S-Bahn-Ausbau: 2012 hat die Staatsregierung ein „13-Punkte-Sofortprogramm“ beschlossen, das Engstellen im S-Bahn-Netz beseitigen soll. Manche Punkte sind schon erledigt (wie der Ausbau Altomünster-Dachau), manche sind ungewiss (wie die LZB – Linienzugbeeinflussung – Pasing).

Zweiter S-Bahn-Tunnel wieder verschoben

„Es geht wertvolle Zeit verloren“

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München - Quo vadis, S-Bahn? Nach der neuerlichen Verschiebung der zweiten S-Bahn-Röhre herrscht Ratlosigkeit. „Da geht wertvolle Zeit verloren durch die Fixierung auf den 2. Tunnel“, sagt der CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber.

Zwei Hiobsbotschaften streute Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag unters Volk. Erstens: Der zweite S-Bahn-Tunnel soll später fertiggestellt werden – erst 2025, nicht 2022, wie es bisher offiziell Sprachlinie war. Und er wird wesentlich teurer: statt gut zwei Milliarden über drei Milliarden Euro.

Dass nach diesen Ankündigungen viel Lobpreis auf ihn herabfällt, hatte der Minister wahrscheinlich nicht erwartet, zumal es keine geänderte Strategie geben soll. Erst soll der zweite S-Bahn-Tunnel gebaut werden, zeitgleich oder auch erst später gibt es so genannte „netz-ergänzende Maßnahmen“, deren Bau angeblich erst Sinn macht, wenn der Tunnel fertig ist. Eben dies kritisieren sowohl CSU als auch SPD. „Der zweite Tunnel löst nicht alle Probleme“, mahnt der CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber. Die Bahn und die Politik starre „wie das Kaninchen auf die Schlange“ auf die zweite Stammstrecke – anstatt machbare Projekte endlich umzusetzen. Er warnt: „Da geht wertvolle Zeit verloren.“

Die Liste ist lang: Ob Wendegleis in Weßling, die Tempobeschleunigung auf der S8-Flughafenstrecke, der Bau eines Regionalzughalts auf dem Südring (Poccistraße) oder auch ein zweites Gleis zwischen Steinebach und Seefeld – all dies ist seit 2010 in mindestens zwei großen Bahnkonzepten der bayerischen Staatsregierung verabschiedet worden, ohne dass diese Projekte bisher aber felsenfest geplant oder gar finanziert wären. Huber drängt darauf, diese kleineren Ausbauten nun vom 2. Tunnel zu entkoppeln und vorzuziehen.

Auf ein anderes Beispiel verweist der Fürstenfeldbrucker Abgeordnete Herbert Kränzlein (SPD): Auch ein Großprojekt wie der Bau eines dritten Gleises auf der S4-Strecke Pasing-Eichenau sei ungewiss. „Wir gehen einem Chaos entgegen, wenn wir da weiter vor uns hinsandeln“, sagt Kränzlein. „Das schädigt den Wirtschaftsraum München.“ Kränzlein betont, dass Herrmann erst nach einer Ortsbesichtigung im vergangenen Jahr entschieden habe, den Bau des dritten Gleises nun unabhängig vom Bau des 2. Tunnels anzugehen – zumindest die Planung. „Ich gehe davon aus, dass Herrmann dabei bleibt.“

Eine Exit-Strategie für den zweiten Tunnel fordert abgesehen von Grünen, Freien Wählern und dem Fahrgastverband Pro Bahn bislang niemand. Erwin Huber sprach gestern jedoch vorsichtig nur noch vom „möglichen“ zweiten Tunnel. „Ich glaube nur noch an wenig.“ Auch die zwei Milliarden Euro Baukosten seien nicht zweifelsfrei abgesichert worden. „Jetzt sehe ich ein gewaltiges Finanzierungsproblem.“ Eine Finanzierungsvereinbarung müsse dringend jetzt, und nicht wie von Herrmann anvisiert erst im dritten Quartal 2016 in Angriff genommen werden. Außerdem müsse es eine neue Nutzen-Kosten-Prüfung geben. Die Freien Wähler wollen die CSU per Landtagsbeschluss auf eine endgültige Entscheidung Pro oder Contra Tunnelbau noch 2015 festlegen – auch diesen Termin will Herrmann auf 2016 verschieben.

Unaufgeregt registriert die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) die neue Sachlage. Sie hält an der geplanten Ausschreibung der S-Bahn München 2018 fest. Eine erste Betriebsstufe werde indes weitgehend „dem Status quo“ entsprechen, sagt BEG-Chef Johann Niggl. Im Klartext: Große Verbesserungen, eigentlich Sinn jeder Ausschreibung, sind nicht zu erwarten.

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