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RSV-Krise: Holetscheck spricht von „absoluter Ausnahmesituation“ und richtet Hilferuf an ehemalige Pfleger

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Von: Felix Herz

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Die RSV-Welle in Bayern stellt eine enorme Belastung für die Kinderkliniken dar – es mangelt vor allem an Pflegepersonal. Nun gab es eine Krisensitzung.

München – Es sind dramatische Worte, die Experten und Politiker im Rahmen der aktuell in Bayern grassierenden RSV-Welle wählen. Von einer „absoluten Ausnahmesituation“ sprach zum Beispiel Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Donnerstag, 1. Dezember, als er sich zu einer virtuellen Krisensitzung mit Expertinnen und Experten der Kinder- und Jugendmedizin traf. Und sich für teils weitreichende Maßnahmen aussprach.

RSV-Welle in Bayern: „enorme Belastungssituation“ in Kinderkliniken

Bayern befindet sich in einer äußerst brenzligen Lage. Fakt ist: Derzeit stecken sich viele Kleinkinder mit dem RS-Virus an (Respiratorische Synzytial-Virus) – die Folge ist eine besonders für die Kleinsten gefährliche Atemwegserkrankung, die künstliche Beatmung (und damit Intensivbetten) erforderlich machen kann. Auch klar ist, dass es an Intensivbetten fehlt – weil es am Personal mangelt, dass diese betreiben kann. Ein deutschlandweites Problem.

Die RSV-Welle ist inzwischen eine ernsthafte Krise in Bayern – Gesundheitsminister Holetschek befürwortete nun weitreichende Maßnahmen. (Symbolbild)
Die RSV-Welle ist inzwischen eine ernsthafte Krise in Bayern – Gesundheitsminister Holetschek befürwortete nun weitreichende Maßnahmen. (Symbolbild) © ITAR-TASS / Sammy Minkoff / IMAGO / Merkur-Collage

Nicht ganz einig ist man sich jedoch, woran Letzteres liegt. Im Gespräch mit Merkur.de erklärte DIVI-Sprecherin Nina Meckel (DIVI = Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin), dass das Pflegepersonal in Bayern vor allem in Folge der anhaltenden Überbelastung und den schlechten Arbeitsbedingungen abgewandert sei. Für Holetschek ist dies einer von vielen Gründen, er zählt unter anderem krankheits- und coronabedingte Ausfälle als weitere Ursache auf.

Im Landtag äußerte die Opposition daher teils scharfe Kritik an der Gesundheitspolitik. Die derzeitige Notsituation treffe auf „strukturelle Defizite, die schon länger bestehen“, sagte die Abgeordnete Ruth Waldmann (SPD). Holetschek wies dies zurück. Die Kapazitäten in vielen Kliniken ist dennoch erschöpft – und die RSV-Welle könnte Experten zufolge noch mehrere Wochen andauern.

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Holetschek über RSV-Maßnahmen – Personaluntergrenze aufweichen

Diskutiert wurde am Donnerstag nun darüber, was man tun könnte, um die Lage in den Griff zu bekommen. „Alle Beteiligten müssen rasch gegen die aktuellen Behandlungsengpässe vorgehen“, mahnte Holetschek. Teilweise könnte es sinnvoll sein, auf Pflegepersonal von Erwachsenenstationen zurückzugreifen, so der 58-Jährige. Und: „Angesichts der aktuellen Umstände müssen die Kliniken auch befristet von der Pflegepersonaluntergrenze abweichen.“ Eine umstrittene Maßnahme, würde sie doch bedeuten, dass die aktuell noch vorhanden Pflegekräfte höher belastet werden.

Doch damit nicht genug. Holetschek weiter: „Denkbare Maßnahmen sind darüber hinaus die Unterbringung der Kinder auch über Nacht in der Tagesklinik.“ Auch gelte es, kritisch zu prüfen, was sofort gemacht werden müsse – und welche Eingriffe nach hinten verschoben werden könnten.

Holetschek mit Appell an ehemalige Pflegekräfte – und einem Versprechen

Am Ende setzte Holetschek noch zu einem Appell an – gerichtet an Pflegekräfte, die aktuell nicht mehr in diesem Berufsfeld tätig sind. „Unterstützen Sie uns! Die aktuelle RSV-Welle trifft die beruflich Pflegenden mit voller Wucht – das gilt insbesondere für Kinderpflegerinnen und -pfleger! Jede weitere helfende Hand zählt“, so der Gesundheitsminister.

Auch auf Twitter äußerte sich Holetschek. „Wir entwickeln einen Masterplan für die Kinder- und Jugendmedizin in Bayern“, schrieb er in einem Tweet. Am Abend berichtete er auf Twitter noch von der Videokonferenz – und kündigte an: „Jedes Kind in Bayern wird behandelt.“

Brenzlige Lage in Bayern: Es fehlt an Betten, Monitoren und Geräten

Unbestritten bleibt dennoch, dass die Lage höchst brenzlig ist. „Wir sind an der Belastungsgrenze“, sagte Matthias Keller, Leiter der Kinderklinik Dritter Orden in Passau und Vorsitzender der süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. 

Die Zimmer seien teils doppelt belegt, es würde an Monitoren und Geräten zur Atemunterstützung fehlen. „Manche Patientenzimmer sind wie Bettenlager, da muss man wirklich über die Betten krabbeln, um zum kranken Kind zu kommen, weil sich Elternbett an Patientenbett reiht“, so Keller. Bleibt zu hoffen, dass die eingeleiteten Maßnahmen schnell Wirkung zeigen. (fhz)

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