Bahn und Verband ziehen Bilanz

S-Bahn trocken gelegt: ein Jahr Alkoholverbot

München – Was mit einem großen „Abschiedstrinken“ und chaotischen Szenen in den S-Bahnen begann, ist nun offenbar Selbstverständlichkeit: das Alkoholverbot in der S-Bahn.

Ein Jahr nach der Einführung ziehen Bahn und Fahrgastverband eine positive Bilanz.

„Der Auftakt war miserabel, aber inzwischen hat es sich eingespielt“, sagt Andreas Nagel, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste. „Man kann mit dem Zustand, den wir jetzt haben, leben.“ Schon öfter habe er selbst Fahrgäste mit Bierflasche auf das Alkoholverbot hingewiesen. „Wenn man diplomatisch mit den Leuten redet, dann reagieren sie vernünftig und packen die Flasche weg“, schildert Nagel seine Erfahrungen. Schwarze Schafe gebe es trotzdem. „Wer immer auffällig ist, beachtet das Verbot nicht. Es wird vorgeglüht, und bei Fußballspielen hält sich eh keiner an Regeln.“

Wie Bahnsprecher Bernd Honerkamp betont, geht es nach wie vor nicht darum, den Druck auf diejenigen zu erhöhen, die im Waggon ein Feierabendbier trinken. „Es geht uns darum, Störenfriede zu eliminieren.“ Darum habe die Bahn voriges Jahr entschieden, sich dem MVV anzupassen, der U-Bahn, Bus und Tram ab 2009 trocken gelegt hat. „Außerdem wollten wir eine Handhabe gegen Fahrgäste haben, die in der S-Bahn trinken“, erläutert der Sprecher. Das erleichtere die Arbeit von Polizei und Sicherheitskräften. „Jetzt können wir Durchgreifen.“ Rauswürfe und Hausverbote, wie sie bei notorischen Schwarzfahrern verhängt werden können, wären möglich. Allerdings schränkt Honerkamp ein: „Das kam im Zusammenhang mit Alkohol bisher nicht vor.“ Kaum zu glauben: Die S-Bahn verhängte kein einziges alkohol-bedingtes Hausverbot. Ein Hinweis des Personals reiche aus, dass Fahrgäste ihre Bier- oder Schnapsflasche wegsteckten oder aus freiem Willen die S-Bahn verließen. „Das Verbot zeigt Wirkung.“

Die Bundespolizei weist darauf hin, dass Schlägereien in der S-Bahn oft mit Alkohol zu tun hätten. „Aber die Beteiligten sind oft schon betrunken, wenn sie einsteigen“, räumt ein Sprecher ein. „Wer betrunken ist, darf mitfahren, wer in der S-Bahn trinkt, nicht.“

Corinna  Erhard

Rubriklistenbild: © dpa

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