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Rasse nach 109 Jahren zurück in Bayern

Die Rückkehr der Alpenschweine

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Ramsau – Früher gehörten sie zu jedem Bergbauernhof, lebten sommers wie winters draußen. Doch dann gab es die schwarzen Alpenschweine nicht mehr bei uns – 109 Jahre lang. Jetzt sorgt ein Gastronom aus dem Berchtesgadener Land dafür, dass das genügsame Alpenschwein zurückkommt.

Sie sind eine Sensation mit Borsten: Nach 109 Jahren sind vor wenigen Tagen in Ramsau im Berchtesgadener Land erstmals wieder schwarze Alpenschweine geboren worden. Zwei Sauen der alten Nutztierrasse brachten elf Ferkel zur Welt. Das sich nun Züchter und Wissenschaftler für das quiekende Borstenvieh interessiert, ist den Ferkeln egal. Sie leben im Paradies und haben vor ihrem Stall eine große Wiese mit prächtigem Bergpanorama.

Früher gab es sie hier auf vielen Bergweiden. Die robusten schwarzen Schweine fraßen Kräuter und Gräser, blieben bei Wind und Wetter draußen und lieferten schmackhaftes Fleisch. Doch dann liefen die schnellwachsenden Mastrassen ihnen den Rang ab. Für die schwarzen Alpenschweine bedeutete die moderne Schweinemast beinahe das Aus. Ihre Population wurde winzig und gäbe es nicht Menschen, die sie erhalten wollen, wären sie akut vom Aussterben bedroht.

Einer von diesen Schweine-Rettern ist der Ramsauer Hotelier Hannes Lichtmannegger vom Berghotel Rehlegg. Auch wenn bei ihm einige dieser seltenen schwarzen Nutzschweine auf dem Teller landen sollen. „Unseren Gästen ist es sehr wichtig, dass wir nur Fleisch servieren, das aus dem Umland und von Tieren stammt, die nicht gequält wurden“, sagt Lichtmanegger. Dies ist schon seit Jahrzehnten sein Grundsatz – doch bei den Schweinen sei es nicht einfach gewesen, den guten Vorsatz tatsächlich umzusetzen. Ganz einfach darum, weil die Haltungsbedingungen bei Mastschweinen nicht Lichtmaneggers Vorstellungen entsprechen. Doch können rosafarbene Mastschweine nicht einfach sommers und winters auf Bergweiden gehalten werden, dazu sind sie nicht robust genug. Auch haben sie kaum Hautpigmente, vertragen also nicht viel Sonne, wohingegen die schwarzen Schweine durch ihr dunkles Borstenkleid geschützt sind.

Dann aber fand Lichtmanegger die schwarzen Alpenschweine – genauer gesagt entdeckte einen Spezialist für den Erhalt alter Nutztierrassen einen Restbestand von 30 Tieren im abgelegenen Ultental in Südtirol. Ein Jahr lang musste Gastronom Lichtmanegger darauf warten, um vier Sauen und zwei Eber von der italienischen Organisation „Pro Patronomio Montano“ zu bekommen. Die Organisation setzt sich für den Erhalt der genetischen Vielfalt in den Alpen ein – ein wichtiges Anliegen, schließlich sind hier mehr als hundert alte Rassen bedroht, weil sie von modernen Züchtungen verdrängt wurden.

Die Organisation hat auch die Ferkel bereits begutachtet, denn mindestens vier von ihnen werden weiter für die Zucht verwendet. Von den übrigen Schweinen will Hotelier Lichtmanegger in 15 Monaten einige schlachten. „Es sind Nutztiere, ihre Art wird nur erhalten bleiben, wenn sie auch sinnvoll genutzt und nachgefragt werden“, sagt Lichtmanegger. Er freut sich schon auf das Fleisch. Es ist langsamer gewachsen und deshalb geschmackvoller als das von Mastschweinen, die in nur zwölf Monaten zur Schlachtreife gemästet werden. „Unsere Schweine dürfen sich jetzt eineinhalb Jahre auf den Weiden austoben – ganz ohne Stress“, sagt Lichtmanegger.

Die Wiesen in Ramsau gehörten dem Bauern Franz Kuchlbauer. Der hat mit dem Hotelier einen Vertrag abgeschlossen, nachdem er für die artgerechte Haltung Geld bekommt – unabhängig davon, wie hoch das Schlachtgewicht letztlich wird. Auch ein Landwirt in Tittmoning (Kreis Traunstein) zieht für Lichtmanegger schwarze Alpenschweine groß.

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