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In Schwaben wurden zuletzt auf mehreren Maisfeldern Pflanzen mit Metallteilen präpariert. Die Schäden sind immens – und die Verletzungsgefahr ist hoch.

Metallteile im Häcksler

Sabotage im Maisfeld: „Da geht es um Leib und Leben“

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Die Maisernte ist in vollem Gang – doch im nördlichen Schwaben häuften sich zuletzt wieder Fälle von Sabotage. Unbekannte haben Pflanzen mit Metallteilen präpariert und damit hohe Schäden verursacht. Die Polizei bittet um Mithilfe.

München – Erst am vergangenen Sonntag war es wieder so weit. In der Nähe von Bayerdilling, einem Ortsteil der schwäbischen Stadt Rain, geriet am Abend auf einem Feld ein Metallteil in einen Maishäcksler. Sachschaden: 15 000 Euro. Schon wieder. Denn erst am Tag zuvor hatte die Polizei im einige Kilometer entfernten Ehingen einen ganz ähnlichen Fall aufgenommen. Dort war der Landwirt gerade mit der Maisernte beschäftigt, als er plötzlich einen lauten Schlag bemerkte. Er sah nach, was da passiert ist und stellte fest, dass die Messer seines Häckslers stark beschädigt wurden. Auch hier entstand ein Schaden im fünfstelligen Bereich.

In Schwaben häufen sich diese Vorfälle in den letzen Wochen. Bereits sechs Fälle gab es in und um den Landkreis Donau-Ries, wie Siegfried Hartmann vom Polizeipräsidium Schwaben Nord erklärt. Der Gesamtschaden summiere sich bereits auf rund 80 000 Euro. Betroffen sind mehrere Landwirte. Die Beamten gehen von gezielter Sachbeschädigung aus. Offenbar will jemand den Landwirten die Ernte sabotieren.

„Wenn so ein Teil im Fahrerhaus einschlägt, können die Fahrer schwer verletzt werden“

Denn hinter den Metallstangen im Maisfeld steckt ein perfides System. Mittels Kabelbinder hatten der oder die unbekannten Täter die Metallstücke an einem Pflanzenstamm befestigt. Bei einem Fall Anfang September wurde ein Metallstück rechtzeitig entdeckt. Es handelte sich um ein etwa 16 mal 6 Zentimeter großes Edelstahlflachblech, das wohl mit einem Schraubstock zu einer „U“-Form gebogen wurde.

Bei der Polizei werden die Fälle derzeit unter dem Delikt Sachbeschädigung geführt. Doch gefährlich ist das Ganze nicht nur für die Erntemaschinen. „Da geht es um Leib und Leben“, warnt Markus Peters vom Bayerischen Bauernverband. „Die Fahrer sitzen bei den Erntemaschinen über dem Schnittwerk.“ Wenn die Metallteile unter ihnen zersplittern, können sie wie Geschosse durch die Luft fliegen. „Wenn so ein Teil im Fahrerhaus einschlägt, können die Fahrer schwer verletzt werden“, sagt Peters. Die Fahrer – entweder der Landwirt selbst oder oft auch ein Dienstleister – sind machtlos. „Man kann sich gegen solche Sabotageakte nicht absichern“, sagt Peters. Abgesehen von den enormen Kosten, die diese Aktionen verursachen, fährt bei vielen Fahrern in der Region nun die Angst mit.

Polizei tappt weiter im Dunkeln

Auch der örtliche Kreisobmann des Bauerverbands, Karlheinz Götz, hofft, dass die Täter bald geschnappt werden. „Wenn das im größeren Stil so weiter geht, kommen die Lohnunternehmer nicht mehr.“ Bereits im vergangenen Jahr hatte es immer wieder Fälle gegeben. Damals setzten die Bauern mit der Polizei eine Belohnung für Hinweise aus. Geklärt konnten die Fälle trotzdem nicht werden. Etwa zwei Wochen wird die Maisernte in Bayern noch dauern. Und auch wenn es in Oberbayern bislang noch keine Fälle gab, blickt Bezirkspräsident Anton Kreitmayr mit Sorgen nach Schwaben. „So etwas ist nicht hinnehmbar“, sagt er.

Bei der Suche nach den Tätern tappt die Polizei nach wie vor im Dunklen. „Bislang ist nicht klar, welches Motiv dahinter steckt“, sagt Hartmann. Missgunst unter Landwirten sei ebenso denkbar wie etwa eine militante Sabotage-Aktion von Gegnern von Mais-Monokulturen. Das Problem ist, dass die Täter schwer zu fassen sind. Deshalb hofft die Polizei nun auf Hinweise aus der Bevölkerung. Spaziergänger, die etwas Verdächtiges oder Ungewöhnliches im Bereich der Maisfelder beobachten, sollen sofort die 110 wählen.

Die Bauern im Landkreis Donau-Ries werden am Sonntag Erntedank feiern. Und dabei nicht nur froh über den Ertrag sein – sondern auch darüber, dass sie ihre Ernte hoffentlich schadlos einfahren konnten.

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