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Der „Rosenmörder“ richtet sich selbst

Rosenheim - Er brachte seine Frau um und bettete sie auf Rosen im gemeinsamen Schlafzimmer: Dem „Rosenmörder von Rosenheim“ wäre im Sommer der Prozess gemacht worden. Jetzt hat er sich im Gefängnis selbst getötet.

Ein paar Tage noch, dann hätte die Staatsanwaltschaft Traunstein Anklage gegen Ralf M., den „Rosenmörder von Rosenheim“, erhoben. Die Akten waren fertig, der Fall geklärt. Doch dazu wird es nicht mehr kommen: Der 55-jährige Entspannungstherapeut, der im vergangenen Herbst ganz Oberbayern in Aufruhr versetzt hatte, hat sich selbst gerichtet. Mit seinem Bettzeug erhängte sich M. in der Einzelzelle in der Justizvollzugsanstalt Traunstein. Im Sommer hätte er sich vor Gericht verantworten müssen: wegen Mordes an seiner Ehefrau.

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Ralf M. und seine Frau Anne führen nach außen hin eine intakte Ehe. Sie arbeitet als Familientherapeutin, er als Entspannungspädagoge, zusammen betreiben die beiden eine „Praxis für ganzheitliches Bewusstsein“. Die Kurse im Angebot sind voll, auf Messen verkaufen die M.s Produkte rund um die Gesundheit. Das Paar geht nett miteinander um, Bekannte sagen: „Das ist die große Liebe.“ Kein Riss in der Fassade. Doch dann, Ende Oktober 2010, dreht Ralf M. durch. Er ertränkt seine Frau, 51 Jahre alt, in der Badewanne der gemeinsamen Wohnung in Rosenheim. Anschließend trägt er den Leichnam ins Schlafzimmer: Dort bahrt er seine Anne auf einem Bett aus Rosen regelrecht auf. Dann verschwindet er spurlos.

Rosen-Mörder auf Parkplatz gefasst

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Die Polizei erfährt von der Tat, als Ralf M. aus Regensburg einen Brief an das Präsidium in Rosenheim schickt. Dort hat er auf seiner Flucht Station gemacht und auch übernachtet. In dem Schreiben weist er auf die Leiche in der Wohnung hin und kündigt seinen Selbstmord an.

Jetzt eröffnet die Polizei die Jagd. Die Sonderkommission schreibt sein Auto zur Fahndung aus, alarmiert die Kollegen in Nachbarländern, die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ soll helfen – das Bild von Ralf M. wird bundesweit gesendet. Mit Erfolg: Am 4. November, einen Tag nach der Ausstrahlung, verhaftet die Polizei den Rosenmörder. Ein Zeuge erkennt das Auto und alarmiert die Beamten. Fast zeitgleich nimmt ein Polizist, der nicht im Dienst ist, den 55-Jährigen an einem Parkplatz am Simssee fest. Die Flucht von Ralf M. endet nur zehn Kilometer von Rosenheim entfernt. Er lässt sich ohne Widerstand festnehmen, später gibt er an, er habe sich im See ertränken wollen. In den Vernehmungen gesteht Ralf M. die Tat. Motiv: Geldprobleme.

Seither saß M. in seiner Einzelzelle in Traunstein. Gutachter stellten bei ihm keine Selbstmordgefährdung fest. Doch in der Nacht von Sonntag auf Montag erhängte sich der 55-Jährige an seinem Zellenfenster. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, hinterließ der Rosenmörder einen Abschiedsbrief. Am Montagnachmittag wurde der Leichnam rechtsmedizinisch untersucht – eine Fremdeinwirkung ist ausgeschlossen.

Carina Lechner

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