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Schwamm drüber: Das G8 ist ein Auslaufmodell – bereits die heutigen Viertklässler gehen wieder ins G9.

Ab 2018/19 wieder 13 Jahre bis zum Abitur

Rückkehr zu G9: Spaenle will nun 25 Jahre Ruhe

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Das Ende einer Machtprobe: Mit Schwung dreht Horst Seehofer die G8-Umstellung zurück, seine zunächst widerwillen Abgeordneten folgen. Schon für die heutigen Viertklässler wird das neue G9 gelten.

München – Ein Seehofer-Stoßseufzer vor dem Treffen mit den Abgeordneten. „Mein Gott“, stöhnt der Ministerpräsident, „so wichtige Entscheidungen sind ein Prozess.“ Im Leben sei es halt oft so, dass ein Beschluss länger dauere. „Aber am Schluss ist man von einer Sache überzeugt, mit sich im Reinen.“

Der Chef ist überzeugt, die Abgeordneten folgen – am Ende läuft es in der CSU auch bei der Gymnasialreform nach diesem Schema. Am Mittwochabend beschließt die Fraktion die schnelle Abkehr vom G8. Seehofers Werben dafür („wäre klug“) wirkt. Entscheidend ist wohl ein üblicher Trick: Er macht aus der in der CSU umstrittenen Reform ein „Bildungspaket“ mit 2000 Stellen, davon 1000 für andere Schularten. Das klingt besser und mindert Vorbehalte mancher CSU-Abgeordneter. Das, so lässt er fallen, „war meine Entscheidung“.

Ludwig Spaenle beschloss als Abgeordneter vor 15 Jahren das G8 mit.

Haushaltspolitiker murren, darunter Ausschuss-Chef Peter Winter. „Eine gewisse Besorgnis“, nennt er im kleinen Kreis. „Man darf nicht vergessen, dass wir in den vergangenen Jahren im Bildungsbereich 7000 neue Stellen geschaffen haben.“ Kollegen sekundieren halblaut, es werde immer teurer, dennoch flamme die unpopuläre Schuldebatte andauernd neu auf. 870 Millionen Euro bis 2025/26 soll das kosten, Folgekosten für viele Generationen.

Die Mehrheit hält aber. Von einem sehr ausführlichen Vortrag des Schulministers Ludwig Spaenle wird aus der Fraktion berichtet. Der wichtigste Kern: Er verspricht „für ein Vierteljahrhundert „ Ruhe. Die Reform startet zum Schuljahr 2018/19, dann für die Klassenstufen fünf und sechs. Die jetzigen Viertklässler werden also der erste Jahrgang des neuen G9. „Das zusätzliche Jahr wird den Schülern guttun. Es bewirkt größere Nachhaltigkeit, mehr Vertiefungsmöglichkeiten und wird die Qualität des Gymnasiums noch einmal steigern“, sagt Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes.

Schüler sollen aber die Möglichkeit haben, das Abi nach acht Jahren abzulegen. In der Regel soll dann die 11. Klasse übersprungen werden. Seehofer betont, er erwarte, dass das ein zweistelliger Prozentsatz der Schüler tue. Dafür würden die Schulen Budgets und Stellen bekommen.

Die Eckpunkte der Reform:

-Fächer: Über die Jahre gerechnet soll die Zahl der Wochenstunden im Vergleich zum G8 um etwa 18 Stunden steigen – und nicht einfach die aktuelle Stundenzahl von acht auf neun Jahre gedehnt werden. Die „Stärkung der Kernfächer“ ist erklärtes Ziel, heißt es im Antwortkatalog des Kultusministers auf Fragen der CSU-Fraktion. „Kein Fach wird schlechtergestellt.“ Informatik soll Pflichtfach in allen Ausbildungsrichtungen werden. Die Profilbildung (etwa sprachliches/naturwissenschaftlich-technologisches Gymnasium) soll weiterhin zur 8. Klasse erfolgen.

Michael Schwägerl vom Philologenverband lobt den Kurswechsel.

-Nachmittagsunterricht: Der Pflichtunterricht am Nachmittag sinkt deutlich: In der Unter- und Mittelstufe soll es kaum mehr Nachmittagsunterricht geben. Die Wochenstundenzahl schwankt zwischen der 5. und 9. Klasse zwischen 30 und 31. In der 10. Jahrgangsstufe sind 33 angedacht, in der 11. Klasse 34 Stunden – zwei davon für das bisherige P-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung (das somit um ein Jahr vorgezogen wird). Die Kinder sollen mehr Zeit für andere schulische Angebote, Musik, Sport und Ehrenamt haben.

-Fremdsprachen: Es bleibt bei der Mindestvorgabe von zwei Pflicht-Fremdsprachen. Und es soll auch dabei bleiben, dass die erste Fremdsprache in der 5. und die zweite in der 6. Klasse startet.

-Neue 11. Klasse: Der 11. Klasse soll künftig eine ganz besondere Bedeutung zukommen: Hier soll stärker die „vorwissenschaftliche Arbeitskompetenz“ geübt werden. Inhaltiche Akzente sollen in Informatik, aber auch in Sozialkunde und Geschichte gesetzt werden – die Demokratieerziehung soll stärker als früher Aufgabe des Gymnasiums werden. Auch Auslandsaufenthalte bieten sich dann besonders an.

-„Überholspur“: Schüler, die das Abitur auch weiterhin nach acht Jahren ablegen wollen, sollen die elfte Klasse auslassen dürfen. Sie sollen zwei Jahre lang aufs „Überspringen“ vorbereitet werden, mit Zusatzkursen am Nachmittag.

-Oberstufe: Das Konzept der Oberstufe bleibt, und es bleibt auch beim Fünf-Fächer-Abitur. Es sollen aber „Möglichkeiten zur vertieften Profilbildung“ geprüft werden, heißt es im Konzept des Ministeriums. Vorstellbar ist, dass je nach Neigung des Schülers ein Fach zu einer Art Leistungskurs wird.

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