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AKW Obrigheim: Im Rückbau seit Ende 2007

Rückbau von Atom-Reaktoren: So viel kostet's, so lang dauert's

Landshut – Am 13. Januar 1977 kam es zum Störfall. Kurzschlüsse wurden dem Block A des Kernkraftwerks Gundremmingen zum Verhängnis: Totalschaden.

Das AKW musste stillgelegt werden. Bis dahin war Block A gerade einmal 18 Tage unter Volllast gelaufen. Der Rückbau wurde auf 22 Jahre veranschlagt. 232 Millionen Mark hatte das Kraftwerk gekostet. Die geschätzten Kosten für den Abriss: 280 Millionen.

Der Rückbau von Kernkraftwerken dauert Jahrzehnte und ist extrem teuer. Die Betreiber sind per Gesetz verpflichtet, entsprechende Summen zurückzulegen. 500 Millionen Euro sind beispielsweise für das 2005 vom Netz genommene Kraftwerk Obrigheim in Baden-Württemberg vorgesehen. Der Rückbau von Isar 1 könnte sogar noch teuer werden. Kraftwerkssprecher Johann Seidl schätzt, der Abriss könne bis zu zehn Jahre dauern.

Ein kompletter Rückbau bis zur grünen Wiese ist in Deutschland bisher nur drei Mal gelungen – und immer in Bayern: Das Versuchs-AKW Großwelzheim, die Test-Anlage in Kahl (beide Kreis Aschaffenburg) und das Kraftwerk Niederaichbach in direkter Nachbarschaft zu Isar 1 und 2. Bei einem Abriss gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder man macht sich so schnell wie möglich an die Arbeit – wobei zehn Jahre hier durchaus zügig sind. Oder man lässt das Kraftwerk Jahre, wenn nicht Jahrzehnte ruhen, damit sich die Strahlung abbaut.

„Je schneller ich abreiße, desto größer ist die Strahlenbelastung für die Mitarbeiter“, warnt Atom-Gegner Raimund Kamm. Rohre, Platten und Bauelemente werden mit Hochdruckreinigern behandelt, da sich das kontaminierte Material meist an der Oberfläche befindet und abgelöst werden kann. „Dafür werden oft Zeitarbeiter eingesetzt“, behauptet Kamm. Es gebe zwar technische Möglichkeiten, sich zu schützen, doch „wer abbaut, bekommt Strahlung ab“. Immerhin gebe es auch ferngesteuerte Roboter, mit denen man stark strahlendes Material abbauen könne.

Die Brennelemente werden zunächst in ein Becken abgelassen und Jahre später unter Wasser in einen Castor verbracht und zwischengelagert. Ein Endlager ist bekanntlich noch immer nicht gefunden. Auch in Obrigheim sind zehn Jahre für den Rückbau vorgesehen. Die Demontage begann hier Ende 2007 mit den nicht-nuklearen Teilen des Reaktors. Man rechnet am Ende mit 2300 Tonnen radioaktiven Abfall.

Die Abschaltung eines Kernkraftwerks ist nicht annähernd mit der Schließung einer Fabrik vergleichbar. Zumindest für die Angestellten – bei Isar 1 und 2 sind es rund 700 – ist das eine gute Nachricht. Sie werden auch in Zukunft gebraucht. Ein großer Teil der Belegschaft wird für die Demontage benötigt, so Kraftwerkssprecher Seidl. Die Arbeitsplätze sind wohl sicher, bis Gras über alles gewachsen ist.

Thomas Schmidt

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