Ausstellung erinnert an Alltagsgegenstände

Die Rückkehr der verschwundenen Dinge

Oberschönenfeld – Windelhose, Schildkrötensuppe, Kaffeewärmer: Wo sind die Dinge nur hin, die früher jeder kannte? Das schwäbische Volkskundemuseum erinnert in einer Ausstellung an Gegenstände, die im vergangenen Jahrhundert unbemerkt verschwunden sind.

Das HB-Männchen war einmal. Heute taucht die Zeichentrickfigur nicht mehr im Fernsehen auf. Sie ist verschwunden – genauso wie die Schildkrötensuppe, der Hüftgürtel oder der Kaffeewärmer. Damit HB-Männchen und Co. nicht in Vergessenheit geraten, hat das Volkskundemuseum im schwäbischen Oberschönenfeld eine Ausstellung organisiert. „Vom Ärmelschoner bis zum Zigarettenbilderalbum“ heißt sie – und zeigt, die Dinge, an die sich junge Menschen kaum noch erinnern können. Warum es einige Alltagsgegenstände nicht in die Gegenwart geschafft haben, erklärt Dorothee Pesch, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums.

Frau Pesch, warum verschwinden Dinge aus unserem Alltag?

Zum einen, weil sie durch den technischen Fortschritt überflüssig werden. So ging es etwa dem Addiator. Der kleine Rechenschieber wurde irgendwann vom Taschenrechner abgelöst. Zum anderen spielt der gesellschaftliche Wandel eine Rolle. So gab es früher in Kirchen den „Nickneger“. Die Figur diente als Spendenbüchse für die Mission. Sie verbeugte sich, wenn man Geld hineinwarf. Das ist heute einfach nicht mehr politisch korrekt. Oder die fahrbare Badewanne, die wir in der Ausstellung zeigen: Sie stammt aus der Nachkriegszeit. Damals war Wohnraum knapp, viele Wohnungen hatten kein eigenes Bad. Das ist mittlerweile natürlich anders.

Woher haben Sie die Ausstellungsstücke?

Zum großen Teil aus dem Bestand des Volkskundemuseums. Wir sammeln seit den 80er Jahren Dinge, die unbemerkt aus unserem Leben verschwunden sind. Für die Ausstellung haben wir die Bevölkerung aufgerufen, uns solche Objekte zu überlassen – und uns ihre Geschichte dazu zu erzählen. So hat uns etwa eine Spanierin eine Audio-Kassette aus den 80er Jahren geliehen, auf der sie eine Liebesbotschaft für ihren deutschen Freund und späteren Mann aufgenommen hat. Das kann man sich in der Ausstellung anhören – auf einem Walkman, übrigens auch so eine verschwundene Sache aus den Achtzigern.

Welches ist Ihr Lieblingsstück?

Ich bin ein großer Fan unserer Blümchenbadekappen. Wir zeigen 15 Stück aus einer privaten Sammlung, die mehr als 100 davon umfasst. Schön finde ich auch das Gogomobil, das uns ein Privatmann überlassen hat. Eigentlich fährt er damit noch regelmäßig. Für die Dauer der Ausstellung verzichtet er darauf, damit sich die Besucher das Gefährt einmal genau anschauen können. 

Interview: Andreas Jalsovec

Die Ausstellung

ist bis zum 12. Oktober zu sehen, jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Weitere Infos unter www.schwaebisches-volkskundemuseum.de.

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