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Andreas Unglert sitzt im Rollstuhl. Der 59-Jährige rettete einer Frau das Leben.

Er half, ohne an sich selbst zu denken

Rollifahrer robbt zu Frau und rettet ihr das Leben

Bad Hindelang - Eine Frau stürzt vom Soziussitz eines Motorrades und liegt leblos am Straßenrand. Viele würden einfach weiterfahren. Andreas Unglert tat das nicht.

 Er half und rettet der Frau das Leben. Dabei sitzt der 59-Jährige aus Bad Hindelang seit sieben Jahren krankheitsbedingt im Rollstuhl. Für seine selbstlose Tat ließ er sich vom Beifahrersitz eines Geländewagens fallen und robbte auf seinen Händen zu der Frau!

„Wir waren gerade in Sonthofen unterwegs, als plötzlich auf der Gegenfahrbahn eine Frau von einem Motorrad fiel“, schildert Andreas Unglert der tz den Unfall auf der B 308 in der Oberallgäuer Kreisstadt. Die 48-Jährige war ohne Fremdeinwirkung und ohne Vorwarnung auf dem Soziussitz einer BMW R 1200 GS in sich zusammengesackt und von der Enduro auf die Straße gestürzt.

„Ich habe zu meiner Frau gesagt, sie solle sofort wenden und anhalten“, erzählt Andreas Unglert weiter. Christine Unglert tat’s und brachte den Mitsubishi Pajero neben der Motorradfahrerin zum Stehen. „Das Auto ist noch nicht gestanden, da war ich schon raus.“ Er ließ sich regelrecht aus dem Auto fallen, stützte sich auf seine Hände und robbte zu der liegenden Frau hin. Nachgedacht habe er da gar nicht lange und ließ sich schon gar nicht durch seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen hindern, sondern wollte nur helfen.

„Die Frau hatte keinen Puls mehr, sie war im Gesicht angeschwollen und war schon dunkelblau angelaufen“, berichtet der Helfer, der ihr zunächst mit der flachen Hand auf den Brustkorb klopfte. Schlimmstenfalls könnte es sich um einen Herzstillstand handeln, durchfuhr es ihn. Am Zucken ihrer Beine konnte er dann festellen, dass die Frau noch lebt, danach brachte er sie in die stabile Seitenlage. Damit sie frei atmen kann, wollte er noch ihren Motorradhelm abnehmen, was wegen der Schwellungen im Gesicht aber nur mühsam gelang. „Ich hab’ nach einem Messer gerufen.“ Endlich war der Helm runter.

Inzwischen war der Rettungswagen eingetroffen, die Sanitäter übernahmen die weitere Versorgung der Patientin und brachten sie ins Krankenhaus. „Ich bin dann weg“, sagt Andreas Unglert lapidar. Seine Frau habe in der Zwischenzeit seinen Rollstuhl aus dem Auto geholt, er setzte sich rein und überließ den Medizinern die weitere Versorgung. An das Drumherum hat er keinerlei Erinnerung mehr, so konzentriert war er auf die hilflose Frau.

Obwohl er sich wegen diverser Krankheiten immer schlechter bewegen kann und seit sieben Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen ist, war es für ihn keine Frage, dass er hilft. „Ich habe da nicht lange nachgedacht und weiß gar nicht, was um mich herum passiert ist“, sagt Andreas Unglert. In seiner Jugend war er beim Roten Kreuz, mit 16 Jahren machte er eine Sanitäterausbildung. Später arbeitete er im Krankenhaus Sonthofen.

Das ist zwar viele Jahre her, doch in dem Moment, als es darauf ankam, war alles Wissen und Können wieder präsent, alles lief automatisch ab. „Das kam ganz von selbst.“ Dass er jetzt etliche schmerzhafte Prellungen an der Schulter, an seinen Händen und den Beinen hat, wischt er mit wenigen Worten beiseite. „Das geht wieder weg.“ Wichtig ist ihm, dass die Frau wohl in ein paar Tagen das Krankenhaus wieder verlassen darf. Gesund.

Volker Pfau

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