Das Banden-Trio soll neben Bargeld viel Gold erbeutet haben.
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Das Banden-Trio soll neben Bargeld viel Gold erbeutet haben.

Beutezug in Bayern und Norddeutschland

Falsche Polizisten nehmen Senioren aus: Hunderttausende Euro erbeutet - Allein Münchnerin verliert 260.000 Euro

Zwei Männer und eine Frau sollen etliche Senioren um Geld und Wertgegenstände gebracht haben, indem sie sich als Polizisten ausgaben. Nun stehen sie vor Gericht.

  • Zwei Männer und eine Frau gaben sich als Polizisten aus.
  • Mit der Masche raubten sie mehrere Senioren aus und erbeuteten hunderttausende Euro.
  • Die Täter waren verschuldet und hatten Alkohol- und Drogenprobleme.

Traunstein/Rosenheim – Es dauerte eine Dreiviertelstunde, bis gestern im Landgericht Traunstein die komplette Anklage verlesen war. Denn sie umfasst zahlreiche Fälle. Die Opfer sind Senioren aus München, Rosenheim und Norddeutschland. Die Täter eine Bande mit Sitz in der Türkei. Drei von ihnen müssen sich seit gestern vor dem Landgericht Traunstein verantworten: eine 32-jährige Einzelhandelskauffrau, ein Mechatroniker und ein Tennislehrer (beide 34). Sie sollen die Senioren ausgenommen haben, indem sie sich als Polizisten ausgaben.

Rosenheim/Bayern: Falsche Polizisten erbeuten Goldmünzen

Zum Beispiel ein Ehepaar aus Rosenheim. Es bekam im Februar vergangenen Jahres einen Anruf von einem angeblichen Polizisten. In der Nachbarschaft seien Einbrecher unterwegs, sagte er. Und, dass die Polizei einen Teil der Bande gerade festnehme. Doch einige Täter seien noch auf freiem Fuß. Um die Wertgegenstände zu schützen, sollte das Ehepaar sie der Polizei übergeben. Der ältere Mann schöpfte zwar einen Verdacht, ob das mit rechten Dingen zugehe. Darauf forderte der Anrufer ihn auf, aufzulegen und die 110 zu wählen. Der Mann tat das – und hatte auch unter der „110“ wieder den angeblichen Polizisten am Telefon. Daraufhin glaubte er die Geschichte.

Die Bande war technisch in der Lage, die Nummer 110 im Telefondisplay anzeigen zu lassen. Möglicherweise hatte der Rosenheimer einfach die Wahlwiederholung gedrückt. Deshalb legte er 49 Goldmünzen im Wert von 13.000 Euro auf die Treppe vor das Haus.

München: Betrüger bringen Opfer dazu Wertpapiere in Gold umzutauschen

Das war bei Weitem nicht die größte Beute der Bande. In München etwa erbeutete sie Gold- und Silbermünzen für 38.000 Euro. Bei einem zweiten Fall sogar 67.000 Euro. Eine ältere Dame aus München hatte 260.000 Euro zu Hause versteckt. Auch sie händigte ihr Erspartes den angeblichen Polizisten aus.

In Norddeutschland waren die Betrüger ebenfalls unterwegs. Hier erbeuteten sie Gold im Wert von 248.500 Euro. Sie brachten eine Seniorin sogar dazu, ihre Wertpapiere in Gold einzutauschen. Es wurde von einer Sicherheitsfirma angeliefert. Noch am selben Abend wurde es von einem der Angeklagten abgeholt – und wohl direkt weitergeleitet in die Türkei.

Betrug: Verschuldete Täter hatten Alkohol- und Drogenprobleme

Die drei Angeklagten hatten Berufe gelernt, teils sogar studiert, waren aber alle arbeitslos und hoch verschuldet. Außerdem hatten sie zumindest zeitweise Probleme mit Alkohol oder Drogen. Der 32-Jährigen drohen bis zu drei Jahre und vier Monate Haft. Der Boss der Bande, der sich mangels Führerschein von den beiden anderen chauffieren ließ, muss mit bis zu acht Jahren rechnen. Ihm werden auch neun Drogen- und Waffendelikte vorgeworfen. Den Tennislehrer erwartet eine Bewährungsstrafe. Die Beute ist verschwunden.

Betrugsmasche „Falsche Polizisten“: Polizei veröffentlicht schockierenden Telefonmitschnitt

Monika Kretzmer 

Sie geben sich als falsche Polizisten aus und prellen nichtsahnende Senioren um deren Erspartes. Doch den Betrügern soll es nun an den Kragen gehen. Wir zeigen, wie Ermittler den Tätern auf die Schliche kommen.

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