs. „Bei jedem Umzug gehen Platten verloren. Ich habe den Bestand mittlerweile deutlich runtergefahren und das Vinyl weggegeben.“

Jürgen Herrmann (69)

Eine Art „Ziehvater“ des Trios. Insgesamt 36 Jahre lang war der gebürtige Berliner im Haus, bevor er 2006 in Rente ging. Jetzt ist Mister Music wieder mit dabei. Herrmann, der sich jahrelang ein Büro mit Gottschalk teilte, hat im Laufe seiner Moderatoren-Karriere so gut wie alle erlebt – Hendrix, die Beatles, die Eagles oder Queen.

„Ich war ja skeptisch, ob das mit dem Projekt noch was wird. Aber die Hartnäckigkeit unseres Programmchefs Walter Schmich hat sich ausgezahlt. Es ist ja nicht immer so leicht, in diesem Haus etwas durchzusetzen. Mir macht es einfach Spaß, alte Schätze auszugraben. Die Leidenschaft ist nach wie vor da. Ich will gerade auch den Jüngeren meine Musik nahebringen. Ob ich das überhaupt noch kann? Wie auch mein Kollege Fred Kogel weiß ich nicht, ob ich mit der neuen Technik noch klarkomme. Aber das lernen wir mit der Zeit bestimmt.“

Lieblingssong: Too Old To Rock And Roll, Too Young To Die von ­Jethro Tull

Plattensammlung: „Mittlerweile nur noch rund 3000.“

M.Bieber

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