Erinnern Sie sich noch? Die letzten ET 420 verschwanden 2004 aus München. Nun sollen einige Exemplare – rot lackiert und modernisiert – zurückkehren. Fotos: Kurzendörfer/Schlaf

Interview

Die Rückkehr der alten S-Bahnen

München - S1, S2 oder S4? BEG-Geschäftsführer Fritz Czeschka erklärt im Interview mit dem Münchner Merkur die Einsatzmöglichkeiten in München:

Fachleute der Deutschen Bahn haben sie schon im Werk Stuttgart-Plochingen unter die Lupe genommen – und das Signal auf grün gestellt. Aus fachlicher Sicht steht der Rückkehr der alten S-Bahnen des Typs ET 420 nichts im Wege. Die Züge sind mittlerweile nicht mehr orange-perlmutt, sondern rot lackiert. Sie sollen das bestehende Münchner S-Bahn-System entlasten. An welchen Stellen das sein könnte, erläutert Fritz Czeschka, Geschäftsführer der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Nah- und Regionalverkehr in Bayern finanziert.

Kommen denn nun die alten S-Bahnen des Typs ET 420 zurück nach München?

Fritz Czeschka

Es gibt noch keine Unterschriften, aber es ist sehr wahrscheinlich. Denn es gibt keine Alternative. Das S-Bahn-System in München benötigt weitere Züge. Doch der reguläre Zug des Typs ET 423, von denen die S-Bahn genau 238 Stück besitzt, wird bekanntlich nicht mehr hergestellt. Der neue Triebzug ET 430, der jetzt immer wieder auch für München ins Gespräch gebracht wird, ist neu, schön und übrigens auch teuer. Aber auch diese Fahrzeuge sind nicht mit dem ET 423 kuppelbar und können so ohne Weiteres nicht durch die Stammstrecke fahren. So bleibt im Sinne der Fahrgäste für eine kurzfristige Flottenerweiterung nur der ET 420.

Wie viele Züge könnten es werden?

Das steht noch nicht fest. Für die Erweiterung der Linie A benötigen wir zwei ET 420, die zwischen Dachau und Altomünster pendeln sollen. Sie bis zum Hauptbahnhof weiterfahren zu lassen, und den Fahrgästen also das Umsteigen zu ersparen, ist leider definitiv nicht machbar. Wir benötigen diese ET 420 erst Ende 2014, wenn der Ausbau der Strecke und die Elektrifizierung abgeschlossen ist. Dies betrifft aber nur die Verstärkerzüge in der Hauptverkehrszeit. Klar ist, dass die Fahrgäste der Linie A mit stündlichen umsteigefreien Verbindungen in die Münchner City fahren können.

Wo könnten weitere ET 420 eingesetzt werden?

Zum Beispiel auf der Strecke der S4 West. Dort könnten sie die bisher mit ET 423 bestückte Verstärkerzüge ersetzen.

Die Begehrlichkeiten, diese frei werdenden Züge gleich wieder zu verwenden, sind groß. Zum Beispiel im Raum Fürstenfeldbruck.

Natürlich: Die Grundidee eines ET 420-Einsatzes ist es ja auch, dadurch ET 423-Züge frei zu bekommen, die wir dann woanders einsetzen könnten. Aber wir reagieren nicht auf Begehrlichkeiten, sondern auf das technisch Machbare und auf objektive Kriterien wie etwa Fahrgastzahlen. Und da muss man feststellen: Die S4-Strecke ist heute zu den Hauptverkehrszeiten überlastet. Trotzdem werden wir selbstverständlich genau prüfen, ob weitere Verstärkungen auf der S4-Strecke möglich sind.

Nun hat der Landkreis Fürstenfeldbruck ein sogenanntes Sprinter-Gutachten in Auftrag gegeben – um zu prüfen, ob es möglich ist, Sprinter-Züge zwischen Fürstenfeldbruck und München mit nur wenigen Zwischenhalten einzusetzen. Ihre Meinung?

Wir werden das Gutachten prüfen, DB Netz ebenso. Das Ergebnis kann ich nicht vorwegnehmen. Das Gutachten hält ja selbst fest, dass die Strecke zwischen halb 7 und 8 Uhr voll ausgelastet ist und zu dieser Zeit Voraussetzung für den Einsatz der Sprinter-Züge der Ausfall der bereits heute gut besetzten Verstärkerzüge ist. Da bringt der Sprinter den Fahrgästen gar nichts. Zudem wäre für die Sprinter-Züge der Bau einer Bahnsteig-Erhöhung in Fürstenfeldbruck notwendig. Das kostet Geld und ist nicht schnell zu realisieren.

Wo könnte man denn die frei werdenden ET 423 zum Beispiel noch einsetzen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die wir noch genau durchrechnen müssen. Ein Beispiel wäre das Problem der Wendezeiten am Flughafen. Es kommt vor, dass die S1 verspätet am Flughafen ankommt, aber für eine sofortige Wende eingeplant ist und also mit dieser Verspätung wieder zurück Richtung Innenstadt geschickt wird. Da wäre ein S-Bahn-Zug, deponiert am Flughafen als Reserve, sicherlich hilfreich. Aber wir müssen das noch durchrechnen und uns auch fragen, wie oft diese Verspätungsfälle vorkommen und ob das den Einsatz eines zusätzlichen Zuges rechtfertigt. Ich möchte und darf hier momentan nichts versprechen. Ein anderes Beispiel ist die Verstärkung der S2 Richtung Erding. Hier wäre der Einsatz weiterer ET 423 denkbar, etwa um einen Voll- zu einen Langzug zu machen. Aber auch hier gilt: das ist alles „work in progress“ – wir stecken mitten in den Prüfungen. Viel wird auch davon abhängen, ob die DB uns für die ET 420 ein günstiges Preisangebot macht. Solange das nicht vorliegt, können wir leider noch keine konkreten Aussagen machen, wie viele und welche Verbesserungen wir uns leisten können.

Das Gespräch führte Dirk Walter

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