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Mit vereinten Kräften: Jost Herrmann, Thomas Lechner, Lisa Hogger und Bernhard Rieger (von links) haben Ehrenamtliche aus ganz Oberbayern zu dem Treffen in München eingeladen. Alle haben dieselben Sor gen.

Gipfel der Flüchtlingshelfer

Rote Karte für Bayerns Asylpolitik

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Bayerns Asylhelfer kämpfen in fast allen Landkreisen mit denselben Problemen. Alle paar Monate kommen sie aus ganz Oberbayern zu einem Asylgipfel zusammen, um sich auszutauschen und zu motivieren. Die Zahl der Teilnehmer wird immer größer – der Redebedarf auch.

München – Jost Herrmann ist kein bisschen überrascht. Gerade hat er das Thema Asylsozialberatung angesprochen. Es dauert nur wenige Sekunden, bis Dutzende Arme mit roten Karten in die Höhe schnellen. Hier, beim oberbayerischen Asylgipfel in Saal des evangelischen Handwerkervereins in München, hat eine rote Karte eine ähnliche Bedeutung wie auf einem Fußballplatz: Wenn sie gezeigt wird, gibt’s Diskussionsbedarf. Und besonders die befürchtete Kürzung der Beratungsstellen bereitet den Asylhelfern in fast allen Landkreisen Sorgen. Im Kreis Weilheim-Schongau sollen 2,5 der sieben Beraterstellen wegfallen, berichtet der Asylkoordinator Jost Herrmann. „In anderen Landkreisen wird die Stellenanzahl sogar halbiert.“

Hintergrund ist die neue Beratungs- und Integrationsrichtlinie, die Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Sie sieht eine Zusammenführung von Asyl- und Migrationsberatung vor. Für Flüchtlinge hat das den Vorteil, dass sie den Betreuer nicht wechseln müssen, wenn sie anerkannt sind. Allerdings gibt es künftig auch keinen festen Stellenschlüssel mehr. Das Sozialministerium hatte zwar für 2018 einen Bestandsschutz der Stellen angekündigt. Doch viele Asylhelfer berichten bereits von geplanten Stellenstreichungen ab kommendem Jahr. „Das können und werden wir nicht auffangen“, sagt Jost Herrmann mit Nachdruck. Damit spricht er vielen anderen Ehrenamtlichen aus tiefster Seele.

Es ist das fünfte Mal, dass Asylhelfer aus ganz Oberbayern, teilweise aber auch aus Niederbayern und Schwaben, zusammengekommen sind. „Wir wollen mit diesen Treffen unsere Kräfte bündeln“, sagt Herrmann, der die Asylgipfel gemeinsam mit Lisa Hogger und Bernhard Rieger organisiert. Niederbayern und die Oberpfalz haben die oberbayerische Idee bereits übernommen, Schwaben plant ähnliche Treffen. „Asylgipfel gibt es bisher aber nur in Bayern“, sagt Herrmann. Eine Erklärung hat er dafür auch: „Bei uns ist der Druck am größten.“ Nicht nur wegen der befürchteten Kürzung der Beratungsstellen. Auch die rückwirkend erhobenen Unterkunftsgebühren für Flüchtlinge und die strenger als in anderen Bundesländern gehandhabten Arbeitsgenehmigungen bedeuten nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für die Asylhelfer viele Probleme – seit Monaten. Dazu kommen neue Sorgen. Zum Beispiel die Einigung von Union und SPD auf Transitzentren, in denen Flüchtlinge künftig von der Einreise bis zur Asyl-Entscheidung bleiben sollen. Söders Idee zu einem bayerischen Landesamt für Asyl und Abschiebung hingegen wollen sie erst einmal unkommentiert lassen. Bisher sei schließlich noch nichts Konkretes bekannt. Jost Herrmann betont: „Wir sind keine Opposition zur Politik – wir sind nicht pauschal gegen alles.“ Doch die weiterhin dezentrale Unterbringung der Asylbewerber ist eine der großen Forderungen, die sie bei ihrem Gipfel am Wochenende formulierten.

Helfer wünschen sich mehr Unterstützung von den Kirchen

„Die Themen wollen wir bewusst nicht vorgeben“, betont Herrmann. Alle Teilnehmer konnten mit roten oder grünen Karten signalisieren, ob ein angesprochenes Thema bei ihnen im Landkreis ein Problem ist. 97 Helferkreise haben dafür Vertreter nach München geschickt. Erstmals waren an diesem Wochenende auch alle anderen überregionalen Flüchtlingsinitiativen aus Oberbayern dabei: der Verein „Matteo – Kirche und Asyl“, der Bundesverband der deutschen Flüchtlingshilfe Veto, der Flüchtlingsrat, die Initiative „Gemeinsam für Demokratie und Menschenrechte“ sowie Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche. „Unsere Arbeitsweisen sind sehr unterschiedlich, unsere Ziele sind dieselben“, sagt Herrmann. Besonders die Kirchenvertreter hätten sehr deutlich signalisiert bekommen, dass die Helfer sich von der Kirche häufig mehr Unterstützung wünschen würden.

Dieses Mal haben die Ehrenamtlichen keinen Appell an die Politik formuliert. „Es ging uns in erster Linie darum, uns gegenseitig zu motivieren und zu unterstützen.“ Beruhigt hat Organisator Jost Herrmann vor allem eines: Obwohl viele Helferkreise in den vergangenen Monaten geschrumpft sind, ist die Zahl der Gipfel-Teilnehmer deutlich gestiegen. Er spielt bereits mit Überlegungen, die großen Wohlfahrtsverbände ins Boot zu holen, um einen bayernweiten Austausch möglich zu machen. Denn nach diesem Wochenende steht für ihn eines ganz sicher fest: „Der Redebedarf ist groß.“

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