Helfer-Paar erzählt

Ruhe finden im Advent: Der Sprung aus dem Hamsterrad

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Bad Kohlgrub - Lydia und Heiko Padberg haben eine Lieblingsbeschäftigung: helfen. Sie arbeiten in der Pflege, engagieren sich bei den Maltesern – und sind Taufpaten von Zwillingen einer nigerianischen Flüchtlingsfamilie. Aber die beiden sind auch Meister darin, in der Hektik des Alltags Momente der Ruhe zu finden.

Es ist ein festes Ritual: eine Tasse Kaffee, in den Sessel fallen, die Füße hochlegen. Und dann einfach mal ein paar Minuten gar nichts tun. Nur durchatmen, während sich der Duft vom frischgebrühten Kaffee um die Nase wickelt. So lässt Lydia Padberg los. So schafft sie es, den Schalter umzulegen. So wird aus der Helferin, aus der Problemlöserin, die sie jeden Tag ist, am Abend wieder einfach nur Lydia Padberg.

Lydia Padberg und ihr Mann Heiko aus Bad Kohlgrub (Kreis Garmisch-Partenkirchen) attestieren sich gegenseitig ein Helfersyndrom. Zwar mit einem beiläufigen Schulterzucken, aber nicht ganz ohne Stolz. „Es ist eine Lebenseinstellung“, sagt Lydia Padberg. Von dieser Leidenschaft am Helfen profitieren viele. Im Moment aber ganz besonders zwei einjährige Zwillinge aus Nigeria.

Tagsüber, in ihrem „normalen“ Beruf, arbeiten beide als Pfleger. Heiko Padberg, 45, kümmert sich um Demenzkranke. Seine Frau mittlerweile um Reha-Patienten. Ein Job, der manchmal belastend sein kann. Die Gedanken daran nicht mit nach Hause zu nehmen, ist schwer.

Gerade wenn Feierabend nicht gleich Feierabend ist. Denn nach Dienstschluss kommt das Ehrenamt. Schon seit sie zwölf ist, engagiert sich Lydia Padberg für den Malteser-Hilfsdienst. Heute leitet die 56-Jährige den Ausbildungs-Bereich der Malteser in Garmisch-Partenkirchen. Ihr Mann Heiko, ebenfalls seit Jahrzehnten dabei, ist Leiter der Einsatzdienste.

Um aber trotzdem einmal am Tag aus dem Hamsterrad zu hüpfen, haben die Padbergs einen guten Weg gefunden. „Wir reden zu Hause kurz über unseren Tag, über die Arbeit. Aber dann ist das Thema weg.“ Dann hat das Helfen eine kurze Pause – und wird abgelöst von ganz banalen Dingen. Von den Stricknadeln oder gemeinsamen Spaziergängen. „Da kommt man am besten runter.“ Und das Hamsterrad ist weit weg.

Besonders die vergangenen Monate waren für die Padbergs eine turbulente, aber auch eine besondere Zeit. Sie waren für die Malteser mittendrin, als die Erstaufnahme-Einrichtung in Garmisch-Partenkirchen bezogen wurde. „Wir wurden ins kalte Wasser geworfen.“ Das Schwimmen mussten sie sich selbst beibringen. Täglich versuchten sie, Probleme zu lösen, die oft nicht zu lösen sind.

Dann kamen Kingsley und Joy Igbinedion. Das nigerianische Pärchen ist vor der Terrorgruppe Boko Haram geflohen. Über den Niger, Libyen – und das Mittelmeer. Drei Tage in einem wackeligen Boot, ohne Essen, ohne Trinken. Angekommen in Europa, landeten die beiden schließlich zur Erstaufnahme in Garmisch-Partenkirchen. Bei den Padbergs.

„Joy war hochschwanger“, sagt Lydia Padberg. Da schlug das Helfersyndrom durch. Die Padbergs besorgten ihr Matratze statt Feldbett und organisierten die Arzttermine. Nur zwei Wochen nach der Ankunft brachte Joy die Zwillinge Prince und Princess auf die Welt. Die stolzen Eltern wollten ihren Nachwuchs unbedingt taufen lassen. Und weil sich in Deutschland niemand so sehr um die Familie bemüht hatte wie die Padbergs, sollten sie die Taufpaten werden. Mittlerweile ist die junge nigerianische Familie in Aichach untergebracht, in einem unscheinbaren Haus im Stadtzentrum. Ein kleines Zimmer haben sie dort. Der Platz reicht gerade so für zwei Matratzen, eine Couch und ein paar Spinde. Immer wieder besuchen die Padbergs die Familie. Bauen ihnen eine Kinderklappe für das Treppenhaus. Helfen ihnen, die Behörden-Post zu entziffern. Oder spielen einfach nur mit ihren Patenkindern.

Jetzt, im Advent, wollen sie die Familie für eine Woche aus der tristen Enge befreien und sie zu sich nach Bad Kohlgrub holen, gemeinsam Weihnachten feiern. „Da wird es ein bisschen lebendiger als sonst“, sagt Lydia Padberg, deren beide Töchter längst erwachsen sind. Schon jetzt hängen Prince und Princess, die vor kurzem ihren ersten Geburtstag feierten, den Padbergs bei jedem Besuch in Aichach am Hosenzipfel. Das sind Momente, die oft noch wertvoller sind als Ruhe. Lydia Padberg sagt: „Es wird schön, wieder ein Kinderlachen im Haus zu haben.“

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