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Eine Zugbegleiterin musste vor Gericht. Der Vorwurf: Sie soll Männer rassistisch beleidigt haben (Symbolbild).

Vorfall im August 2018

Nach angeblichem Ausruf: Wende im Rassismus-Prozess gegen Zugbegleiterin

Wende im Fall einer 52-jährigen Zugbegleiterin, die eine Gruppe Afrikaner im August 2018 rassistisch beleidigt haben soll: Die Frau kommt ohne Strafe davon.

Rosenheim/Traunstein – Das Landgericht Traunstein hat die Frau, die Anfang Juni vom Amtsgericht Rosenheim zu einer Geldstrafe von 2800 Euro verurteilt worden war, freigesprochen. „Es verblieben ganz erhebliche Zweifel am Tatvorwurf“, stellten die Richter fest. „Ein Tatnachweis war keinesfalls zu führen.“

Der Fall hatte für Aufregung gesorgt: Der Frau wurde vorgeworfen, sieben Afrikaner beleidigt und ihnen den Zutritt zu einem Bus, der als Schienenersatzverkehr diente, verwehrt zu haben. Die Zugbegleiterin habe sie mit den Worten „Raus, raus! Schwarze Tiere nehme ich nicht mit“, am Einsteigen gehindert, so die Männer.

Rassismus-Prozess: Frau weist Vorwurf vehement zurück

Einen Vorwurf, den die 52-Jährige vehement zurückwies. Vier der Männer hätten keine Fahrkarte gehabt, woraufhin sie sie zum Automaten schicken wollte. Das lehnten die Fahrgäste ab, so die Zugbegleiterin. Es sei zu einem Wortgefecht gekommen, in Zuge dessen sie die Männer von der Fahrt ausgeschlossen habe.

Das Rosenheimer Gericht hatte den Afrikanern Glauben geschenkt. Völlig anders schätzte das Schöffengericht in Traunstein die Vorkommnisse ein. Nachdem acht Zeugen – vier Afrikaner, zwei Polizisten, der Busfahrer sowie ein Fahrgast – gehört worden waren, kam das Gericht zu dem Schluss, dass sich die Belastungszeugen „im Verlauf des Verfahrens in wesentlichen Punkten des Geschehens“ widersprochen hätten.

Nach Rassismus-Prozess in Traunstein: Zugbegleiterin erleichtert

„Meine Mandantin ist natürlich sehr erleichtert“, kommentierte der Anwalt der Zugbegleiterin den Freispruch. Derartige Vorwürfe gegenüber Bahnangestellten seien kein Einzelfall, berichtet er. Zur Häufigkeit, wie oft Mitarbeiter mit diesen Anschuldigungen konfrontiert würden, wollte sich die Bayerische Oberland GmbH, Betreiber des Meridians, nicht äußern. Das Unternehmen hatte der Zugbegleiterin den Rücken gestärkt.

M. Weinzierl

Aus Versehen wurde eine Münchnerin (61) zur Schwarzfahrerin. Doch die Geschichte nahm eine unglaubliche Wendung.

Ein Meridian bleibt zwischen Bad Endorf und Rosenheim stehen. Erst nach Stunden können die Fahrgäste in einen anderen Zug umsteigen.

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