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Leonhard Stärk BRK-Geschäftsführer

Interview

Rotes Kreuz kontert mit eigener Sparliste

München - Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ist mit seinen 73 Kreisverbänden tief verwurzelt in den Kommunen des Freistaats. Wir sprachen mit Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk über den drohenden Finanzkollaps.

Herr Stärk, täglich die Meldungen über Sparpakete, Milliarden-Ausgaben. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die Zeitung aufschlagen?

Ich bin gespannt, wie konkret die Einsparungen werden. Bis jetzt sind wir Hilfsorganisationen verschont geblieben, auch in der Wirtschaftskrise. Aber wir sind abhängig von den öffentlichen Kassen. Ich befürchte Einschnitte für uns.

Wie hängt Ihre Arbeit von den Kommunen ab?

Wir werden von den Kommunen großzügig unterstützt bei der Erfüllung von Daseinsvorsorge-Aufgaben: Wasser-und Bergwacht, Sanitätsdienst, Katastrophenschutz. Die Kommunen geben Kleinbeträge wie 1000 Euro für die Wasserwachthütte oder Großbeträge beispielsweise für Fahrzeuge, je nach Bedarf. Wir befürchten, wenn die Kommunen Druck haben, sparen sie daran zuerst.

Ein konkretes Beispiel?

In meinem Heimatkreis Miesbach haben uns Gemeinden beim Kauf eines Fahrzeugs für die Schnelleinsatzgrupppe mit einem Euro pro Bürger unterstützt. Wir haben dort durch die Nähe zur Autobahn öfter mal einen großen Einsatz, wo der hauptamtliche Rettungsdienst, der von den Kassen bezahlt wird, nicht ausreicht. Da müssen 20, 30 Mann - ehrenamtlich - ausrücken. Das Geld kommt aus dem Gemeindehaushalt, wenn das irgendwann nicht mehr geht, werden wir unsere Aufgaben so nicht mehr erfüllen können.

Werden die Ehrenamtler in der Geldnot zum Lückenfüller?

Wenn das so ist, wird die Motivation leiden. Wir fordern deshalb zumindest, dass unsere Helfer den Feuerwehrmännern gleichgestellt werden und der Arbeitgeber den Dienst-Ausfall bezahlt bekommt. Bislang versagt uns die Politik das vehement.

Abgesehen von Zuschüssen: Ist das BRK auch indirekt von den Sparmaßnahmen der Kommunen betroffen?

Ja. Nur ein Beispiel: Unsere Wasserwacht warnt vor der Schließung der Hallenbäder. Immer mehr Kinder können nicht schwimmen, es gibt mehr Unfälle an Seen. Ohne Bäder fällt der Schulschwimmsport aus. Die Fahrt in die Nachbargemeinde für eine Schulstunde ist zu zeit- und kostenaufwändig. Da wird an der falschen Stelle gespart.

Die kommunalen Spitzenverbände haben in Horst Seehofers Auftrag eine Sparliste erstellt - der soziale Bereich ist stark betroffen, die Reaktionen waren heftig. Traut sich die Politik, den Rotstift anzusetzen?

Die Politik wird sich das trauen müssen. Wir sagen nicht: Es darf nicht gespart werden. Aber wir sind enttäuscht darüber, dass wir aus Ihrer Zeitung erfahren mussten, dass Seehofer die Verbände zu dieser Liste aufgefordert hat. Der soll uns auch auffordern! Wir arbeiten gerade an einer eigenen Liste, wo wir Einsparungen für richtiger halten.

Wo denn?

Wo es den Menschen nicht trifft. Es ist Unsinn, dass die Heimaufsicht und der Medizinische Dienst der Krankenkassen unsere Einrichtung an ein- und demselben Tag besuchen - und unser Personal doppelt so lang als nötig von der Arbeit abhalten.

Das Interview führte Carina Lechner.

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