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In diesem Haus in Rosenheim wurde eine verwahrloste, eingesperrte junge Frau gefunden. Ihre Mutter stürzte sich kurz zuvor das Treppenhaus hinab.

Schockierende Entdeckung

26-Jährige in Rosenheim befreit: "Schreie und unartikulierte Laute"

Rosenheim - Es muss ein schrecklicher Anblick für die Polizisten gewesen sein: Bei einer Zwangsräumung gelangen sie in eine völlig vermüllte Wohnung. Doch die Beamten machen eine noch tragischere Entdeckung. Was die Nachbarn sagen.

Erschreckende Entdeckung bei einer Zwangsräumung: Polizisten haben in einer heruntergekommenen Wohnung in der Oskar-Maria-Graf-Straße in Rosenheim eine verwahrloste junge Frau gefunden, die dort möglicherweise über Jahre hinweg eingesperrt war. Dabei handele es sich nach ersten Erkenntnissen um die geistig behinderte 26 Jahre alte Tochter der Wohnungsinhaberin, sagte ein Sprecher der Polizei.

Die Wohnungsbesitzerin habe sich am Dienstagmorgen im Treppenhaus aus dem zweiten Stock in die Tiefe gestürzt, als der Gerichtsvollzieher bei ihr klingelte. Rettungskräfte brachten die 54-Jährige mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus.

„Es ist ein recht tragischer Fall“, sagte der Polizeisprecher. Die Beamten seien eingeschaltet worden und hätten eine „völlig verwahrloste, heruntergekommene Wohnung“ vorgefunden. Die Tür zu einem Zimmer in der Wohnung sei abgeschlossen gewesen, so dass die Beamten sie eintreten mussten. Dahinter entdeckten sie die „ebenso völlig verwahrloste“ 26-Jährige, wie der Sprecher sagte.

Mit der jungen Frau könne man nicht sprechen. Sie sei in eine psychiatrische Fachklinik gebracht worden. Bei den Behörden waren nach Angaben des Sprechers nur die beiden Frauen als Bewohner der Wohnung gemeldet.

"Möglicherweise mehrere Jahre" eingesperrt

Wie lange die 26-Jährige in der Wohnung festgehalten wurde und ob sie ständig in ein und demselben Raum eingesperrt war, konnten zunächst weder Staatsanwaltschaft und Polizei einschätzen. „Möglicherweise mehrere Jahre“, sagte ein Polizeisprecher. Das müsse aber noch genauso geklärt werden wie die Frage, ob sich die 26-Jährige zwischenzeitlich frei in der Wohnung habe bewegen können.

Der Polizeisprecher wollte sich vorerst nicht dazu äußern, ob das Zimmer Tageslicht hatte. Unklar sei die Biografie der Tochter. Ob sie etwa eine Schule besucht habe, lasse sich derzeit nicht sagen. 

Derzeit liefen Befragungen in der Nachbarschaft und im sozialen Umfeld von Mutter und Tochter. "Wir versuchen, die Familienumstände zu ermitteln", sagte der Polizeisprecher. Ob auch der Vater der jungen Frau in der Wohnung gemeldet war, konnte er nicht sagen. Entscheidende Auskünfte könnte die Mutter geben. Wegen der Schwere ihrer Verletzungen sei diese im Moment aber nicht ansprechbar. Der Frau droht der Polizei zufolge die Verfolgung wegen verschiedenster Straftaten, darunter etwa Freiheitsberaubung. Die Ermittlungen dazu liefen nun. Neben der Kriminalpolizei sei auch das Sozialamt eingeschaltet worden.

Es sind nun viele Fragen zu beantworten. Die Befreiung der jungen Frau aus der Gefangenschaft erinnert an den "Fritzl"-Fall in Österreich. Im Video erklärt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, wie es zu dem Polizeieinsatz gekommen ist:

„Wie konnte ich das wissen“, sagt die Nachbarin der 54-Jährigen, die in der Mansardenwohnung nebenan lebt. „Sie wollte sich ja nicht helfen lassen.“ Vor allem nachts habe die Tochter öfter geschrien und gegen die Wände der kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung getreten, „aber keiner hat geöffnet, wenn ich geläutet habe“.

Jetzt, da die möglicherweise jahrelange Freiheitsentziehung der jungen Frau aufgeflogen ist, macht sich die Nachbarin Gedanken, ob sie hätte einschreiten sollen. „Ich wollte schon etwas melden, aber dann habe ich mir gedacht, das Kind hat doch eine Mutter und einen Bruder.“

"Aus der Wohnung Schreie und unartikulierte Laute gehört"

Ein direkter Anwohner schilderte gegenüber rosenheim24.de, dass er nur von Gerüchten wusste, wonach die Frau E. eine behinderte Tochter habe. Seit 2003 wohne er mit seiner Frau im Nachbarhaus, habe aber die Tochter nie zu Gesicht bekommen. Ein anderer Nachbar sagte dem "BR", er habe aus der Wohnung immer mal wieder "Schreie und unartikulierte Laute gehört". Er wisse aber nicht, von dem diese stammten: "Das war ein anderes Haus. Das hat einen zwar selbst interessiert, aber man hat nichts erfahren." "Mein Mann und ich waren immer der Meinung, die Tochter ist im Heim. Wir haben sie nur einmal als kleines Mädchen gesehen", schilderte eine weitere Nachbarin der "Bild". Als Kind habe man sie noch häufiger mit ihrer Mutter beim Spielen auf der Wiese gesehen. 

Was ist mit dem Jungen? Aussagen der Nachbar widersprüchlich

Derzeit gibt es teilweise sich widersprechende Aussagen von Nachbarn, wann die Tochter und auch der Sohn der 54-Jährigen zuletzt gesehen wurden. Die Aussagen gehen jedoch in die Richtung, dass der Junge nie verwahrlost erschien. Ob er aber noch bis zuletzt in dieser Wohnung lebte, ist momentan noch unklar.

Die Polizei steht erst am Anfang ihrer Ermittlungen. Sie will nicht sagen, ob womöglich ein behördliches Versagen vorliegt. Die 26-Jährige wird der Polizei bei der Aufklärung des Falles kaum helfen können, wie Sonntag meint: „Eine Kommunikation mir ihr ist sehr, sehr schwierig.“

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Rosenheim: Verwahrloste Frau befreit 

afp, dpa

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