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Neuer Trend in Bayern: Ein Besuch beim Mikrocamping auf dem Bauernhof

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Durchschnaufen im Grünen: Barbara Sailer sitzt auf dem Bauernhof der Familie im Chiemgau neben einem von drei privaten Stellplätzen für Camper.
Durchschnaufen im Grünen: Barbara Sailer sitzt auf dem Bauernhof der Familie im Chiemgau neben einem von drei privaten Stellplätzen für Camper. © fkn

Viel Ruhe, viel Natur und vor allem: keine Nachbarn. Mikrocamping heißt der neue Trend, bei dem Privatleute einzelne Stellplätze vermieten. Ein Besuch auf einem Bauernhof im Chiemgau.

Obergebertsham – Der Weg führt auf schmalen Straßen durchs Voralpenland, vorbei an Dörfern, Wiesen und Feldern bis zu einem Maisacker und einem kleinen Schild mit einem Wohnmobil darauf. Wer das nicht übersieht und richtig abbiegt, landet auf dem Bauernhof der Familie Sailer in Obergebertsham im Kreis Rosenheim. „Mein Mann sagt immer, ich soll das Schild größer machen“, sagt Barbara Sailer zur Begrüßung und lacht. „Aber ich kümmere mich schon darum, dass meine Gäste zu mir finden.“

Die Chiemgauerin, eine fröhliche Frau mit Kurzhaarschnitt, lädt ein zu einer kleinen Besichtigungstour. Drei Stellplätze sind es, die sie und ihr Mann Martin Camping-Urlaubern zur Verfügung stellen. Die zwei Plätze vor dem Haus sind geschottert, der dritte ist ein Stück Wiese neben dem Gemüsegarten und einem kleinen Spielplatz. Weiter hinten weiden die Schafe der Familie. „Früher“, sagt die 41-Jährige, „hatten wir noch Milchvieh. Aber bei einem so kleinen Betrieb wie dem unseren, da lohnt sich das leider kaum mehr.“

Keine Nachbarn, viel Ruhe, viel Natur

Dann also lieber Übernachtungsgäste, die, das ist die Bedingung hier, autark sein müssen, da es am Hof weder Toiletten noch Duschen für die Reisenden gibt. Wasser und Strom bekommen sie auf Anfrage und fürs Lagerfeuer stehen Feuerschalen und Holz bereit. Seit einem Jahr bietet Sailer, die halbtags in einer Weberei arbeitet, die Plätze an. „Vom Camping hatte ich keine Ahnung, aber die Idee fand ich toll.“ Keine zwei Monate später rollten die ersten Gäste auf den Hof.

Keine Nachbarn, viel Ruhe, viel Natur: Es sind private Plätze wie die in Obergebertsham, die sich bei Camping-Urlaubern immer größerer Beliebtheit erfreuen. Mikrocamping heißt der Trend, der sich im Zuge des Camping-Booms entwickelt hat und hinter dem sich ein einfaches Konzept verbirgt. Privatleute vermieten auf ihrem Grund zwei oder drei Stellplätze. Statt auf einem Campingplatz nächtigen die Reisenden am Weinberg, an der Pferdekoppel, in einer Christbaum-Plantage oder am Maisfeld mit Bergblick wie bei Sailers. „Für alle, die ihren Campingurlaub etwas individueller oder abenteuerlicher gestalten wollen, ist Mikrocamping eine gute Möglichkeit“, sagt Martin Zöllner, Camping-Referent beim ADAC.

Auf herkömmlichen Campingplätzen zu übernachten, kam nie in Frage

Vera Pützschler aus Regensburg kommt gerade von ihrer allerersten Campingreise zurück. Eine Woche lang haben sie und ihr Mann Bernd Urlaub rund um oberbayerische Seen gemacht und vor allem private Stellplätze gebucht. „Auf herkömmlichen Campingplätzen zu übernachten, das ist für uns von Anfang an nicht infrage gekommen“, sagt die 61-jährige Hebamme. „Da herrscht mir zu viel Trubel und von dem habe ich in der Arbeit genug. Und irgendwo auf Parzelle 180 zu parken, entsprach auch nicht unserer Vorstellung von einem romantischen Camping-Urlaub.“ So aber hätten sie auf Wiesen und unter Obstbäumen übernachtet und in Ruhe die Natur genießen können. „Wunderbar“, schwärmt Pützschler. „Das werden wir bald wieder so machen.“

Auch der Weilheimer Jochen Knittel plant schon die nächste Camping-Tour. In die Schweiz soll es gehen, erzählt der Steuerberater, der seit 40 Jahren mit Wohnwagen oder Wohnmobil in Urlaub fährt. „Als die Kinder klein waren, haben wir immer Campingplätze besucht, am liebsten mit Wasserrutsche“, sagt der 67-Jährige. Die Kinder seien beschäftigt gewesen und hätten schnell Spielkameraden gefunden. „Das war für alle Beteiligten sehr praktisch.“

Mittlerweile fahren er und seine Frau lieber private Stellplätze an. „Das gefällt uns, weil das Campen auf solchen Plätzen ursprünglicher ist.“ Außerdem habe man mehr Platz als auf vielen der offiziellen Stellplätze. Dort stehe man oft so eng, dass man dem Nachbarn beim Frühstück die Butter reichen könne. „Das ist uns etwas zu viel Nähe“, sagt Knittel und lacht. Er erzählt von einer Reise in die Pfalz vor drei Jahren, bei der sie überwiegend auf Weingütern geparkt und so sehr viel über den Weinbau erfahren haben. „Über die Gastgeber bekommt man einen anderen Zugang zu Land und Leuten“, sagt er. „Das ist alles etwas persönlicher.“

Aktuell gibt es in Deutschland etwa 5000 private Stellplätze

Aktuell gibt es in Deutschland etwa 5000 private Stellplätze. Das erscheint wenig, gerade im Vergleich zu den rund 209 000 Standplätzen der Campingplätze, aber die Anzahl der privaten Angebote sei in den letzten Jahren stark gestiegen, sagt ADAC-Fachmann Martin Zöllner. „Vor allem im ländlichen Raum hat sich sehr viel getan.“

In Bayern ist es Landwirten seit dem Sommer 2021 erlaubt, bis zu drei Stellplätze anzubieten. Zwischen zehn und 20 Euro kostet eine Übernachtung auf einem einfachen Platz. Günstiger als auf dem Campingplatz – dafür müssen Urlauber in der Regel auf Sanitäranlagen und Entsorgungsmöglichkeiten verzichten. Sind solche vorhanden, wird’s teurer. Buchen lassen sich die Stellplätze über verschiedene Internet-Plattformen (siehe Infokasten).

Barbara Sailer, die ihre Plätze unter anderem über die Plattform „Campspace“ anbietet, telefoniert gerade mit einem Mann aus Norddeutschland, der buchen möchte. Er mache mit seiner Familie öfter Urlaub in Kroatien und sei bisher immer am Chiemsee vorbeigefahren, erzählt er. Jetzt wolle er sich den See endlich einmal ansehen. Der Mann hat Glück, Barbara Sailer hat übermorgen noch Platz, was in der Hauptsaison keine Selbstverständlichkeit ist. „Es läuft ganz gut“, sagt Barbara Sailer und blättert im Kalender.

Auf diesen Plattformen finden Sie private Stellplätze – und mehr

Campspace: Im Angebot ist alles für die Übernachtung in der Natur: Zeltplätze und Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile, Blockhütten oder Baumhäuser, insgesamt rund 2500 Anbieter. Die Plattform ist neben Deutschland auch in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Portugal aktiv.

Alpaca-Camping: Hier finden sich rund 2500 Stellplätze „ohne Campingplatz-Firlefanz“ und auch einige Zeltplätze. Der Schwerpunkt liegt auf Deutschland und Österreich, die Erweiterung auf andere europäische Länder ist laut Anbieter in Planung.

Landvergnügen: Der Klassiker der privaten Stellplätze für Wohnmobil, Wohnwagen und Campingbus in Deutschland, funktioniert über den Kauf einer Jahresvignette und einen Katalog. Im Angebot sind Stellplätze bei Obst- und Gemüsebauern, Imkern, Landwirten und Winzern, die auch ihre Produkte verkaufen. Vignette und Katalog: 49,90 Euro.

My Cabin: Eine Plattform für Stell- und Zeltplätze in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Aber auch Unterkünfte und Ferienwohnungen sind im Angebot. Insgesamt rund 300 Gastgeber.

HomeCamper: Die Plattform operiert weltweit und bündelt laut eigenen Angaben die Angebote für mehr als 58 000 Stell- und Zeltplätze. Ein Blick auf die Übersichtskarte verrät: Die meisten Plätze befinden sich in Frankreich und den USA.

ZeltzuHause: Anders als der Name vermuten lässt, richtet sich das Angebot nicht nur an Zelturlauber, sondern auch Reisende mit Campingmobilen. Rund 190 Gastgeber, vor allem in Deutschland.

Hinterland: Von der Nordsee bis ins Allgäu – die Plattform wirbt mit mehr als 1000 buchbaren Plätzen vor allem in Deutschland. Neben Stell- und Zeltplätzen lassen sich hier auch naturnahe Unterkünfte buchen wie Tiny Houses oder Campingfässer.

„Die Münchner wollen einfach mal raus in die Natur“

Wer zu ihr kommt? „Eigentlich alle“, sagt sie und zählt auf: Junge und Alte, Paare und Alleinreisende, Freundesgruppen und Familien. „Ich habe auch einige Münchner Familien, die kommen über das Wochenende. Die wollen einfach mal raus in die Natur.“ Barbara Sailer blickt aus dem Fenster. „Bei schönem Wetter kann man von hier manchmal sogar den Großglockner sehen.“ Ihr Handy klingelt. Die nächste Anfrage.

Es mache ihr viel Spaß, die drei Stellplätze zu betreiben, sagt Barbara Sailer. „Ich lerne viele nette Menschen kennen, und habe bisher auch nie schlechte Erfahrungen gemacht, etwa, dass jemand seinen Müll hiergelassen hätte.“ Auch die Sonderwünsche der Gäste hielten sich in Grenzen. „Da geht es vielleicht mal um heißes Wasser für Babyfläschchen, aber das ist ja kein Problem.“ Vor Kurzem habe sie ein Mann gebeten, ob sie ihm mit Blumen aus ihrem Garten aushelfen könne. Seine Frau hatte Geburtstag und er wollte sie mit einem kleinen Strauß überraschen. „Da habe ich ihm also ein paar Blumen gepflückt und sie mit Vase unter dem Wohnmobil deponiert“, sagt Barbara Sailer und lächelt. „Die Frau hat sich gefreut, der Mann hat sich gefreut und ich hab mich auch gefreut, dass sich meine Gäste gefreut haben.“ VON BEATRICE OSSBERGER

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