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Rotwild droht der Abschuss in Bayern.

Tuberkulose-Gefahr

Rotwild droht Massen-Abschuss

Reutte/München - Im Oberen Lechtal bei Reutte (Tirol) soll der Rotwildbestand drastisch um die Hälfte reduziert werden. Das Rotwild, so befürchten Experten, könne Tuberkulose verbreiten und Rinder damit anstecken. Auch das Gesundheitsministerium in Bayern ist alarmiert.

Die Rinder-Tuberkulose hat in den vergangenen Monaten rund um Reutte grassiert. Mehr als 100 Kühe mussten geschlachtet werden, 75 landwirtschaftliche Betriebe waren monatelang gesperrt – mit erheblichen finanziellen Folgen. Untersuchungen durch das Land Tirol haben ergeben, dass von 133 Stück Rotwild neun mit TBC infiziert waren. Hirsche und Hirschkühe stehen also im Verdacht, die Krankheit zu verbreiten und auf Rinder zu übertragen, weshalb Tirol nun drastisch reagiert: Die Hälfte des Rotwildbestands von rund 1100 Tieren im Oberen Lechtal rund um Reutte soll abgeschossen werden, sagt Landesrat Anton Steixner. „Auch wenn es hier zu Ertragsverlusten bei der Jagd kommt, ist das Wohl der Rinder in diesem Gebiet wichtiger“, sagte er dem österreichischen Fernsehsender ORF. Zudem wird geprüft, ob auch Gemsen, Steinböcke, Rehe, Füchse, Dachse und andere Tiere Tuberkulose auf Rinder übertragen können.

Weil Hirsche an Grenzen nicht Halt machen, sollen auch andere Gebiete miteinbezogen werden – unter anderem Bayern. Während Landesjagdverband und Bayerische Staatsforsten, die mit ihren Betrieben in Oberammergau und Sonthofen direkt an den Bereich Reutte anschließen, noch nichts von dem Problem gehört haben, ist das Gesundheitsministerium bereits tätig geworden. „Auch bei uns sollen Proben vom Rotwild genommen und ans Landesamt für Gesundheit geschickt werden“, sagt Sprecherin Nina Lacher. Es gehe aber nur um Tiere, die ohnehin geschossen werden – von einer drastischen Aktion wie in Tirol sei man weit entfernt. Obwohl das TBC-Problem nicht fremd ist: „Im Allgäu haben wir seit Herbst 2007 mehr als 200 000 Rinder per Hauttest untersucht, in acht Betrieben gab es positive Fälle“, so Lacher.

Dennoch besteht im Vergleich zu Tirol ein erheblicher Unterschied, erklärt Jagdverbands-Sprecher Thomas Schreder: „Die haben dort viel höhere Wildbestände, bei uns gibt es eine viel niedrigere Population.“ Vor allem das betroffene Obere Lechtal ist bekannt für seinen Reichtum an Rotwild mit prächtigen Hirschen.

Das hat auch prominente Jäger angelockt: Unter anderem Daniel Vasella, Chef des Pharma-Konzerns Novartis, oder Haribo-Erbe Hans-Guido Riegel haben dort laut ORF Reviere gepachtet. Aus diesem Grund werden harte Verhandlungen über den Massen-Abschuss erwartet.

Wie verschieden die Jagdbestände in Bayern und Tirol sind, zeigt auch ein Bericht des Tiroler Landesjägermeisters Karl Berktold in der Zeitung „Jagd in Tirol“. Dort schreibt er über einen Besuch in Miesbach im März und spricht in diesem Zusammenhang von einer „einzigen jagdlichen Katastrophe“ in Bayern. Es gebe eine „Beinahe-Ausrottung“ in den Hochwildrevieren, das sei jagdethisch höchst bedenklich. „Das ist ein absolut unvertretbares Wald-Wild-Verhältnis“, schreibt Berktold.

Boris Forstner

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