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Ein heikler Punkt im System: Einsteigen in die S-Bahn, es zählt jede Sekunde.

Die S-Bahn will pünktlicher werden

München - Streikgefahr hin oder her – die S-Bahn jagt die Sekunden. Mit einer neuen Kampagne sollen die Züge auf der Stammstrecke und den Außenästen pünktlicher werden. Ein Ansatzpunkt: Bremsvorgänge können bald schneller ablaufen.

Rund 800 000 Fahrgäste täglich, über 1000 Zug-Fahrten, 30 Fahrzeuge je Richtung auf der Stammstrecke zwischen Pasing und Ostbahnhof in der Stunde - das S-Bahn-System in München arbeitet am Limit. Jetzt geht es Münchens S-Bahn-Chef Bernhard Weisser darum, durch Verbesserungen an kleinen, aber entscheidenden Stellschrauben Zeitgewinn zu erzielen.

Ein Ansatzpunkt: Durch eine Software-Änderung sollen ab dem Sommer je Zughalt 1,5 Sekunden eingespart werden. Im Moment muss der Lokführer beim Anfahren am Bahnsteig eine Art Feststellbremse lösen, was drei Sekunden dauert. Eine Software-Optimierung, die allerdings noch vom Eisenbahnbundesamt genehmigt werden muss, soll diesen Vorgang um 1,5 Sekunden beschleunigen. „Eine Energie, Zeit und Material sparende Maßnahme“ nennt es Weisser.

1,5 Sekunden – das klingt nicht viel. Aber bei im Schnitt 30 S-Bahn-Züge je Stunde und Richtung auf der Stammstrecke könnten so 45 Sekunden in der Stunde gewonnen werden, rechnet Weisser vor. „Das läppert sich.“ Die knappe Minute soll nicht dazu verwendet werden, um noch einen S-Bahn-Zug zusätzlich durch die Münchner Innenstadt zu schleusen, sondern sie soll sozusagen als Puffer dienen, um die Pünktlichkeit insgesamt zu verbessern.

Um diese war es zuletzt nicht gut bestellt. Die Werte im Dezember 2010 etwa rauschten in den Keller – nur gut 80 Prozent der S-Bahnen waren pünktlich. Auch Weichen- und Signalstörungen sowie Baustellen setzen der S-Bahn zu. Weisser bestätigt dies, weist aber daraufhin, dass der Jahreswert der zweitbeste seit 2006 gewesen sei. Auch seien 2010 nur insgesamt vier S-Bahnen wegen einer Fahrzeugpanne im Streckennetz hängen geblieben – vier Züge bei insgesamt rund 300 000 Fahrten im Jahr.

Die Sache mit der Bremse ist freilich nur ein Projekt, das die S-Bahn bei ihrer Kampagne „Sekunden suchen“ umtreibt. Ein weiteres: Die Einstiegsbereiche der 238 S-Bahn-Züge wurden bereits gelb markiert, damit Fahrgäste nicht die Lichtschranken blockieren. Auch sollen nach einem erfolgreichen Test am S-Bahnhof Hirschgarten die Abfertigungsansagen („Zurückbleiben bitte“) auf vielen Bahnhöfen künftig vom Band kommen – die S-Bahn rechnet dadurch ebenfalls mit Zeitgewinnen. Außerdem ist derzeit ein Online-Portal für die Mitarbeiter im Aufbau – ein Projektteam soll die bestenVorschläge zum Gewinn versteckter Sekunden prüfen und umsetzen.

Ein Meilenstein steht vor dem Abschluss: In alle Züge werden zusätzliche Besandungsanlagen eingebaut, nachdem das Eisenbahnbundesamt dafür grünes Licht gegeben hat. Derzeit sind schon 155 Fahrzeuge umgerüstet. Die S-Bahnen können damit in diesem Herbst ohne Temporeduzierung auch bei Schmierfilm auf dem Gleis weiterfahren. In den Jahren zuvor musste die S-Bahn einen reduzierten Herbstfahrplan konstruieren. Diesen wird es nicht mehr geben, verspricht S-Bahn-Chef Weisser.

Dirk Walter

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