In Kitzingen war's am wärmsten

Sahara in Bavaria: Bayern stöhnt unter der Gluthitze

München - Die 40-Grad-Marke wurde nicht erreicht - viel hatte aber zumindest in Unterfranken nicht gefehlt. Ganz Bayern schmorte am Wochenende unter einer gewaltigen Hitzeglocke.

Bayern hat am ersten Juliwochenende unter der Gluthitze gestöhnt. Temperaturen, die teils nahe an die 40-Grad-Grenze heranreichten, sorgten für brechend volle Freibäder und einen Riesenandrang an bayerischen Badeseen. Die aufgeheizten Innenstädte wirkten dagegen teilweise wie leer gefegt. Auch öffentliche Veranstaltungen, wie der „Tag der Franken“ am Sonntag in Erlangen, litten unter den tropischen Temperaturen, wenn sie aus Sorge um die Festgäste nicht ohnehin abgesagt worden waren..

Mehrere Städte über 37 Grad

Der Hitzepol lag dabei in Unterfranken: In der Kreisstadt Kitzingen stieg das Thermometer schon am Samstag auf 38,4 Grad. Von Südwesten nach Mainfranken einströmende Sahara-Luft toppte den Wert am Sonntag noch: Erst bei 39,2 Grad kam das Thermometer in der unterfränkischen Stadt am späten Nachmittag zum Stehen. Mehrere Städte im Norden des Freistaats kamen auf über 38 Grad. In Erlangen war es 38,5 Grad heiß, in Kahl am Main (Landkreis Aschaffenburg) 38,4 Grad und in Würzburg 38,0 Grad.

Für die Nacht zum Montag rechneten die Meteorologen vor allem über dem Norden Bayerns mit Gewittern, für den Süden erwarteten sie dagegen nur punktuell Blitz und Donner. Am Montag wird es mit Höchstwerten um die 30 Grad spürbar kühler. Bis auf ein paar Gewitter an den Alpen bleibt es tagsüber jedoch trocken. Bereits am Dienstag werden die Temperaturen aber wieder steigen, mit Höchstwerten zwischen 32 und 36 Grad.

Bei Badeunfällen kamen am Wochenende in Bayern mindestens zwei Menschen ums Leben. Ein 41-Jähriger starb am Sonntag beim Baden in einem Weiher bei Hütten in der oberpfälzischen Gemeinde Grafenwöhr (Landkreis Neustadt an der Waldnaab). Rettungskräfte versuchten vergeblich den leblos aus dem Wasser geborgenen Mann wiederzubeleben. Jede Hilfe zu spät kam auch für einen 30-Jährigen in Nürnberg, der am Sonntag zusammen mit einem Bekannten in der Pegnitz badete. Er konnte zwar nach aufwendiger Suche von Rettern lebend aus dem Wasser geborgen werden, starb aber wenige Stunden später in einem Krankenhaus.

Bahn auch von der Hitze betroffen

Auch andernorts stellte die Hitze die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen. So mussten am Samstag 80 Einsatzkräfte einen Waldbrand im Landkreis Aschaffenburg bekämpfen. Mindestens 3000 Quadratmeter Forst standen bei Alzenau in Flammen. Wegen der ohnehin extremen Sommerhitze konnten sie jeweils nur für kurze Zeit arbeiten. Eine 38-jährige Feuerwehrfrau wurde vom Rettungsdienst versorgt und ins Krankenhaus gebracht. Nach rund fünf Stunden und mit 45 000 Litern Wasser gelang es der Feuerwehr, den Brand zu löschen.

Tropische Temperaturen zwangen am Sonntag auch die Bahn dazu, einen Gang herunterzuschalten. Auf der Strecke zwischen Bamberg und Lichtenfels in Oberfranken verkehrten die Züge zeitweise nur mit gedrosseltem Tempo. „Techniker haben bei einer Prüffahrt festgestellt, dass dort die Oberleitungen etwas tiefer hängen als gewöhnlich“, berichtete eine Bahnsprecherin. Die Fachleute führten dies auf die große Hitze zurück. Die hohen Temperaturen hätten die stromführenden Leitungen anscheinend so stark gedehnt, dass sie nicht mehr ausreichend straff hingen.

Die extreme Hitze sorgt auch im Kulturbetrieb für Kapriolen. So musste am Samstagabend in Nürnberg eine Freiluft-Opernaufführung in den Rathaussaal verlegt werden - „wegen schönen Wetters“, teilte der Intendant des Festivals „Fränkischer Sommer“, Julian Christoph Tölle, dem Publikum mit. Große Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit hätten den Barockinstrumenten beim Einsatz im Freien stark zugesetzt. Sie alle fünf Minuten nachzustimmen - das habe man dem Publikum und dem Hannoveraner Ensemble „Musica Alta Ripa“ nicht zumuten wollen.

FC Bayern verlegt Trainingszeiten

Findige junge Kinomacher hatten daher in München gleich für die angemessene Abkühlung der Cineasten-Schar gesorgt - und im Innenhof der ehemaligen Likörfabrik auf der Münchner Praterinsel zum Whirlpool-Cinema eingeladen. Statt auf gepolsterten Kinosesseln nahmen die Besucher in Wasser gefüllten Gummibecken Platz. 150 Tickets verkaufte das Team für die München-Premiere ihres Events am Freitagabend. Gezeigt wurde der Film „Pulp Fiction“. Doch um den ging es bei dem Event nur am Rande, wie einige Besucher einräumten.

Auch beim Rekordmeister Bayern München orientiert sich inzwischen der Trainingsplan am Wetter. Nach einem freien Sonntag beginnt bei den Bayern an diesem Montag bereits um 9.00 Uhr das Training, was für das Team ungewöhnlich früh ist. Auch bei den Testspielen der bayerischen Profi-Clubs, wie beim 8:1 des FC Augsburg beim Landesligisten Mering, gab es immer wieder Trinkpausen für die Spieler. „Bei den Temperaturen ist nicht jedes Spiel einfach“, sagte Doppeltorschütze Dominik Kohr vom FC Augsburg zum Ende der ersten Trainingswoche.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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