+
Vor Gericht: Der ehemalige Manager des Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW), Olaf E. (l.) unterhält sich mit seinem Anwalt. E. muss sich seit Montag unter anderem wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung beim Panzerverkauf an Griechenland verantworten.

1,15 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt

Prozess gegen früheren KMW-Rüstungsmanager

München - Ein Ex-Manager des Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) soll bei Rüstungsgeschäften mit Griechenland an Schmiergeldzahlungen beteiligt und dabei 1,15 Millionen Euro für sich selbst abgezweigt haben.

Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht München gestand er am Montag, Geld bekommen zu haben. Der maßgebliche griechische Vermittler habe ihn aber lediglich auf „rein freundschaftlicher Basis“ an seiner eigenen Provision beteiligt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 72-Jährigen Steuerhinterziehung, versuchten Betrug und Geldwäsche vor. Griechenland habe 2001 von KMW für 188 Millionen Euro 24 Panzerhaubitzen gekauft. Laut Anklage sollen dabei 7,9 Millionen Euro Schmiergeld geflossen sein - auch der damalige griechische Verteidigungsminister soll Geld bekommen haben. Der griechische Partner soll Bestechungsgelder gezahlt und als Beraterhonorar abgerechnet haben.

Der Vorwurf der Bestechung ist inzwischen verjährt. Der angeklagte ehemalige KMW-Vizepräsident für internationales Marketing sagte, der stellvertretende Rüstungsdirektor in Athen sei bestochen worden. „Es war bekannt, dass in südosteuropäischen Ländern ohne diese Zahlungen Verträge nicht zustande kommen.“ KMW habe nie selbst „nützliche Aufwendungen“ geleistet. Auslandsgeschäfte liefen aber fast immer über Vertreter und Vermittler vor Ort. Bei Aufträgen über 100 Millionen Euro seien zwei bis drei Prozent Vermittlungs- und Beratungsprovision marktüblich. Einzelheiten habe er von den Partnern vor Ort gar nicht wissen wollen: „Meine und unsere Haltung war: Lass mich damit in Frieden, das ist deine Angelegenheit.“

Der Vorsitzende Richter sagte, KMW habe die Provision des Beraters vor dessen Zahlungen an den KMW-Manager kräftig erhöht - möglicherweise gebe es da einen Zusammenhang, denn „solche Geschenke sind selten“. Das bestritt der Angeklagte vehement. Zuvor hatte er beklagt, er sei mit lediglich gut 6000 Euro netto Monatsgehalt unterdurchschnittlich bezahlt worden und habe sich frustriert gefühlt. Der Angeklagte sitzt seit Januar in Untersuchungshaft.

Dem KMW-Konzern legt die Staatsanwaltschaft wegen der Absetzung der Beraterhonorare einen nicht gerechtfertigten Steuervorteil zur Last. Das wäre als Ordnungswidrigkeit strafbar. Allerdings sei nicht nachzuweisen, dass der heutige Aufsichtsratschef Manfred Bode oder die anderen Manager, die die Bilanzen jener Jahre unterzeichnet hatten, von der Bestechung wussten, sagte der Staatsanwalt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen mehrere andere Verdächtige, darunter auch gegen ehemalige Bundestagsabgeordnete, die sich gute Kontakte zur sozialistischen Partei in Griechenland zunutze gemacht haben sollen.

KMW hatte den Ex-Manager 2014 auf Rückzahlung des angeblich eingesteckten Bestechungsgeldes verklagt, die Klage aber zurückgezogen, weil der Mann den Vorwurf vor Gericht mit einer eidesstattlichen Erklärung bestritten hatte. Die Anklage wirft ihm deshalb jetzt auch versuchten Prozessbetrug vor. Für den Prozess gegen den Ex-Prokuristen sind bis 3. Dezember neun Sitzungstage terminiert.

dpa

 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lawinen-Ticker: Nur in Allgäuer Alpen erhebliche Gefahr
Lawinen sind der absolute Alptraum für Wintersportler. In unserem Ticker verraten wir Ihnen, wie sich die Lage an den bayerischen Ausflugszielen aktuell darstellt.
Lawinen-Ticker: Nur in Allgäuer Alpen erhebliche Gefahr
Wer kennt diesen Mann? Polizei veröffentlicht Foto nach Raub
Ein bewaffneter Mann hat am Donnerstagabend eine Tankstelle in Eggenfelden überfallen. Jetzt hat die Polizei ein Foto veröffentlicht.
Wer kennt diesen Mann? Polizei veröffentlicht Foto nach Raub
Rätsel nach Fund von Frauenleiche gelöst
Wer ist die Frau? Und woran starb sie? Diese Fragen waren nach dem Fund einer Leiche im Landkreis Kelheim offen. Inzwischen hat die Polizei sie wohl geklärt.
Rätsel nach Fund von Frauenleiche gelöst
Straße nach Lkw-Unfall stundenlang gesperrt
Ein Lkw-Fahrer ist bei einem Unfall auf der Bundesstraße 14 in der Nähe von Gebenbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) schwer verletzt worden.
Straße nach Lkw-Unfall stundenlang gesperrt

Kommentare