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Alles richtig: Helmut Ettenhuber zeigt Hochdeutsch, Münchnerisch, Oberpfälzisch, Niederbairisch und Wienerisch (von oben).

Erhalt der bairischen Sprache ist für ihn Herzenssache

Das sagt ein Fachmann für Muttersprache: „Ausländer lernen am besten Bairisch“

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Der Erhalt der bairischen Sprache. Für Helmut Ettenhuber ist das eine Herzenssache. Ettenhuber hat an der Hochschule für angewandte Sprachen studiert. Heute gibt der 70-Jährige an der Münchner Volkshochschule Kurse für alle, die Bairisch lernen wollen.

München – Zum Tag der Muttersprache haben wir ihn getroffen. Ein Gespräch über die Zukunft des Bairischen und die Erkenntnis, dass nichts bleibt, wie es ist.

Herr Ettenhuber: Was kommen für Menschen in Ihre Bairisch-Kurse?

Im Prinzip drei Gruppen: Ausländer aus aller Herren Länder – die alle gut Deutsch können, aber Bayern um sich haben. Einer zum Beispiel war Däne und seine Hausmeisterin hat nix anders können als Boarisch, und drum hat der angefangen, das zu lernen. Die zweite Gruppe sind Preißn. Die dritte junge Münchner Frauen, die Eltern haben, die Bairisch sprechen. Aber ihnen wurde das Bairisch in der Jugend ausgetrieben. Jetzt sind sie 30 und suchen nach ihrer eigenen Identität und Sprache.

Warum gerade Frauen?

Das weiß ich auch nicht.

Was erwartet die Teilnehmer in Ihrem Kurs?

Münchner haben ein großes passives Wissen, kennen die Wörter. Aber von der Sprache her haut‘s nicht. Ich gehe das im Kurs wie eine Fremdsprache an. Ich mache Grammatik, Phonetikübungen. Die Ausländer lernen Bairisch am besten, weil sie es wie eine Fremdsprache betrachten.

Schneller als Deutsche?

Die Deutschen, die meinen oft, das geht Hokuspokus!

„Es gibt Rheinländer, die werden es nie schaffen“

Gibt es hoffnungslose Fälle?

Es gibt Rheinländer, die werden es nie schaffen mit ihrem rheinischen „L“. Das dunkle, englische „L“, das gibt es im Bairischen gar nicht. Oder das baierische rollende „R“. Damit kommen viele Norddeutsche nicht zurecht.

Da müssen sich ja fürchterliche Szenen abspielen?

Naaa – des duad ned weh! Ich sag immer: Es ist ein heiteres aber bewusstes Lernen. Wer mehr mitnimmt, nimmt mehr mit. Wer weniger mitnimmt ... aber trotzdem muss er Freude dran haben. Natürlich sagen die Leute: Uuiiih – wenn ich das draußen reden würde. Das kann ich ja nie machen. Ich sag dann: Des is mir wurscht! Wir sind da herin und da darfst du probieren. Und das klappt.

Gibt es Hausaufgaben?

Ja. Einen Zettel mit zehn bairischen Wörtern, und da müssen die Teilnehmer schauen, wo die Wörter herkommen.

Ein Beispiel ...

In der Bäckerei müssen’s die bayerischen Semmeln lernen. Was a Riemische is. Oder ein Oaweggal. Was im Prinzip ja ausstirbt. Die meisten Bäckereiverkäuferinnen haben ja keinen bairischen Background mehr.

„In meinem Dorf spricht man heute zu 70 Prozent Münchnerisch.“

Woher kommt Bairisch?

Bairisch ist eine germanische Sprache. Es unterteilt sich in Nordbairisch, Mittelbairisch und Südbairisch – wobei Nordbairisch für mich Oberpfälzisch ist. Mittelbairisch sprechen wir in München. Südbairisch ist DJ Ötzi – also Südtirol, Kärnten, Tirol. Die haben ja dieses markante „Kch“ – „Speckchknödl“.

Sagen Sie mal was in verschiedenen Dialekten ...

(Grübelt kurz) Nehmen wir mal „Viel zu viel Gefühl“. Das heißt auf Mittelbairisch „vui z vui Gfui“. Das „l“ wird wegvokalisiert, wird also zum „i“. Im Nordbairischen ist das „l“ noch da. Da heißt das dann „vüll z vüll Gfüll“.

„Alle haben damals im Dorf gewohnt und gearbeitet“

Früher hatte jedes Dorf seinen eigenen Dialekt ...

Sowieso. Ich bin als Kind in Oberschweinbach im Landkreis Fürstenfeldbruck aufgewachsen, bevor ich mit sieben Jahren nach München bin. Der Dorfdialekt war meine erste Sprache. Alle haben damals in dem Dorf gewohnt und gearbeitet. Heute fahren viele nach München in die Arbeit. Es gibt keine Bauern mehr. Die bringen ihren Dorfdialekt nach München und dort heißt es: was redst denn du für a kracherts Boarisch? Sie verändern also ihren Dorfdialekt ins Münchnerische – und tragen das ins Dorf zurück. In meinem Dorf spricht man heute zu 70 Prozent Münchnerisch. Die 30 Prozent, das sind die Alten.

Die im eigenen Dorf nun sprachlich Fremde sind.

So ungefähr. Es ist ja beides Bairisch, aber der Basisdialekt des Dorfes verändert sich. Deutsch verändert sich auch permanent. Irgendwann wird in der Hochsprache der Genitiv aussterben.

Für Bairisch gibt es keine einheitliche Rechtschreibung. Warum?

Weil Bairisch keine Sprache ist, sondern ein Dialekt. Die Bayern haben immer Hochdeutsch geschrieben, auch die Literaten. In der Schweiz ist das ganz anders. Wenn ich in der Schweiz ans Gericht gehe, wird in Schwiizerdütsch verhandelt.

Über die Bayern wird sich ja viel lustig gemacht. Stärken Ihre Kurse das Verständnis fürs Bairische?

Ich glaube schon. Bairisch ist ja keine Kasperlsprache. Wir machen auch ernste Gedichte. Nach dem Kurs wissen die Teilnehmer mehr über Bayern und die Sprache. Ich hatte Berlinerinnen, die haben eine bayerischen Mann. Da muss man schon wissen, wie der baierische Konjunktiv geht: Kannt i bittschön? Es war recht – und so weiter.

„Ich bin trilingual: Dorfdialekt, Münchnerisch und Schulhochdeutsch.“

Erzählen Sie mal eine lustige Anekdote ...

Im letzten Kurs, da haben wir über die Uhrzeit geredet. Auf Bairisch heißt eine falsch gehende Uhr „Braderer“. Ein Braderer war eine mechanisch einfache Uhr, die ähnlich funktioniert hat wie ein Drehbräter. Ich hab gefragt, was das ist – und ein Atomphysiker aus Bonn schreit: „Das weiß ich, das weiß ich! Weil ich gestern in Wien im Uhrenmuseum war und da haben die mir das erklärt.“ Ich hab gesagt: „Sigst’as. Nach Wien muss man dich schicken, damitst was lernst!“

Kann ein Preuße das Gelernte in Niederbayern gefahrlos anwenden?

Wenn er eine Niederbayerin heiratet und in Vilshofen wohnt, fällt er nach 20 Jahren nicht mehr auf. Als Tourist? Ich vermute, gerade bei den Niederbayern, dass es heißt: Was wui denn der? Es könnte sein, dass sie ihn ein bisserl pflanzen.

Pflanzen?

Zum Narren machen.

Kann ein Bayer Berliner Schnauze lernen?

Ich würde sagen nein. Als Beispiel nehme ich da gerne Franz Josef Strauß. Ein hochintelligenter Mensch, Einserschüler im Maximilianeum. Strauß sprach Englisch, Französisch und Latein fließend – und Deutsch natürlich auch. Aber egal, in welcher Sprache er gesprochen hat (macht mit tiefer Stimmer den französisch sprechenden Strauß nach); ich wusste immer: Das ist ein Bayer! Aber das ist was Schönes, ein Zeichen von Identität, nichts Diffamierendes.

Dialekt fördert Identität?

Ich glaube schon. Es ist auch wurscht, ob einer aus Wanne-Eickel ist und mit rheinischer Sprachfärbung Nachrichten spricht. Jeder soll auf seine eigene Identität stolz sein.

„Sprache verändert sich“

Aber Dialekt ist im Wandel.

Ja. Die Mobilität ist größer, die Schulen haben sich verändert. Es wandern auch viele Anglizismen ein. Ois easy, oda? Sprache verändert sich.

Apropos Anglizismen: Viele Bayern lehnen die ab ...

Es ist ja nicht die Duden-Kommission, die sagt, wir müssen die aufnehmen. Das sind wir selbst. Worte kommen, Worte gehen. Zum Beispiel sagen heute alle Teenager. Würde man wie früher Jungsporn oder Jüngling sagen, würde man ausgelacht. Zur napoleonischen Zeit sind viele französische Wörter ins Bairische eingedrungen: Trottoir, Chaiselongue, Botschamperl. Und sie sterben wieder langsam aus. Trottoir sagt man nicht mehr, sondern Gehsteig.

Wie wird es mit dem Bairischen weitergehen?

Ich kenne viele Leute, die sich um den baierischen Dialekt bemühen – und ihre Enkel können es nicht mehr. Das ist einfach so. Die jungen Leute sprechen weniger Dialekt. Alle meine Schulkameraden haben Bairisch geredet. Deren Enkel nicht mehr.

Sollte man Bairisch in der Schule lernen?

Ich weiß es nicht. Sprachforscher sagen, wenn ein Schüler Dialekt spricht und die Hochsprache lernt, ist das schon die zweite Sprache. Man ist also bilingual. Mit dem Lehrer redet er Hochdeutsch, mit der Mama Bairisch. Ich bin demnach schon trilingual: Dorfdialekt, Münchnerisch und Schulhochdeutsch. (lacht)

Wird es Bairisch immer geben?

Ja, aber es wird sich verändern und der Hochsprache annähern. Bairisch war früher anders und es ist morgen anders.

Interview: Wolfgang Hauskrecht

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