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Der ehemalige Polizeichef von Rosenheim, Rudolf M. (r.), steht ab heute vor Gericht.

Tritte und Ohrfeigen gegen Jugendlichen

Teilgeständnis des Ex-Polizeichefs

Rosenheim/Traunstein - Der suspendierte Rosenheimer Polizeichef hat im Prozess um Körperverletzung im Amt vor dem Landgericht Traunstein ein Teilgeständnis abgelegt und das Opfer beschimpft.

Im Blitzlichtgewitter zahlreicher Fotografen und regelrecht verfolgt von Fernsehkameras betritt der Angeklagte Rudolf M. den Schwurgerichtssaal. Die Anspannung ist dem 51-Jährigen deutlich anzusehen. Der vom Dienst suspendierte Rosenheimer Polizeichef muss sich vor dem Landgericht Traunstein wegen Körperverletzung im Amt verantworten. Er soll 2011 auf dem Herbstfest in Rosenheim einen 15-Jährigen zusammengeschlagen haben. 

Staatsanwalt Martin Unterreiner verliest am Montag die Anklage. An jener Stelle, an der es heißt, er habe den Geschädigten mindestens zweimal mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen, schüttelt der Beschuldigte energisch den Kopf.

Sehr eloquent schildert er anschließend seine Karriere bei der bayerischen Polizei: Nach dem Abitur zunächst gehobene Laufbahn, danach höherer Dienst samt Führungsakademie, Dienststellenleiter in München, zuletzt Chef der Rosenheimer Polizei, einer Stadt mit fast 60 000 Einwohnern. Nach dem Vorfall vom 3. September 2011 „bin ich moralisch sehr tief gefallen“, sagte er, nachdem er ansonsten vor Gericht aber einen eher selbstbewussten Eindruck hinterlässt. Neben der Suspendierung wurden nach der Anklageerhebung auch seine Bezüge empfindlich gekürzt, gibt der zur Tatzeit 49-Jährige zu Protokoll - und: er sei in psychiatrischer Behandlung.

Dann, bei der Schilderung des Tatgeschehens, folgt ein Teilgeständnis. Er sei in jener Nacht unter großem Druck gestanden, weil er zuvor einen Einsatz gegen eine Rockergruppe auf dem Herbstfest habe leiten müssen. Von dem Jugendlichen, den er einen „Rotzlöffel“ nennt, habe er sich provoziert gefühlt. „Mir hat an dem Abend vielleicht die nötige Gelassenheit gefehlt“, sagt er aus. Der äußerlich ruhig wirkende Angeklagte übernimmt vor Gericht die Verantwortung für die Verletzungen des 15-Jährigen.

Zu den Ohrfeigen und den Tritten, mit denen er den schmächtigen Burschen nach einer Schlägerei vor einem Fahrgeschäft auf die Wache zerrte, meint er: „Das war nicht richtig, das ist die Verantwortung, die ich trage.“ Auf Nachfrage beschreibt er die Heftigkeit einer der Ohrfeigen so: „Also, es war schon heftig.“ Allerdings bestreitet er vehement, auf dem Revier den Kopf des Burschen an die Wand geschlagen zu haben. Dies sei eher ein Unfall gewesen, nachdem der Bursche beim Versuch ihn auf eine Bank zu setzen, das Gleichgewicht verloren habe.

Fast väterlich ist der Ton, in dem sich der Polizeichef bei seinem Opfer entschuldigt hat. Er spricht den Schüler in dem vom Gericht verlesenen Brief mit „Du“ an und entschuldigt sich für die Verletzungen. Er schreibt aber auch, dass er falsche Anschuldigungen nicht hinnehmen werde. Auf dem zivilrechtlichen Weg klagt die Mutter des Jugendlichen 12 000 Euro Schmerzensgeld für die Verletzungen ein.

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Vom Vorsitzenden Richter Erich Fuchs muss sich der Angeklagte sagen lassen: „Ich kann nicht recht nachvollziehen, dass sich ein Polizeibeamter mit Ihrer Erfahrung so leicht auf die Palme bringen lässt.“

Fast schüchtern und wortkarg schildert das Opfer am Nachmittag das Geschehen aus seiner Sicht. Der Jugendliche kann sich über ein Jahr nach der Tat nicht mehr an alle Details erinnern, glaubt aber noch zu wissen, dass sein Kopf auf jeden Fall dreimal an die Wand klatschte. Er gibt zu, den Polizeichef beleidigt zu haben. „Dann ist er halt voll ausgetickt“, sagt er zur Reaktion des Beamten. Zuvor hatte der Bursche im Bierzelt zwei Maß Bier getrunken. Er hatte 1,21 Promille intus.

Nach der Aussage des mittlerweile 16-Jährigen geht der Polizist zur Zeugenbank und entschuldigt sich bei seinem Opfer. Er drückt dem hageren, blassen Burschen lange die Hand, beide sehen sich tief in die Augen. Dann geht der Beamte zur Anklagebank zurück.

dpa

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