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Ein prächtiger Rothirsch röhrt.

Der Rothirsch – Freund oder Feind?

München - Der Bayerische Jagdverband fordert mehr Freiheit für das Rotwild. Dagegen dürften jedoch einige Bauern und Waldbesitzer protestieren. Warum der Rothirsch zum Zankapfel wird:

Abends, wenn Jägerpräsident Jürgen Vocke, daheim in Ebersberg vor dem Fernseher sitzt, ärgert er sich fast täglich – über Sendungen, die „tränendrüsig“ von bedrohten Nashörnern oder Affenarten in Afrika berichten. Nicht, dass diese Tiere nicht schützenswert seien. Doch was ist mit dem heimischen Rotwild, dem größten freilebenden Wildtier in unseren Breiten? Vocke stört, dass der Rothirsch in Bayern „als Waldschädling verunglimpft und in eine Handvoll Reservate eingesperrt wird“. Der Bayerische Jagdverband (BJV) fordert deshalb zusammen mit der Deutschen Wildtier Stiftung: „Freiheit für den Rothirsch!“

Ab nächster Woche werden entsprechende Motive an S-Bahnhöfen plakatiert. Das Thema wird zudem am heutigen Donnerstag und am Freitag beim fünften Rotwildsymposium erörtert, das erstmals im Freistaat stattfindet und ein politisches Signal sein soll. „Hier in Bayern wird besonders restriktive Politik gegen das Rotwild gemacht“, sagte Haymo G. Rethwisch, Chef der Wildtier Stiftung. Tatsächlich schreibt das Bayerische Jagdgesetz im § 17 vor, dass Reviere „rotwildfrei zu machen und zu halten“ sind.

Ausnahme sind die Rotwildgebiete. Diese wurden in den 60er Jahren festgelegt und im Jahr 2000 neu abgegrenzt – unter Beteiligung des Jagdverbands. Die Reservate erstrecken sich auf etwa 14 Prozent der Landesfläche: im Spessart, Bayerischen Wald und vor allem entlang der bayerischen Alpen. Dort ist Rotwild geschützt – anderswo muss es von den Jägern ganzjährig geschossen werden. Dahinter steckt der Grundsatz „Wald vor Wild“: Durch den Abschuss soll der Schaden an Bäumen möglichst gering gehalten werden.

Die schrägsten Tiere der Welt

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Die Wildtier Stiftung fordert im Schulterschluss mit dem BJV die Auflösung der Reservate: „Der Rothirsch muss sich seinen Lebensraum selbst suchen dürfen“, sagt Rethwisch. Hat das Rotwild keine Gelegenheit, sich gefahrlos auf freien Flächen zu bewegen, bleibt er im Wald – obwohl er dort von Natur aus nicht heimisch ist. Zudem könne der Hirsch mit mitunter prächtigem Geweih im verbuschten Dickicht nicht artgerecht leben. Denkbar wäre eine intensive Bejagung an einzelnen Tagen im Jahr. Den Rest der Zeit hätte das Rotwild seine Ruhe.

Michael Lechner kennt die Argumentation des Jagdverbandes auswendig. Immer wieder sei diese „nostalgische Argumentation“ zu hören. Er sagt: „So schön es für manches Jägerherz ist, viele stattliche Zwölfender im Wald zu haben – das geht zu Lasten des Baumbestandes und des Eigentums der Besitzer!“ Der Miesbacher Landwirt ist Vize-Vorsitzender des Ökologischen Jagdverbands und spricht öfter mit älteren Bauern in der Region. Die können sich noch gut an die Zeiten erinnern, als das Rotwild geschont wurde und „verheerende Schäden“ anrichtete. „Die mussten die Hirschen von ihren Weiden verscheuchen, weil die das ganze Gras gefressen haben“, sagt Lechner.

Von den Schälschäden an den Bäumen ganz zu schweigen. „Denen wird es zweierlei, wenn sie hören, dass die Jagd eingeschränkt werden soll.“ Der Miesbacher sagt: „Rotwild gehört zum Wald – aber in verträglicher Dichte und in begrenztem Raum.“ Die meisten Jäger würden ohnehin verantwortungsbewusst handeln, nicht ganzjährig schießen und dem Tier genügend Ruhezeit lassen.

Das Plädoyer für den Rothirsch könnte zwischen Jagdverband, Forstwirten und Bauern also noch zu der einen oder anderen Debatte führen. Jägerpräsident Vocke weiß: Ohne die Beteiligung von Grundbesitzern und Landwirten tut er sich schwer mit der Umsetzung seiner Pläne. Vom Aussterben ist das Rotwild in Bayern übrigens nicht bedroht. Jedes Jahr werden mehr als 10 000 Stück erlegt. Die Population ist stabil.

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