So blutig sah der Schüler nach der Attacke aus.

15-Jähriger in Rosenheim übel zugerichtet

Enttarnt ein Kollege den Polizeichef als Rambo?

Rosenheim - Der ehemalige Polizeichef von Rosenheim muss sich ab Montag vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Körperverletzung im Amt. Er soll einen Jugendlichen zusammengeschlagen haben.

Das Volksfest in Rosenheim zieht Jahr für Jahr Tausende vor allem junger Menschen an. Auch der damals 15 Jahre alte Schüler hielt sich am Abend des 3. September 2011 auf dem Festplatz auf. Gegen 22 Uhr kam es vor einem Fahrgeschäft zu einer Schlägerei. Inwieweit der Jugendliche daran beteiligt war, ist nicht geklärt. Jedenfalls wurde er unter dem Verdacht der Körperverletzung festgenommen und sogar gefesselt, obwohl er sich nicht gegen die Festnahme wehrte.

Nun schritt der Rosenheimer Polizeichef ein. Höchstpersönlich zerrte er den Schüler auf die eigens für das Herbstfest eingerichtete Wache. Auf dem Weg dorthin stieß der zur Tatzeit 49-Jährige dem Schüler laut Anklage mehrfach ein Knie ins Gesäß und verpasste ihm Ohrfeigen. Auf der Wache gerieten beide verbal aneinander. Daraufhin packte der Polizeichef den nach wie vor gefesselten Jugendlichen, hob ihn hoch und drosch laut Anklage dessen Kopf mindestens zweimal an die Wand.

Das Opfer erlitt eine Platzwunde an der Lippe, die im Krankenhaus genäht werden musste. Ein Schneidezahn brach, andere wurden geschädigt, am Schienbein war ein Bluterguss die Folge. Die Mutter stellte Strafantrag gegen den Polizeichef. Die Staatsanwaltschaft Traunstein nahm Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt auf. Er wurde suspendiert. Schon bald nach Bekanntwerden des Falles sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Vordermayer: „Wir nehmen die Vorwürfe sehr, sehr ernst.“

Kein Brief, kein Telefongespräch und schon gar keine zweite Begegnung: 14 Monate lang herrschte eisiges Schweigen zwischen mutmaßlichem Täter und Opfer. Kurz vor Beginn des Strafgerichtsprozesses hat sich der Angeklagte nun aber bei dem Schüler entschuldigt.

Den inzwischen 16-jährigen Schüler erreichte ein vom Ex-Polizeichef unterzeichneter Entschuldigungsbrief – allerdings mit einer aus Sicht der Mutter des Schülers und dessen Rechtsanwalt Werner Tröger, Rosenheim, nur halbherzigen Entschuldigung. Denn der Angeklagte bleibt in dem Schreiben dabei, dass er den Schüler „nur herumdrehen“ wollte und es nicht seine Absicht gewesen sei, ihn zu verletzen. Dennoch fühle er sich mitverantwortlich für die Verletzungen und entschuldige sich, schreibt er.

Den Entwurf für die Strafanzeige wegen Widerstands, versuchter Körperverletzung und Beamtenbeleidigung hatte der Polizist übrigens noch am 4. September – also einen Tag nach dem Vorfall – per E-Mail zur Kenntnisnahme an jene vier Kollegen verschickt, die von der blutigen Auseinandersetzung etwas mitbekommen hatten. Wollte der Chef damit seine Untergebenen auf seine Version einschwören, weil er befürchten musste, dass die Sache ein Nachspiel hat?

Besonderes Gewicht vor Gericht dürfte die Zeugenaussage eines Beamten der Inspektion Trostberg haben. Der 29-jährige Polizist hatte den Schüler vorläufig festgenommen, weil er möglicherweise in eine Keilerei verwickelt war. Wie es heißt, habe der 15-Jährige dabei weder zu flüchten versucht noch soll er sich gewehrt haben oder aggressiv gewesen sein. Dass sich plötzlich der Chef einmischte, den Buben – ein Leichtgewicht mit 54 Kilo – einem Kollegen entriss und dann durch die dichte Menschenmenge am Samstagabend in die Wache trieb, soll die anderen Polizisten verblüfft haben. Der Trostberger Polizist hat nach Erkenntnissen des „OberbayerischenVolksblatts“ zumindest teilweise gesehen, wie der Jugendliche getreten und geohrfeigt wurde und mit dem Kopf gegen die Wand schlug.

140 Sitzplätze fasst der Gerichtssaal, in dem ab Montag verhandelt wird. 50 sind allein für Medienvertreter aus ganz Deutschland reserviert.

Ludwig Simeth

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