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Risiko Wintereinbruch: Eine S-Bahn fährt in den verschneiten S-Bahnhof Hackerbrücke ein.

Wintereinbruch: Die S-Bahn – besser als ihr Ruf?

München - In Nürnberg mussten Fahrgäste im ICE übernachten, in Oberfranken gab es Streckensperrungen. Die Münchner S-Bahn indes ist in dieser Woche relativ unbeschadet durch den Winter gekommen. Die Betonung liegt auf „relativ“: Kleinere Störungen häufen sich.

„Bahnbashing“ ist das Fachwort für das beliebte Lästern über die Bahn. Zu spät, überfüllt, noch dazu keine Durchsagen – man kennt das ja. Doch die Verantwortlichen um S-Bahn-Chef Bernhard Weisser halten dagegen. Das System S-Bahn ist in den vergangenen vier Tagen „relativ stabil unterwegs gewesen“, heißt es. Die staatseigene Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den S-Bahnverkehr durch eine eigene Qualitätsmanagerin überwachen lässt, bestätigt dies: „Es ist relativ gut gelaufen, wenngleich die Pünktlichkeit unterdurchschnittlich war.“ Soll heißen: Es gab keine Katastrophen, keinen 28. Januar 2010, der bahnintern als warnendes Beispiel gilt. Damals erwischte es die Bahn in München eiskalt – mit massiven Zugausfällen und Störungen. Zum Vergleich: Vergangene Woche fiel nur ein Triebfahrzeug auf der Stammstrecke aus.

Freilich: Dass die 27 S-Bahnzüge, die pro Stunde je Richtung auf der Stammstrecke fahren, alle auf die Minute pünktlich sind, will nun auch wieder niemand behaupten. Verspätungen im Minutenbereich bei der Abfahrt auf einem der S-Bahn-Außenäste sind derzeit nicht selten, bis zur Ankunft in München ist es dann oft eine Viertelstunde.

Schnee in München

Schnee in München

Manchmal sind die Verspätungen auch unkalkulierbar: Zum Beispiel die S 4 Richtung Geltendorf am Dienstagabend. Um 19.15 Uhr bleibt der Zug in Pasing stehen. Einfach so. 25 Minuten lang. Zwei Durchsagen vom Band verkünden zuerst eine Gleisbelegung durch einen vorherigen Zug, zehn Minuten später dann eine „polizeiliche Ermittlung“. Was nun stimmt – kein Fahrgast hat es je erfahren. Über fehlende Fahrgastinfos gab es in den letzten Tagen viele Beschwerden, weiß die BEG („ein Frustthema“). Oder am Mittwochabend 19 Uhr am Hauptbahnhof – der Tag heftigster Schneefälle. Auf Gleis 2 trudelt kurz hintereinander erst zwei Mal eine S 2, dann zwei Mal die S 3 ein.

Immerhin: Den Grund dafür kann die Bahn benennen: Weichenstörungen. 80 Prozent der Weichen haben Heizungen. Aber wenn Eisbrocken von vorbeifahrenden Zügen auf die Weiche fallen, gibt es Blockaden. Dann ist Handarbeit angesagt. „Bis ein Trupp unseres Winterdienstes vor Ort ist, kann es aber eine halbe Stunde dauern“, sagt die Bahnsprecherin. Donnerstag früh vor Betriebsbeginn fuhr die S-Bahn sogar Leerfahrten, um die Weichen frei zu halten.

Zweites Problem: Notarzteinsätze. „Früher gab es das einmal pro Woche, jetzt mindestens einmal am Tag“, stöhnt S-Bahn-Chef Weisser. Extrem war es am Mittwoch, als gleich vier Notarzt-Einsätze – zwei am Ostbahnhof, je einer am Marienplatz und in Karlsfeld – den Betrieb bremsten. „Das tut weh“, heißt es.

Ein Hauptproblem der S-Bahn bleibt indes das Ein- und Aussteigen der täglich rund 800 000 Fahrgäste: Jede Sekunde zählt – doch zu oft sind die Lichtschranken der Türen blockiert. Die Bahn will 2011 eine Kampagne starten. Wenn man pro S-Bahn-Halt nur eine Sekunde schneller sei, bedeute dies bei täglich 26 500 Stopps der Züge einen um sieben Stunden vergrößerten Zeitraum für Pünktlichkeit. Kurios: Die S-Bahn finanziert die Kampagne aus Strafzahlungen, die sie wegen Unpünktlichkeit leisten muss.

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