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Unterstützung beim Neuanfang: In einem Haus der Roland Berger Stiftung in Ingolstadt werden ab Mitte Mai unbegleitete jugendliche Flüchtlinge leben. Sozialpädagogen und Mentoren helfen ihnen bei ihrem Start in Deutschland.

Neues Projekt der Roland Berger Stiftung

Das Haus der Hilfsbereitschaft

Ingolstadt - Die Roland Berger Stiftung möchte sich intensiver für jugendliche unbegleitete Flüchtlinge engagieren. In Ingolstadt lässt sie gerade ein Haus renovieren, in dem die Jugendlichen betreut zusammenleben werden. Dieses Haus soll erst der Anfang sein.

Noch ist das Haus eine riesige Baustelle. Doch Regina Pötke kann in ihrer Phantasie in die Zukunft sehen. Die Projektleiterin sieht nicht die Handwerker ein und aus gehen – sondern jugendliche Flüchtlinge. Es ist ein Bild, das in nicht einmal zwei Monaten Realität sein wird. Die Roland Berger Stiftung baut in Ingolstadt ein Drei-Familien-Haus in ein Haus für jugendliche unbegleitete Flüchtlinge um. Es ist ein Pilotprojekt – und bereits das zweite Projekt innerhalb weniger Monate, mit dem sich die Stiftung für Jugendliche mit Mitgrationshintergrund engagiert. Erst im September hatte die Stiftung des ehemaligen Unternehmensberaters eine Pilotschule in Ingolstadt eröffnet, die jeden Schüler mit individuellem Förderplan und Mentor unterstützt (wir haben berichtet). Seit August vergangenen Jahres ist bereits das nächste Großprojekt in Planung.

Unter den rund 700 Stipendiaten der Roland Berger Stiftung sind viele jugendliche Flüchtlinge, sagt Pötke. Allerdings sind es Jugendliche, die mit ihren Familien nach Deutschland geflüchtet sind oder bei Verwandten leben. Mit dem neuen Projekt möchte die Stiftung die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge unterstützen. „Momentan gibt es viel zu wenig Einrichtungen, die sie nach dem Jugendschutzgesetz aufnehmen dürfen“, sagt Pötke. In dem Roland-Berger-Haus werden ab Mitte Mai zwölf Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren einziehen. Aber das soll nur der Anfang sein, kündigt Regina Pötke aus dem Stiftungsvorstand an. „Wir wollen so viele Häuser wie möglich schaffen und sind bereits in vielen Städten auf der Suche nach geeigneten Immobilien.“

Es wird eine Art WG werden, die in Ingolstadt entsteht. Allerdings eine WG mit Rundumbetreuung. „Es wird immer jemand für die Jugendlichen vor Ort sein“, kündigt Pötke an. Es gibt fünf Sozialpädagogen, zwei Dolmetscher, die sämtliche arabische Dialekte sprechen und natürlich Psychologen, die mit den Jugendlichen die traumatischen Erlebnisse während der Flucht aufarbeiten. Das wird vermutlich eine der größten Herausforderungen. „Die Jugendlichen haben viel Gewalt erlebt, ihr Vertrauen in andere ist oft angeknackst, öffentliche Institutionen sind für sie bedrohlich“, sagt Pötke. Sie müssen erst lernen, wieder zu vertrauen. Das will ihnen die Roland Berger Stiftung leichter machen: mit Mentoren. Menschen, auf die sie sich verlassen können. Die ihnen eine Brücke in das neue Leben bauen, das sie hier beginnen. „Idealerweise sind das Menschen aus der unmittelbaren Umgebung, die ihnen vielleicht die Stadt zeigen. Und die Ansprechpartner und Vertrauensperson für sie sind.“ Was das angeht, ist Regina Pötke schon jetzt sehr optimistisch. Bisher sind die Reaktionen der Nachbarn und Vereine sehr positiv, berichtet sie. „Die Hilfsbereitschaft ist enorm.“

Die Roland Berger Stiftung will die jugendlichen Flüchtlinge dabei unterstützen, so schnell wie möglich die Sprache zu lernen – um dann einen Schulabschluss zu machen und einen Ausbildungsplatz zu finden. „Das sollte jeder schaffen, der betreut wird“, sagt Pötke. Aber aus Erfahrung weiß sie: „Die Jugendlichen sind unglaublich ehrgeizig und leistungsstark.“ Sie wollen Deutsch lernen und arbeiten. Sie wollen auf eigenen Füßen stehen. Das große Ziel des Projektes ist es, ihnen dabei zu helfen. „Sie bleiben mit großer Wahrscheinlichkeit in Deutschland“, sagt Pötke. „Wir wollen ihnen helfen, einen Beitrag zu unserer Gesellschaft zu leisten.“ Die große Aufgabe dabei sei es, ihre Begabungen und Talente zu erkennen und zu fördern. „Viele haben in ihrer Heimat Schulen wie unser Gymnasium besucht. Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Jugendlichen zu unterschätzen, nur weil sie kein Deutsch sprechen, wenn sie hier ankommen.“

Katrin Woitsch

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